BLKÖ:Inama-Sternegg, Karl Theodor Ferdinand Michael von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sterneder, Ferdinand
Band: 38 (1879), ab Seite: 304. (Quelle)
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Sternegg, richtig Inama-Sternegg, Karl Theodor Ferdinand Michael von (staatswirthschaftlicher Schriftsteller, geb. zu Augsburg am 20. Jänner 1843). Ist der älteste Sohn des damaligen königlich bayerischen Stadtgerichtsassessors Johann Nep. von Inama-Sternegg. Seine Kindheit verbrachte derselbe in Augsburg, bis er im Jahre 1848 mit seinem Vater nach Neuburg an der Donau übersiedelte. Hier besuchte er die Volksschule und seit 1852 das Gymnasium; im Jahre 1856 trat er in das Gymnasium zu Amberg ein, das er im Jahre 1860 absolvirte. Nun bezog er die Universität München, hörte daselbst Philosophie und Geschichte, dann Rechts- und Staatswissenschaften und erwarb sich im März 1865 das Doctorat der Staatswirthschaft an der dortigen staatswirthschaftlichen Facultät. Von nun an widmete er sich der Gerichts- und Verwaltungspraxis bis zum Mai 1867 und schloß seine praktische Thätigkeit mit dem großen Staatsconcurse ab, bei dem er als der beste Candidat des betreffenden Jahrganges im ganzen Königreiche qualificirt wurde. Nunmehr widmete er sich, frühzeitig ausgeprägten Neigungen folgend, ausschließlich wissenschaftlichen Arbeiten, um sich für das akademische Lehrfach vorzubereiten. Im November 1867 wurde er als Privatdocent für Staatswissenschaften an der staatswirthschaftlichen Facultät der Universität München habilitirt und begann im Jänner 1868 seine akademische Lehrthätigkeit, unternahm am Schlusse des Semesters eine große wissenschaftliche Reise durch ganz Deutschland und erhielt im Sommer 1868 einen Ruf als außerordentlicher Professor der politischen Wissenschaften und der politischen Oekonomie an die Universität Innsbruck. [305] Seit dem Herbst 1868 ist S. an dieser Universität thätig, wurde 1871 zum ordentlichen Professor ernannt. 1872/73 und 1874/75 zum Decan der rechts- und staatswissenschaftlichen Facultät, 1875/76 zum Rector magnificus der Universität gewählt, und bekleidet seit 1874 die Stelle eines Präses der staatswissenschaftlichen Staatsprüfungs-Commission. Im Jahre 1873 war er als Commissär, Aussteller und Berichterstatter bei der Weltausstellung in Wien thätig, vertrat 1875 die Universität Innsbruck bei der Eröffnungsfeier der Universität in Czernowitz und wurde im Jahre 1877 zum correspondirenden Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften gewählt. In seinem Fache schriftstellerisch thätig, hat Sternegg mehrere theils selbständige Werke, theils größere Abhandlungen in fachwissenschaftlichen Zeit- und periodischen Schriften veröffentlicht, u. zw. die selbständigen Werke: „Die Tendenz der Grossstaatenbildung“ (Innsbruck 1869); – „Ueber die Emancipation der Frauen“ (ebd. 1869); – „Verwaltungslehre in Umrissen für den akad. Gebrauch“ (ebd. 1870); – „Untersuchungen über das Hofsystem im Mittelalter“ (ebenda 1872); – „Idealismus und Realismus in der Nationalökonomie“ (ebenda 1873); – „Beiträge zur Geschichte der Preise“ (Wien 1873), erschien als 22. Heft des officiellen Berichtes der Wiener Weitausstellung des Jahres 1873; – „Adam Smith und die Bedeutung seines wealth for Nations für die moderne Nationalökonomie“ (Innsbruck 1876); – „Franz von Schwind, ein Lebensbild“ (ebd. 1877); – „Die Ausbildung der grossen Grundherrschaften in Deutschland während der Karolingerzeit“ (Leipzig 1878); – Gemeinschaftlich mit I. V. Zingerle gab er die „Tirolischen Weisthümer“ Band 1 und 2 (Wien 1875 und 1877) heraus; – von seinen in fachwissenschaftlichen Zeitschriften und Werken enthaltenen Arbeiten sind anzuführen: In Raumer’shistorischem Taschenbuch“ Jahrgang 1864: „Die volkswirthschaftlichen Folgen des dreißigjährigen Krieges für Deutschland“ und im Jahrgang 1874: „Die Entwicklung der deutschen Alpendörfer“, woran, wie an die „Untersuchungen über das Hofsystem“ sich die Polemik mit L. Steub in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ (1875 und 1876) anschließt; – In der „Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft“ 1865: „Der Accisenstreit deutscher Finanztheoretiker im 17. und 18. Jahrhundert“; – 1869: „Beiträge zur Lehre vom Staatsgebiete“; – 1870: „Die Rechtsverhältnisse des Staatsgebietes“; – 1872: „Die Gliederung des Staatsgebietes“; – Im „Archiv des histor. Vereines von und für Oberbayern“ 1865: „Nekrolog über den Kartographen und Historiker J. G. Mayr“ [vergleiche seine Biographie in diesem Lexikon, Bd. XVIII, S. 117, Nr. 45]; – In der „Deutschen Vierteljahrsschrift“ 1867: „Ueber Inhalt und Grenzen des Staatslebens“ und „Studien über Landwirthschaftspolitik“; – Im „Magazin für die Literatur des Auslandes“ 1868, Nr. 40: „Zur Geschichte der Theorie von den natürlichen Grenzen“; – In der von Grünhut herausgegebenen „Zeitschrift für privates und öffentliches Recht der Gegenwart“ 1874: „Das Recht der Staatshilfe in wirthschaftlichen Kreisen“; – In der „Zeitschrift für deutsche Culturgeschichte“ 1875: „Haus und Hof zur Zeit Walthers von der Vogelweide“; – In den „Sitzungsberichten [306] der kais. Akademie der Wissenschaften“ (in Wien) philosophisch-historische Classe, 1877: „Ueber die Quellen der deutschen Wirthschaftsgeschichte“, und ebenda 1878: „Bericht über Weisthümer-Forschungen in dem königl. allg. Reichsarchiv zu München“ – In der von Löher herausgegebenen „Archivalischen Zeitschrift“ 1877: „Ueber Urbarien und Urbarialaufzeichnungen“; – In den zu Jena erscheinenden „Jahrbüchern für Nationalökonomie“ 1878: „Werth und Preis in der ältesten Periode deutscher Volkswirthschaft“; – auch rühren die Biographien fast sämmtlicher Nationalökonomen und Cameralisten in der von der kön. bayerischen Akademie herausgegebenen „Allgemeinen deutschen Biographie“ aus seiner Feder. Seit April 1869 ist Sternegg vermält mit Henriette von Aigner-Aigenhofen, Tochter des jubilirten k. k. Oberfinanzrathes Karl Ritter von Aigner-Aigenhofen zu Innsbruck und ist Vater von fünf Kindern.