BLKÖ:Walther von der Vogelweide

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Walter, Sebastian
Band: 53 (1886), ab Seite: 27. (Quelle)
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25. Walther von der Vogelweide. Die jüngsten Forschungen über dieses Minnesängers Geburtsstätte bestimmen, daß Tirol sein Vaterland, daß er auf dem sogenannten Vogelweider-Hofe im Eisackthale nächst Klausen um 1168 geboren und zu Würzburg in Franken um 1230 gestorben sei, Ueber seinen Lebensgang ist nur sehr wenig bekannt und derselbe meist nur aus Andeutungen in des Dichters Liedern zusammenzustellen. Walther war unbedingt ritterlichen Standes, wenngleich nur zu dem niedrigen und wenig begüterten sogenannten Dienstadel zählend. Im Alter von etwa zwanzig Jahren (1188–1190) verließ er sein wenig behagliches Elternhaus und begab sich nach Wien, um daselbst an dem prachtliebenden Hofe der freigebigen Babenberger Herzoge singen und sagen zu lernen, und liebevoll wurde er in der Erlernung seiner Kunst, zu welcher er ungewöhnliche Anlagen mitbrachte, von Reinmar dem Alten unterstützt. Des Dichters fürstlicher Gönner Friedrich I., zubenannt der Katholische, war während des Kreuzzuges, den Walther wahrscheinlich mitgemacht, in Palästina 1198 gestorben, der Friede nach Kaiser Heinrichs VI. Tode (1197) durch den Streit der Gegenkönige vernichtet. Auch die am 6. März 1198 erfolgte Wahl Philipps von Schwaben, des Bruders Heinrichs VI., zum deutschen Könige, durch welche man den Frieden zu erlangen gehofft, hatte nicht diese Wirkung, da der herrschsüchtige Papst Innocenz III. als Gegenkönig Otto von Braunschweig aufstellte. Walther aber ergriff für Philipp Partei, beklagt in feinen Liedern die Zerrüttung des Vaterlandes, die Anmaßung der Geistlichkeit, die zu große Jugend des Papstes und fordert die deutschen Fürsten auf. den Leiden des Vaterlandes durch Philipps Krönung ein Ende zu machen. Sein Wunsch ging in Erfüllung, am 8. September 1198 fand zu Mainz Philipps Krönung statt. Walther, der den Babenberger durch dessen Tod verloren hatte, begab sich nun an Philipps Hof. Wie lange er an demselben blieb, ist nicht zu bestimmen, doch wie man vermuthet, nicht über das Jahr 1205 hinaus, in welchen Philipp zu Aachen zum zweiten Male gekrönt wurde. Nachdem Letzterer am 21. Juni 1208 auf der Altenburg bei Bamberg durch Otto von Wittelsbach ermordet worden war, wandte sich Walther dem Kaiser Otto zu. Seine Muse, welche während der Jahre 1205–1209 geschwiegen, läßt sich erst 1210 wieder vernehmen, um die kaiserlichen Rechte gegen die Uebergriffe des Papstes zu vertheidigen. Als aber Otto, welcher sich gegen Walther nichts weniger denn als Mäcen erwies, Macht und Ansehen immer mehr verlor, wandte sich auch der Dichter von ihm ab und trat zur Partei Friedrichs II. über, der schon 1212 als Gegenkönig aufgestellt worden war. Friedrich II. verlieh dem Dichter auf dessen inständiges Bitten um 1215 in der Nähe von Würzburg ein kleines Lehen, das ihn wenigstens gegen die bitterste Armut schützte. Auch übertrug er ihm die Erziehung seines unmündigen Sohnes, des späteren Heinrich VII., welche der Sänger aber schon nach wenigen Jahren, etwa 1224, wieder aufgab. Er verblieb dann in Würzburg, wo er auch starb. Dies sind im weitesten Umrisse die Lebensschicksale Walther’s, der übrigens als fahrender Sänger innerhalb dieser Jahre bald da, bald dort verweilte. Wie er ja selbst singt, hatte er der Lande viel gesehen: „von der Elbe bis zürn Rhein und bis in das Ungerland hinein“ und „von der Seine bis zur Mur. vom Po bis an die Trave“. 1198 verläßt er den Wiener Hof und begibt sich zu König Philipp; aber im Mai 1200 verweilt er abermals in Wien, wo er der Schwertleite des damals vierundzwanzigjährigen Leopold des Glorreichen beiwohnt. Im Herbste desselben Jahres noch kehrte er an den Hof Philipps zurück. 1204–1207 aber sehen wir ihn an jenem des Landgrafen Hermann von Thüringen. Die Angabe, daß er am Sängerkriege auf [28] der Wartburg sich betheiligt habe, wird hinfällig, da neuere Forschungen diesen Sängerkrieg ganz und gar in Abrede stellen. Dann scheint er wieder nach Wien, wo jetzt Leopold VII. regierte, gegangen und daselbst bis Anfang 1200 geblieben zu sein. Von Wien begab er sich an den Hof Bernhardts von Kärnten, und von da durch Intriguen vertrieben, kehrte er im Jahre 1209 nach Thüringen zurück. Daselbst scheint er den Schwiegersohn des Landgrafen, den Markgrafen Dietrich von Meißen, kennen gelernt, ihn dann 1212 in dem benachbarten Meißen besucht und jenen freundschaftlichen Bund geknüpft zu haben, der später den Fürsten und den Dichter vereinte. Nach Hermanns Abfall vom Kaiser konnte er nicht länger in Thüringen bleiben und kehrte an den Hof des Kaisers zurück. Wie er dann diesen Hof verließ und an jenen Friedrichs zog, wurde bereits erzählt. Auf dem Lehen, welches ihm Friedrich verliehen hatte, befand er sich 1217. worauf er wieder an den Wiener Hof ging. Von da aus besuchte er den Herzog Heinrich von Medlich, der zu Mödling bei Wien Hof hielt, dann Berthold von Andechs und den Patriarchen von Aquileja, Im Frühjahr 1220 verließ er Wien, um dem Rufe des Kaisers Friedrich zu folgen, der ihm, wie schon erwähnt, die Erziehung seines Sohnes anvertraute. Nachdem er nur noch kurze Zeit auf seinem Lehen bei Würzburg gelebt, dürfte er auch auf demselben gestorben sein. Dies sind die Momente seines Lebens, die sich zum Theile aus seinen Dichtungen, zum Theile aus den kargen Nachrichten seiner Zeitgenossen mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit bestimmen lassen. Walther nimmt unter den Lyrikern des Mittelalters die erste Stelle ein. Die hohe Bedeutung, die ihm zukommt, wurde schon von seinen Zeitgenossen erkannt. Gottfried von Straßburg, Hugo von Trimberg preisen ihn als Meister des Sanges. Uhland schreibt über ihn: „Als Minnesänger ist er der innigste und reichste Poet, bei dem wir alle bekannten Gattungen und Formen des Minneliedes finden: spielende Wonne, sehnendes Leid im Sommer und Winter dienstliches Werben, Gespräch zwischen Ritter und Frau, Meldung des Boten,. Trennung der Liebenden, wenn der Tag durch die Wolken scheint, Hilferuf an Frau Minne, Klage über die Merker, ein verhaßtes Geschlecht, das die Freuden der Liebe belauert und stört. Neben den süßesten Minneliedern singt er aber auch politische Lieder, die uns den großen und gewaltigen Kampf der Zeit in unmittelbarer Leidenschaft nahe bringen. Man sieht also, mit dem Goethe’schen: „Ein politisch Lied, ein garstig Lied“, will es nicht ganz klappen: denn Walther von der Vogelweide ist, wie ein großer lyrischer, ein ebenso großer politischer Dichter, der mit seiner patriotischen Stimmung Tausende mit sich fortriß, so daß Thomasin von Zerklaere in seinem „Wälschen Gast“ ausdrücklich es beklagt, daß er Tausende bethört habe, daß sie „überhörten Gottes und des Papstes Gebot“. Dabei ward seine eigene reiche Natur, sein warmes Empfindungs- und Gedankenleben unterstützt von einer Sprache, welche die größte Mannigfaltigkeit der Formen darbietet, die er mit künstlerischer Meisterschaft beherrscht, von einer Sprache, welche zu gleicher Zeit alle Schulung und Zierlichkeit der höfischen Ausdrucksweise besitzt und mit bildlicher Kraft die sinnliche Frische des Volksliedes vereint. Die Einwirkung desselben auf die zeitgenössische und die sich unmittelbar anschließende ritterliche Lyrik war eine außerordentliche. Aber schon er selbst beklagt in seinen späteren Tagen den Verfall der edlen höfischen Sitte und echten Kunst; in den Erinnerungen der Meistersänger lebte er wohl selbst noch ein paar Jahrhunderte fort, aber seine Dichtungen wurden nichtsdestoweniger vergessen, und erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sind es J. Jac. Bodmer und J. Jacob Breitinger, welche in ihrer Sammlung von Minnesängern aus dem schwäbischen Zeitpunkte sein Andenken erneuern; erst unser Uhland führte ihn uns in seiner ganzen Bedeutung vor, und Lachmann eröffnete mit seiner Ausgabe den Reigen, an den sich dann neue, immer vollkommenere Ausgaben und Uebersetzungen schlossen, so daß eine nicht unbedeutende „Walther von der Vogelweide-Literatur“ sich entfaltete, von welcher wir im Folgenden eine möglichst vollständige Uebersicht geben. I. Ausgaben der Gedichte Walther’s von der Vogelweide (chronologisch geordnet). „Walther von der Vogelweide. Gedichte“. Herausgegeben von K. Lachmann (Berlin 1827, Reimer, gr. 8°.; 2. Aufl. ebd. 1843). – „Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken, gesammelt [29] und berichtigt mit den Lesarten derselben, Geschichte des Lebens der Dichter und ihrer Werke, Sangweisen der Lieder... Abbildungen sämmtlicher Handschriften“. Von Friedrich Heinrich von der Hagen (Leipzig 1838, Barth, gr. 4°.) [im IV. Bande S. 160–190 ist Walther von der Vogelweide enthalten]. – „Walther von der Vogelweide nebst Ulrich von Singenberg und Leutold von Seven“. Herausgegeben von Wilhelm Wackernagel und Max Rieger (Gießen 1862, Ricker, gr. 8°., LI und 291 S.). – „Gedichte“. 4. Ausgabe von Karl Lachmann, besorgt von Mor. Haupt (Berlin 1864, G. Reimer, gr. 8°., XVIII und 234 S.). – „Walther von der Vogelweide“. Herausgegeben von Franz Pfeiffer (Leipzig 1864, Brockhaus, 8°., LVIII und 338 S., 8°.) [bildet auch den ersten Band des von Franz Pfeiffer begonnenen, im Verlage bei Brockhaus ausgegebenen Sammelwerkes: „Deutsche Classiker des Mittelalters“]. – „Walther von der Vogelweide“. Herausgegeben, geordnet und erklärt von K. Simrock (Bonn 1870, Marcus, 8°., XII und 254 S.). – „Auswahl aus den Liedern Walther’s von der Vogelweide“. Herausgegeben und mit Anmerkungen und einem Glossar versehen von Bernhard Scholz (Leipzig 1870, Teubner, 8°., XV und 124 S. – „Gedichte“. 5. Ausgabe von Karl Lachmann, besorgt von K. Müllenhoff (Berlin 1875, Reimer, gr. 8°., XVIII und 234 S.). – „Schul-Ausgabe Walther’s von der Vogelweide. Mit einem Wörterbuche“. Von Karl Bartsch (Leipzig 1875, Brockhaus, 8°., VIII und 156 S.). – II. Uebersetzungen der Gedichte Walther’s von der Vogelweide und Glossar zu denselben. „Gedichte“. Uebersetzt von Karl Simrock und erläutert von K. Simrock und Wilhelm Wackernagel, 2 Theile mit 1 Titelk. (Berlin 1833, Vereinsbuchhandlung, 8°.). – „Gedichte“. In vier Büchern nach der Lachmann’schen Ausgabe des Urtextes vollständig übersetzt und erläutert durch Friedrich Koch (Halle 1850, Schwetschke und S., gr. 16°., VI und 219 S.). – „Gedichte“. Nach Lachmann’s Ausgabe, übersetzt von G. A. Weiske (Halle 1852, Pfeffer, 16°., VI und 201 S., mit 1 Lithochromie). – „Gedichte“. Uebersetzt von Karl Simrock. 3. vollst. Ausgabe (Leipzig 1862, Hirzel, 16°., XXVIII und 340 S. und Titel in Kupferstich; 4. verm. neugeordn. Auflage (ebenda 1869, 16°., XXXV und 360 S.). – „Gedichte“. Uebersetzt von Karl Simrock, 6. Aufl. (Leipzig 1876, Hirzel, gr. 16°, mit Titel im Stahlstich). – „Sämmtliche Gedichte. Aus dem Mittelhochdeutschen übertragen, mit Einleitung und Anmerkungen versehen“. Von Karl Pannier (Leipzig o. J. (1876) Phil. Reclam jun., 16°., 177 S.). – Hornigg (C. Aug.). „Glossarium zu den Gedichten Walther’s von der Vogelweide, nebst einem Reimverzeichniß“ (Quedlinburg 1844, Franke, gr. 8°.). – III. Biographien und zur Heimatsfrage Walther’s von der Vogelweide. Uhland (Ludwig). „Walther von der Vogelweide, ein altdeutscher Dichter, geschildert“ (Stuttgart 1822, Cotta, 8°.). – „Walther von der Vogelweide. Eine biographische Skizze“ (Würzburg 1834, 8°.). – „Das Leben Walther’s von der Vogelweide“. Von Max Rieger (Gießen 1863, Ricker, gr. 8°., 79 S.). – „Das Leben Walther’s von der Vogelweide“. Von Rudolph Menzel (Leipzig 1863, Teubner, gr. 8°., XVIII und 352 S.). – „Dichter, Kaiser und Papst. Walther von der Vogelweide, als politischer Dichter“. Von A. Thurnwald (Wien 1872, Wilh. Braumüller, 8°., 80 S.). – „Walther von der Vogelweide in seiner Bedeutung für die Gegenwart“. Von Johannes Schrott (München 1875). Festschrift, anläßlich der Gedenktafel-Enthüllung Walther’s auf dem Berghofe im Laiener-Ried. – „Zur Heimatfrage Walther’s von der Vogelweide“. Von Dr. Ignaz V. Zingerle. In der „Germania“ Bd. XX, S. 257–270. – „Zu Walther von der Vogelweide“. Von Dr. Ignaz von Zingerle. In der „Germania“ Bd. XXI, S. 193. – „Deutsche Minnesänger in Bild und Wort“. Gezeichnet von E. v. Lüttich, gestochen von E. Forberg. Text von Dr. H. Holland (Wien 1876, Kaeser, gr. Fol.) S. 27–31: „Walther von der Vogelweide“ [mit Zugrundelegung der jüngsten Forschungen wohl neben Karl Pannier’s Schrift, das Beste, das in kurzer Darstellung über Walther geschrieben worden]. – Holland (Hyacinth). Geschichte der deutschen Literatur. Mit besonderer Berücksichtigung der bildenden Kunst“ (Regensburg 1853, G. Jos. Manz, 8°.) Bd. I: „Mittelalter“. S. 75–78 und S. 357–388, Bd. XI: „Walther von der Vogelweide“ [dieses eigenartige vortreffliche, leider vergessene Buch, das die deutsche Literatur von einem bis dahin unbeachtet gelassenen Gesichtspunkte, nämlich von dem der [30] Kunst, behandelt, gibt im XI. Anhange die Uebersetzung von 26 Liedern Walther’s, meist nach Simrock’s Uebersetzung]. – Die „Vorbemerkungen“ zur Uebertragung von „Walther’s von der Vogelweide sämmtliche Gedichte“. Von Karl Pannier (Leipzig 1876, Reclam, 16°.) enthalten in gedrängter Kürze eine treffliche Darstellung des Lebens und Schaffens Walther’s. Ergänzend dazu ist Dr. H. Holland’s Skizze in „Deutsche Minnesänger in Bild und Wort“. – „Ueber die Heimatfrage Walther’s und Anderes, was damit zusammenhangt“ berichtet auch Dr. Ignaz Vincenz Zingerle in Nr. 52 der „Wiener Abendpost“ vom 53. März 1874; Nr. 108 vom 11. Mai 1876; ferner behandeln nach eigenen Gesichtspunkten diese Frage Johann Haller Nr. 90 Beilage zum „Südtiroler Volksblatt“ 1867 [vergl. dazu Nr. 5 Wochenausgabe der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ vom 31. Jänner 1868]. – Patriz Anzoletti im XX. Programm des k. k. Gymnasiums zu Bozen 1870, 48 S., 8°.); – und Johannes Schrott, Beilage 186 der Augsburger. „Allgemeinen Zeitung“ vom 5. Juli 1874; schließlich behandelte diesen Gegenstand in einer kleinen Broschüre, welche Frankfurt a. M. und Luzern 1885 erschien, Albert Fößer. – IV. a) Porträts; b) Plastische Darstellungen; c) Ansicht der Geburtsstätte; d) Illustrationen. a) Porträts. Im ersten Vorzimmer der Gemächer Ihrer Majestät der Königin Mutter von Bayern in München befindet sich ein Freskencyclus aus dem Leben Walther’s von der Vogelweide, von Gassen aus Coblenz zu Anfang der Dreißiger Jahre gemalt. Es sind im Ganzen 11 Gemälde und 2 Grisaillen, die in der naiv deutschen Auffassung schon etwas vom Geiste eines Moriz von Schwind an sich haben und mit Liebe und Fleiß ausgeführt sind. Durch den Dampf einer übel eingerichteten Heizung haben sie leider sehr gelitten. Zwei von diesen Bildern sind in Raczynski’s „Geschichte der neueren Kunst“ Bd. II, S. 236 zierlich in Holz geschnitten. – Ein Phantasiebild Walther’s in dem Prachtwerke: „Deutsche Minnesänger in Bild und Wort“ (Wien 1876, Kaeser, Fol.), von E. v. Lüttich entworfen und von E. Forberg in Stahl gestochen. – Ein gut gemaltes neuromantisch aufgefaßtes Oelbild Walther’s befindet sich im Innsbrucker Museum und zeigt uns den Dichter an blumiger Felsenwand in tiefem Schmerz versunken. – Auch sind zwei Pergamentbilder in der Weingärtner Liederhandschrift und in dem sogenannten Manesse’schen Codex vorhanden, welche den Minnesänger nicht in ritterlicher, sondern in Friedenstracht, aber mit ritterlichen Attributen darstellen: auf dem einen Bilde ist er im Pelzrock – zur Anschaffung eines solchen ließ der Patriarch von Aquileja, kaum als Bischof von Passau dahin versetzt, dem Sänger 5 große Solidi auszahlen – das andere Bild zeigt ihn in einem weiten faltenreichen Oberkleide; hier wie dort hat er den verbrämten Herrenhut auf blondgelocktem Haupte. – Eine Abbildung im Holzschnitt bringt das „Neue Blatt“ 1875, S. 157. – Eine den Namen Tantaradei tragende Zeichnung Kaulbach’s ist eine Parodie Walther’s und der Liebe selbst. – b) Plastische Darstellungen. Eine Reiterstatuette Walther’s von Natter stellt denselben zu Pferde dar, wie er sein Morgenlied singt. – Vom Bildhauer Knall in München ist ein sorgfältig gearbeitetes Relief Walther’s bekannt, wovon jedoch nur wenige Freunde des Künstlers und das Münchener Casino Exemplare besitzen. – In einer Innsbrucker Gartenanlage befindet sich eine Zinkstatue Walther’s, die, ursprünglich für das Münchener Nationalmuseum bestimmt, ohne nähere Individualisirung nur den Zweck decorativer Bestimmung erfüllt. – Für den Saal des Männergesangvereines in Brixen fertigte Sayer die jugendliche Kolossalbüste des Dichters mit dem verbrämten Barett der Weingartner, die erste künstlerische Auffassung, welche auf die Tradition des dreizehnten Jahrhunderts zurückgreift. – Ein schönes Relief für die Innsbrucker Liedertafel fertigte der (leider schon am 21. August 1877 zu Innsbruck verstorbene) Bildhauer Engelbert Kolp. – c) Eine Ansicht der Geburtsstatte Walther’s von der Vogelweide brachte in blattgroßem Holzschnitt die Nr. 1632 der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ am 10. October 1874. – dc) Illustrationen zu Kernsprüchen, welche Walther von der Vogelweide einst dem jungen Könige Heinrich, seinem Pflegling, gesungen, brachte der bei Pustet in Regensburg erscheinende „Deutsche Hausschatz“ V. Jahrgang 1878/79, S. 601, 604 und 613. – V. Grabmal, Denkmal, Denktafel Walther’s von der Vogelweide. Grabmal. Noch im vorigen Jahrhundert war in [31] der Hauptstadt des Frankenlandes. in Würzburg, im Lorenzgarsten vor der Pforte des neuen Münsters, wo Walther bestattet worden, sein Grabstein vorhanden mit folgender Inschrift: „Pascua qui volucrum vivus, Walthere, tuisti, | Qui flos eloquii, qui Palladis os, obiisti. | Ergo quod aureolam probitas tua possit habere, | Qui legit hoc, dicat: Deus istius miserere!“ | Von Simrock deutsch übersetzt: „Der du die Vogel so gut, o Walther, zu weiden verstandest, | Blüte des Wohllauts einst, der Minerva Mund, Du entschwandest! | Daß nun der himmlische Kranz dem Redlichen werde beschieden, | Spreche doch, wer dies liest: Gott gönn’ ihm den ewigen Frieden.“ | Nach einer schönen alten Sage soll Walther in seinem Testamente verordnet haben, den Vögeln auf seinem Grabsteine Weizenkörner und Wasser zu geben. Das Capitel des Münsters aber, fügt die Chronik hinzu, habe dieses Vermächtniß für die Vögel in Semmeln verwandelt, die den Domherren und nicht mehr den Vögeln zu geben seien. [Eine Sage, welcher jeder Anhaltspunkt fehlt und wahrscheinlich von einem Lutheraner erfunden wurde.] Im Jahre 1843 wurde dem Sänger daselbst ein neues Denkmal gesetzt. – Böhmer Fontes rerum germanicarum“ Bd. I, S. XXXVI: „Walther’s von der Vogelweide Grab in Würzburg.“ – „Walther’s von der Vogelweide Epitaphium“ im Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg zu Würzburg [Bd. III, S. 170]. – Denkmal. Beilage Nr. 34 zur „Allgemeinen Zeitung“ vom 3. Februar 1877: „Zum Denkmal für Walther von der Vogelweide“. Von Johannes Schrott. – „Die Dioskuren. Literarisches Jahrbuch des ersten allgemeinen Beamtenvereins der österreichisch-ungarischen Monarchie“ (Wien, gr. 8°.) V. Jahrgang, S. 163: „Studien zur Errichtung des Walther-Denkmals in Bozen“. Von J. E. Sojka. – Denktafel. „Ueber Land und Meer“ Allgem. illustr. Zeitung (Stuttgart, Hallberger, kl. Fol.) Bd. XXXIII (1874) Nr. 7, S. 127: „Denkmäler“. [Am 3. October 1874 wurde auf dem Laiener-Riede bei Bozen, wo eben die Vogelweide sich befindet, nach welcher Walther sich nannte, unter zahlreicher Betheiligung eine Gedenktafel enthüllt mit der Inschrift: Dem Andenken Walther’s von der Vogelweide“. „Sver des vergaesze, Der taet mir leide“. Hugo von Trimberg. –