BLKÖ:Sternheim, Martin Gottlieb von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sternheim, Joseph
Band: 38 (1879), ab Seite: 306. (Quelle)
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Sternheim, Martin Gottlieb von (Geschichtsforscher, geb. zu Schäßburg in Siebenbürgen am 25. März 1724, gest. ebenda 28. August 1807). Der ursprüngliche Name Sternheim’s ist Csech oder Czech – nicht wie es bei Trausch steht: Schech. Den Namen Sternheim nahm die Familie erst 1804 nach ihrer Erhebung in den Adelsstand an. Früh verwaist, sollte Martin Gottlieb anfänglich das Kürschnergewerbe erlernen, kam aber schon nach einem Jahre in ein Kaufmannsgeschäft und erst als sein Principal starb, begann er zu studiren und besuchte das Gymnasium. Nachdem er dasselbe beendet, widmete, er sich dem Studium der Rechte und trat zu Anbeginn des Jahres 1742 als Kanzlist in die B. Joseph Inczédische Protonotariats-Kanzlei ein. Aber noch im Herbst desselben Jahres trat er aus, ging zur Fortsetzung seiner Studien zunächst nach Breslau, dann nach Frankfurt an der Oder und zuletzt nach Leipzig. Nun nahm er eine Hauslehrerstelle bei dem siebenbürgischen Hofrath Michael von Wayda in Wien an und blieb daselbst bis zu seiner Ernennung zum sächsischen Comitial-Secretär in Hermannstadt im October 1747. Im Jahre 1750 wurde er Consular-Secretär, 1752 Mitglied des äußeren Rathes, 1756 Notarius, und 1765, mit Beibehalt des Notariats, Senator in Schäßburg. Nach 19jähriger Dienstleistung als Notarius zum Königsrichter erwählt, trat er 1775 dieses Amt feierlich an und verwaltete es durch 22 Jahre. Schon seit 1750 wohnte er den meisten Landtagen und sächsischen Universitäts-Versammlungen als Deputirter von Schäßburg bei und wurde seit 1772 mittelst specieller Aufträge der Landesregierung zu 25 verschiedenen Malen zu wichtigen Untersuchungen, welche ganz außerhalb der Sphäre seiner ordentlichen Amtsgeschäfte lagen, verwendet. Als mir Hofdecret ddo. 2. December 1796 das Amt des Königsrichters abgeschafft worden, wurde auch Sternheim seines Amtes verlustig und erst drei Jahre später, 1799, damals schon ein 75jähriger Greis, zum Administrator des Bröser Stuhles ernannt, welches Amt er noch sechs Jahre, bis 1805 versah. Ein Jahr früher erhob ihn Kaiser Franz II. mit Diplom ddo. 16. November 1804 in den Adelsstand mit dem Prädicate zu Sternheim, welchen Namen die Familie für die Zukunft annahm. Zwei Jahre später starb [307] Martin Gottlieb als Greis von 83 Jahren. Martin Gottlieb beschäftigte sich viel mit historischen Forschungen über sein Vaterland, wovon Einiges im Druck erschien, Mehreres als Handschrift aufbewahrt wird. Gedruckt erschien, u. zw. im „Ungarischen Magazin“; „Das Alterthum der sächsischen Nation und derselben verschiedene Schicksale“ [Heft II, S. 201 u. f.]; – In der „Siebenbürgischen Quartalschrift“: „Diplomatische Geschichte der Gerichtsbarkeit der sächsisch-evangelischen Geistlichkeit in Siebenbürgen“ [Heft I, S. 377 u. f.]; – „Nachrichten von dem siebenbürgischen Fürsten Johann Kemény“ [Heft II, S. 134 u. f.]; – „Beschreibung einiger der vorzüglichsten Gebräuche der sächsischen Nation in Siebenbürgen“ [Heft III, S. 29 u. f.] und „Die Capelle des h. Jodocus“ [ebenda, S. 279 u. f.]. In Handschrift hinterließ er ein „Historisches Lexikon von Ungarn und Siebenbürgen“; – Zwei Hefte „Siebenbürgische Nachrichten von 1514–1710“; – Ein „Verzeichniß einiger Oberhäupter, welche Siebenbürgen seit dem Jahre der Welt 3366 bis auf unsere Zeiten beherrscht haben“; – Eine „Geschichte von Siebenbürgen“ in 36 Fol.-Heften (782 Folio-Seiten), sie beginnt von urältesten Zeiten und reicht bis 1780, dem Todesjahr Maria Theresias. Sie befindet sich im Verein für siebenbürgische Landeskunde aufbewahrt; die in der siebenbürgischen Quartalschrift, Heft III, S. 289–315 und Heft IV, S. 1–58, abgedruckten siebenbürgischen Annalen unter Kaiser Karl VI. (1712 bis 1740) und unter Kaiserin Maria Theresia (1740–1780), sind größtentheils aus vorgenanntem Manuscript Sternheim’s entnommen; – „De usurpatione termini Peculii dissertatio 1769“; – „Geschichte von Schäßburg“, in den dasigen großen Thurmknopf 1776 gelegt, sie befindet sich auch in der Mich. von Heidendorf’schen Handschriften-Sammlung. Einiges zur Erläuterung der Geschichte des in der sächsischen Nation ehehin üblich gewesenen sogenannten Census S. Martini befindet sich in den Collectaneen des Hermannstädter Stadtpfarrers Johann Filtsch. Martin Gottlieb war zweimal vermält, und sein jüngerer Sohn Johann Friedrich pflanzte das noch blühende Geschlecht fort (vergleiche die Stammtafel).

Trausch (Joseph), Schriftsteller-Lexikon oder biographisch-literarische Denkblätter der Siebenbürger Deutschen (Kronstadt 1871, Johann Gött und Sohn, gr. 8°.) Band III, Seite 338.
[309]
Stammtafel der Familie von Sternheim.
Martin Gottlieb [S. 306]
geb. 25. März 1724,
† 28. August 1807.
1) Johanna Regina Kelp von Sternburg,
geb 1735, † 1768.
2) Dorothea Kelp von Sternburg,
verwitw. Waldhütter von Waldburg
geb. 1742, † 1778.
  Martin Gottlieb
geb. 1752,
† 11. November 1811.
Katharina Köhler
geb. 1760, † 1844.
Johann Friedrich [3]
geb. 1772, † 9. Jänner 1849.
1) N. N.
2) Wilhelmine Schumacher,
verwitw. Peter Conrad Ritter von Heydendorf,
geb. 1800, † 12. Jänner 1854.
  Karl Leopold
geb. 1786, † 27. October 1870,
Charlotte Miller
geb. 31. December 1800,
† 27. August 1872.
Johanna
† 5. Mai 1844,
vm. Johann Geo. Wenzel von Kronfeld
geb. 11. Februar 1776,
† 16. Mai 1849.
Charlotte
geb. 1789,
vm. Joseph Wagner.
Joseph [1]
geb. 1797,
† 8. October 1841.
Ludmilla von Mayr
geb. 1812, † 1863.

Hermine
geb. 1839,
vm. Alphons Kubala
† 2. October 1876.
  Karl Friedrich [2]
geb. 5. August 1818,
† 24. Februar 1850.
Franziska
geb. 1824, † 1844.
Friedrich Wilhelm
geb. 1826,
† 5. September 1876.
Josephine Bertleff
geb. 1839.
Rosa
geb. 1832,
† 7. August 1849.
Charlotte
geb. 1839,
† 10. November 1865,
vm. Heinrich Melas.
  Karl
geb. 1859.
Josephine
geb. 1860.
Friedrich
geb. 1865, † 1872.
Eduard
geb. 1868.
Hermine geb. 1873.