BLKÖ:Janauschek, Franzisca Magdalena Romance

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 63. (Quelle)
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Janauschek, Franzisca Magdalena Romance, gewöhnlich: Fanny (dramatische Künstlerin, geb. zu Prag 20. Juli 1830). Von čechischer Abstammung, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmannes, der später in mißliche Umstände gerieth. Fanny, Talent für die darstellende Kunst zeigend, wurde auf des Directors Stoeger Anrathen, der ein Freund des Vaters war, für die Künstlerlaufbahn gebildet. Da sie auch Lust zur Musik an den Tag legte, wurde sie vom Capellmeister Stegmayer im Gesange, zu gleicher Zeit aber von dem tüchtigen Charakterdarsteller Baudius in der Declamation unterrichtet. Doch bald entschied [64] sie sich für das recitirende Schauspiel, ließ das Singen bleiben, und betrat in Prag als Karoline in „Ich bleibe ledig“ und in der Elsholzischen[WS 1] Bluette „Komm her“ zum ersten Male die Bühne. Auf ihrem ersten Kunstausfluge nach Leipzig, wo sie durch Vermittlung ihres Lehrers Stegmayer ein Engagement zu erhalten hoffte, wurde sie, da die Mutter bereits todt war, von ihrem Vater begleitet. Doch als dieser bald wieder nach Prag zurückkehren mußte, blieb Fanny sich selbst überlassen. Die Hoffnung, in Leipzig eine Stelle zu erhalten, verwirklichte sich nicht und Fanny begann nun 1845 das Wanderleben von einer kleinen Bühne zur andern und spielte in den Ortschaften des sächsischen Erzgebirges und Württembergs; in Heilbronn war es, wo ihr Justinus Kerner Empfehlungen nach Stuttgart, Darmstadt, Mannheim, Frankfurt und Wiesbaden mitgab. Aber noch immer wollte es ihr nicht glücken, festen Fuß zu fassen, und in Frankfurt a. M. verlebte sie den Winter 1847 ohne Engagement in trauriger Verlassenheit, in welcher ihr die Kunst des Blumenmachens, deren sie kundig war, gut zu Statten kam. Endlich erhielt sie eine Stelle in Cöln, wo sie Roderich Benedix kennen, ihr Talent würdigen lernte und sich um ihre künstlerische Ausbildung viel verdient machte. Im Februar 1848 empfahl sie Benedix nach Frankfurt an die Stelle der eben ausscheidenden, in Berlin engagirten Frau Thomas. Ihr Gastspiel, in welchem sie Gretchen im „Faust“, Griseldis und die Eugenie in den „Geschwistern“ spielte, führte zum Engagement und seit dem Mai 1848 blieb J. unter allen Directionen bis 1860 Mitglied der Frankfurter Bühne. Als im Jahre 1860 das Frankfurter Theater in andere Hände überging, entstanden zwischen ihr und der neuen Direction Differenzen, welche damit endeten, daß die Künstlerin ihre Stelle aufgab, worauf sie anfangs auf Gastspiele reiste, endlich aber im November 1861 Mitglied der Dresdener Hofbühne wurde, an welcher sie zur Zeit sich befindet. Fräulein Janauschek wird als eine große Künstlerin bezeichnet; früher spielte sie jugendliche Liebhaberinen im Drama, wie Klärchen, Gretchen, Desdemona, Julia, aber erst als sie zum Fache der Heldinen und Heldenmütter überging, bewegte sie sich in jener Sphäre, in der sie Großes leistet, und wird sie als eine Nachfolgerin der Crelinger und Sophie Schröder, bezeichnet. Mit großen geistigen Mitteln verbindet sie ein herrliches gewaltiges Organ und eine imposante Bühnenerscheinung. Von ihren Rollen sind vornehmlich anzuführen: Elisabeth in Laube’s „Essex“; die Mathilde im gleichnamigen Stücke von Benedix, welche Rolle eigens für sie geschrieben ist und worin sie sich selbst spielt; die Isabella in der „Braut von Messina“; in Lustspielen aber die Donna Diana im gleichnamigen Stücke; die Hedwig im „Ball zu Ellerbrunn“; die Adelheid in den „Journalisten“ und die Aurora in den „Liebesleugnern“. Ein Biograph sagt von ihr: „ Ihr ..... gewisse Höhenpuncte der Rollen scharf hervorhebendes Spiel hat ganz entschieden etwas von der Manier der französischen Tragödin (Rachel) an sich. Nicht bloß im plastischen Theile, sondern auch dem inneren Wesen nach ist ihr Spiel voll edler Majestät. In historischen Charakteren hat, was sie gibt, nicht bloß künstlerische und psychologische, sondern auch historische Wahrheit.“ In jüngster Zeit (Jänner 1863) ist ein Gastspiel an der Wiener Hofbühne auf Ostern [65] 1863 von der Künstlerin abgeschlossen worden.

Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860, Karl B. Lorck, 4°.) Im Supplement: Frauen der Zeit, Sp. 60. – Gallerie denkwürdiger Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach Originalzeichnungen, Gemälden, Statuen und Medaillen (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) Bd. II, Sp. 81, Tafel 104 ihr Porträt [nach dieser geboren 1829]. – Porträt. Gestochen von Weger (Leipzig, Baumgärtner, 4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Siehe Elsholtz, Franz von (ADB).