BLKÖ:Janotykh von Adlerstein, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Janowka, Peter
Band: 10 (1863), ab Seite: 84. (Quelle)
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Janotykh von Adlerstein, Johann (Schriftsteller, geb. zu Prag 1811). Sohn eines k. k. Officiers, dessen Vater Joseph Johann Nepomuk, Bürger und Rath zu Olmütz, wegen seiner zur Zeit der Belagerung dieser Stadt durch Preußen 1758 erworbenen Verdienste mit Diplom vom 22. Juni 1761 geadelt worden. Der obige Johann wurde im Alter von 19 Jahren Soldat, diente zuerst im 3. Artillerie., dann im 1. Uhlanen-Regimente, welches er, durch einen Sturz vom Pferde dienstuntauglich geworden, 1835 verließ, worauf er superarbitrirt wurde. Nachdem er die Besitzerin einer weiblichen Erziehungsanstalt geheirathet, begann er in Pesth Unterricht in der Musik zu ertheilen, zugleich wurde er Mitarbeiter, d. i. Correspondent verschiedener Blätter, bis er im denkwürdigen Jahre 1848 selbst Redacteur des Pesther politischen Tagesblattes: „Die Morgenröthe“ wurde, in welchem er gegen die Vorgänge in Ungarn eine so rückhaltlose Sprache führte, daß er in Folge dessen von den Magyaren verhaftet wurde. Seine widerwärtigen Schicksale und Verfolgungen von Seite der Ungarn, namentlich von jener des Karl Hajnik [Bd. VII, S. 228], Secretärs des Grafen Ludwig Batthyany, erzählt in der „Theater-Zeitung“ [s. d. Quellen] J. selbst – denn wer kann wohl so genau von solchen Einzelheiten unterrichtet sein, als eben nur derjenige, den sie betreffen? – Das Einrücken der kaiserlichen Truppen in Pesth machte nun allen Verfolgungen ein Ende und J. trat am 1. November 1848 bei dem ungarischen Landesfuhrwesens-Commando als Fourier ein. Gar mannigfaltig sind die Dienstesphasen und Verrichtungen Janotykh’s von dieser Zeit bis zu seiner zeitlichen Pensionirung, welche in der Eigenschaft eines Registraturs-Officials bei dem k. k. Kriegsministerium am 1. April 1862 erfolgte. So war er seit Februar 1849 der k. k. Central-Untersuchungscommission in Pesth zur außerordentlichen Dienstleistung zugewiesen; bei dem Rückzuge der Armee führte er die Aufsicht über die Untersuchungsacten; während der Rundreise Sr. Majestät des Kaisers in Ungarn beorderte ihn Feldmarschall-Lieutenant Baron Kempen zu speciellen Zwecken dahin; eine für die dabei geleisteten Dienste ihm in Aussicht gestellte Anstellung bei dem Polizeiministerium verwirklichte sich aber nicht. Die polizeiliche Vertrauensstellung, welche J., wie oben erwähnt, bei der sonst ganz untergeordneten amtlichen Stellung inne hatte, ermöglichte ihm die Herausgabe von einigen Schriften, bei deren Benützung den späteren Bearbeitern dieser Materie [85] um so mehr Vorsicht empfohlen werden muß, als sich neben dem wirklich Brauchbaren geradezu Verwerfliches, von der Leidenschaft des Einzelnen Eingegebenes darin vorfindet. Diese Schriften sind: „Federzeichnungen. Eine Reihe von Skizzen, den socialen und politischen Zuständen in Ungarn vor und während der Revolutionszeit entnommen“. 2 Bde. (Wien 1850, Keck und Sohn, 8°.); – „Die letzten zwei Jahre Ungarns. Chronologisches Tagebuch der magyarischen Revolution“. 3 Bde. (Wien 1850, Sollinger’s Witwe, 8°.); J. hatte die Materialien zu diesem Werke bei der Untersuchungscommission und an der Seite des Polizeirathes Köpp von Felsenthal, dem er einige Zeit beigegeben war, gesammelt; – „Archiv des ungarischen Ministeriums und Landesvertheidigungs-Ausschusses. Vollständige Sammlung aller vom 16. März 1848 bis 5. Juni 1849 erschienenen Verordnungen, Proklamationen, Zuschriften ... der ungarischen Regierungsbehörden, der parlamentarischen Reden und wichtigeren Leitartikel Kossuth’s, sämmtlicher Kriegsbulletins und Berichte der ungarischen Corpscommandanten, redigirt und mit erläuternden Noten begleitet“. 3 Bde. (Altenburg 1851, Pierer, 8°.), dieses Archiv bietet, wenn man des Herausgebers erläuternde Noten unberücksichtigt läßt, reiches und sehr brauchbares Material. Außerdem gab J. früher noch einige Libelle heraus, u. z.: „Offener Brief an den Redacteur des Ungars“ (Pesth 1848), worin er die damaligen Verhältnisse der Presse in Pesth beleuchtet; – „Das Sedlnitzky’sche Censurgericht in Pest (ebd. 1848), ein gegen Nyary gerichtetes Libell; und mehr seinen persönlichen Standpunct kennzeichnend, als ein Beitrag zur Geschichte jener Zeit, sind seine beiden größeren Aufsätze in der „Pester Zeitung“, an der sich J. während der Windischgrätzischen Regierungsperiode in Ofen stark betheiligte, nämlich: „Stellung des k. k. Militärs während der Revolutionszeit in Ungarn“ (1849, Nr. 897, 899, 900) und „Daguerreotypen der Lüge und Wahrheit“ (ebd. 911–944). Gelegenheitlich der Rundreise Sr. Majestät des Kaisers durch Ungarn ließ er ein „Gedenkbuch“ erscheinen, dessen Ertrag zum Besten der Witwen und Waisen der in Ofen gefallenen Grenzer bestimmt war. In jener Zeit, in welcher J. sich mit musikalischem Unterrichtgeben beschäftigte, veröffentlichte er mehrere theoretische Werke über Musik, u. z. „Budapesti zongora tanitó. Elsőzész 16-dik munka“, d. i. Der Pesth-Ofner Clavierlehrer. I. Theil,Op. 16 (Pesth, Walzer);– „Lehrmethode beim Clavier-Unterricht“, Op. 24 (ebd.); – „Elementar-Unterricht in der Musik“, Op. 23. Eine Guitarreschule, Violinschule und Flötenschule bereitete er vor. Der Inhalt seiner Musikwerke 1–23 ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt.

Janotykh von Adlerstein erscheint hie und da bloß unter dem Namen seines Prädicates Adlerstein mit Weglassung seines eigentlichen Namens Janotykh. – Oesterreichischer Courier (Wiener Theater-Zeitung), herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, kl. Fol.) Jahrg. 1849, Nr. 195, S. 780: „Eine biographische Notiz aus der ungarischen Revolutionsgeschichte“. – Wiener allgemeine Musik-Zeitung 1846, Nr. 28. – Wappen. Ein der Länge nach getheilter Schild. Im rechten goldenen Felde ein aus der Theilungslinie hervorgehender schwarzer halber Adler mit geöffnetem Schnabel, rother ausgeschlagener Zunge, ausgebreitetem Flügel und von sich gestrecktem Fange. Im hintern rothen Felde drei schrägrechts aneinander gestellte, mit Gold eingefaßte Diamanten, zu beiden Seiten von einem rechtsgelegten silbernen Streifen begleitet. Auf dem Schilde ruht ein zur Rechten gekehrter gekrönter Turnierhelm, auf welchem zwischen zwei mit den Sachsen nach innen gerichteten schwarzen Adlerflügeln der goldgefaßte Diamantstein, wie deren drei im hintern Felde zu sehen sind, [86] sich erhebt. Die Helmdecken sind rechts schwarz mit Gold, links roth mit Silber unterlegt.