BLKÖ:Kempen von Fichtenstamm, Johann Franz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kendrai, Gabriel
Band: 11 (1864), ab Seite: 163. (Quelle)
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Kempen von Fichtenstamm, Johann Franz Freiherr (k. k. Feldzeugmeister und vordem Chef der obersten Polizeibehörde, geb. zu Pardubitz in Böhmen 26. Juni 1793[1]). Sohn des mit Diplom vom 6. September 1815 geadelten Rittmeisters Heinrich Kempen von Fichtenstamm, erhielt seine militärische Ausbildung in der k. k. Wiener-Neustädter Akademie, aus welcher er am 18. Mai 1809 als Fähnrich im Infanterie-Regimente Bellegarde, jetzt Erzherzog Albrecht Nr. 44, eingetheilt wurde. Am 7. Juli 1809 rückte er im Regimente zum Lieutenant, am 25. October 1813 zum Oberlieutenant vor. Als solcher wurde er am 23. Juli 1815 zum k. k. General-Quartiermeisterstabe übersetzt und in demselben am 20. Februar 1818 zum Hauptmann befördert, aber schon am 1. December d. J. zum Infanterie-Regimente Baron Wimpffen und 12 Jahre später in gleicher Eigenschaft zum Peterwardeiner Grenz-Regimente übersetzt. Am 21. October 1830 wurde K. zum Major im Infanterie-Regimente Erzherzog Ludwig, am 18. August 1834 zum Oberstlieutenant und am 29. Februar 1836 zum Obersten im genannten Regimente befördert. Nachdem er dasselbe sieben Jahre commandirt, wurde er am 28. November 1843 zum General-Major, am 5. November zum Feldmarschall-Lieutenant und im Jahre 1858 zum General-Feldzeugmeister befördert. In diese Phasen einer stufenweisen Vorrückung innerhalb einer fast 40jährigen Dienstzeit (1809–1848) fällt jedoch eine reiche mannigfache und in den Jahren 1850–1859 politisch bedeutsame Thätigkeit. Bald nach seinem [164] Austritte aus der Kriegsschule machte er den Feldzug in Deutschland beim 4. Armeecorps mit und wurde bei Dresden seines tapfern Verhaltens wegen öffentlich belobt. Zur Zeit der Befreiungskriege, 1814, dem Generalstabe zugetheilt, war er in Prag bei den Vertheidigungsmaßregeln in Thätigkeit, und im folgenden Jahre – bereits zum General-Quartiermeisterstabe übersetzt – befand er sich beim 2., nach Frankreich bestimmten Armeecorps; wurde dann der Commission zugetheilt, welche zur Ergänzung und Berichtigung der Cassinischen Karte aufgestellt war und kam zuletzt zu dem von Feldmarschall-Lieutenant Wimpffen gegen Bayern befehligten Armeecorps. In den nun folgenden Friedensjahren fand K. eine oft wechselnde Verwendung; im Jahre 1818 war er bei der Mappirung und Triangulirung im Innviertel, später bei der Grenzberichtigung des von Bayern erlangten Landes; dann bei den Grenzberichtigungen in Galizien gegen Rußland beschäftigt; von 1824–1830 leistete er die Dienste eines Adjutanten bei dem Chef des General-Quartiermeisterstabes Baron Wimpffen; von 1830 bis Ende 1832 that er, zum Major befördert, Dienste im Regimente; aber schon am 1. Jänner 1833 zum Generalcommando-Adjutanten in Niederösterreich ernannt, versah er in einer Zeit faulen Friedens diesen immer wichtigen Posten mit seltenem Geschicke und mannigfachen Erfolgen, die um so mehr in die Wagschale fallen, als diese Periode eine der militärischen Ausbildung der österreichischen Armee entschieden ungünstige war. In dieser Stellung war er es, der dem so wichtigen leichteren Pionnierdienste in den Regimentern Eingang verschaffte. Zu diesem Zwecke wurden aus den Regimentern in den Provinzen Officiere und Mannschaft in die Hauptstadt abgeordnet, daselbst in einen Körper vereinigt und nun praktisch bei den Erd- und Wasserbauten verwendet. Später fanden analoge Einrichtungen in allen größeren Garnisonen der Monarchie Statt. Als er darauf Oberst wurde, steigerte er die tactische Ausbildung des unter seinem Befehle stehenden Infanterie-Regiments Erzherzog Ludwig Nr. 8 zu einer solchen Höhe, daß dasselbe bald als Musterregiment in der Armee galt; es wurden in demselben die Pionnierarbeiten bis zum schwierigen Schanzenbau, das Scheibenschießen und Schwimmen sorgfältig gepflegt. Auch war er Mitglied der zur Einführung der Percussionsgewehre aufgestellten Commission und sein Regiment das erste in der Armee, welches mit Percussionsgewehren ausgerüstet wurde. Als er im Jahre 1843 zum General-Major befördert wurde, erhielt er zuerst eine Brigade in Italien, 1844 aber in der Militärgrenze zu Petrinia, wo er energisch in die Verwaltung eingriff und insbesondere die Cultur der ausgedehnten Staatswälder in seinen Schutz nahm. Im Jahre 1848 schloß er sich freiwillig dem Zuge des Banus durch Ungarn bis vor die Mauern Wiens an, nahm das insurgirte Stuhlweissenburg, wohnte der Erstürmung der St. Marxer Linie und dem Treffen bei Schwechat bei und übernahm das Militär-Districtscommando von Preßburg. Als später Feldzeugmeister Baron Haynau seinen Zug nach Temesvár antrat, war K. es, dem er in dieser verhängnißvollen Zeitperiode das Districtscommando von Ofen und Pesth anvertraute. Ende 1849 wurde K. zur Organisirung der gesammten Landes-Gendarmerie im Kaiserstaate berufen. Innerhalb Jahresfrist hatte er dieses damals aus 16 Regimentern bestehende [165] Corps organisirt. Gleichzeitig zum General-Inspector der Gendarmerie ernannt, versah er unter Einem die Stelle des Militär-Gouverneurs von Wien und seit 1. Juni 1852 die Geschäfte des Chefs der obersten Polizeibehörde. Schließlich hat K. die Auffindung der ungarischen Kroninsignien, welche durch den Auditor Karger [Bd. X, S. 176] bewerkstelligt wurde, mit eigener Hand geleitet und dieselben in die Hände seines Monarchen zurückbringen geholfen. Von seinem Posten als Chef der obersten Polizeibehörde wurde K. bei dem Umschwunge und den Reformen, welche nach dem Feldzuge des Jahres 1859 in Italien im Innern des Kaiserstaates Platz griffen, mit kaiserlichem Handbillet vom 21. August g. J. enthoben und in den Ruhestand versetzt. Aber auch auf anderen Gebieten als auf jenem seines ernsten Berufes begegnen wir dem General. So verdankt die Wiener-Neustädter Militär-Akademie vornehmlich Kempen’s Bemühungen und unaufhörlichen Anregungen das auch vorzugsweise durch seine Vermittlung im Jahre 1855 ganz hergestellte Kinsky-Denkmal, bezüglich dessen auf die Biographie des Franz Joseph Grafen Kinsky gewiesen wird; Znaim und Iglau, in welchen Städten das Regiment, welches er als Oberst commandirte, mehrere Jahre in Garnison lag, segnen seinen Namen, denn ihm verdanken beide Städte die Errichtung humanistischer Wohlthätigkeitsanstalten, zweckmäßiger Bauten, freundlicher Anlagen, schöner Promenaden und sinnig angelegter Friedhöfe, Arbeiten, die er durch seine im Pionnierdienste tüchtig geschulten Soldaten in ihren Mußestunden ausführen ließ; auch war K. ein fleißiger Mitarbeiter an der von Schels[WS 1] redigirten österreichischen Militär-Zeitschrift, und stammen aus seiner Feder viele der darin enthaltenen kriegsgeschichtlichen Artikel, wie er denn auch zu der über seine Anregung zu Stande gebrachten handschriftlichen Geschichte des 8. Infanterie-Regiments – dessen Oberst er war – die meisten und werthvollsten Daten selbst geliefert hat. K. wurde für seine zahlreichen Verdienste am 22. October 1852 mit dem Orden der eisernen Krone 1. Classe ausgezeichnet, welcher Verleihung statutenmäßig im Jahre 1854 die Erhebung in den Freiherrnstand folgte. Außerdem wurden ihm von Sr. Majestät das Großkreuz des Leopold-Ordens, die geheime Rathswürde und schon im Jahre 1850 die zweite Inhaberstelle des Infanterie-Regiments Erzherzog Franz Ferdinand d’Este Nr. 32 verliehen. Von fremden Monarchen haben ihn der Kaiser von Rußland mehrere Male, der König von Preußen und der Herzog von Modena mit Orden ausgezeichnet. Die Residenzstadt Wien aber und die kön. Städte Iglau, Znaim, Preßburg, Erlau und Debreczin haben ihn in die Zahl ihrer Ehrenbürger aufgenommen. Im Jahre 1859 beging Kempen, der im Jahre 1809 in die Reihen der Armee getreten war, seine fünfzigjährige Dienstjubelfeier, welche mehrere seiner Verehrer zur Herausgabe eines „Kempen-Albums“ veranlaßte, worin zahlreiche Beiträge in gebundener und ungebundener Rede zu ihm in naher Beziehung stehen. Der General ist seit dem Jahre 1836 mit Sophie Pacher von Theinburg vermält.

Kempen-Album (Wien 1859, Klemm, 8°.) S. 3–18: „Ein Neustädter von 1809“, von Julius Ebersberg [enthält die biographische Skizze des Generals, wie überhaupt die meisten Beiträge dieses zur 50jährigen Dienstesjubelfeier des Freiherrn von K. erschienenen Albums zu dem Jubilar in näherer Beziehung stehen, mehrere auch einzelne Momente seines [166] Lebens poetisch illustriren]. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1853, Nr. 532, S. 168 [mit Porträt]. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1851, S. 276; 1854, Nr. 46, S. 366 [ausführliche biographische Skizze im Artikel über die Gendarmerie]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) IV. Suppl. Bd. S. 225. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 509. – Adelstands-Diplom vom 6. September 1815. – Freiherrnstands-Diplom vom 16. April 1854. – Porträte. 1) Lith. von Kriehuber (Wien, Neumann, Fol.); – 2) lithogr. von Sterio (Wien, ebenda, Fol. u. 4°.). – Kempenfond. Dieß ist ein im Jahre 1856 gegründeter und mit Allerh. Entschließung vom 27. März d. J. genehmigter Fond zur Belohnung decorirter Gendarmen, welcher bereits in seinem Gründungsjahre eine ansehnliche Summe erreicht hatte. Näheres über denselben siehe in der Wiener Vorstadt-Zeitung 1856, Nr. 126. – Wappen. Ein roth und blau durch eine aufrechte eingebogene silberne Spitze getheilter Schild. Im rothen Felde ist ein silberner, im blauen Felde ein goldener Greif, jeder mit ausgeschlagener rother Zunge und einwärts aufgerichtet, zu sehen. Die silberne Spitze zeigt einen natürlichen, aus grünem Boden hervorwachsenden Fichtenbaum. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone mit einem darauf in’s Visir gestellten Turnierhelm. Den Helm ziert eine goldene Krone, aus welcher ein dem in der Schildesspitze vorkommenden ähnlicher Fichtenbaum aus grünem Boden hervorwächst. Helmdecken. Rechts roth mit Silber, links blau mit Silber unterlegt. Schildhalter. Auf einer unter dem Schilde befindlichen Arabeskenverzierung zwei mit grünem Laube bekränzte, mit umgebundenen Thierfellen über die Achseln und um die Hüften behangene wilde Männer, jeder vorwärts gestellt und halb aufwärts schauend, lehnt sich mit dem Elbogen des einen einwärts über sich gebeugten Arms auf das Obereck des Schildes, die Hand des andern in die Hüfte gestemmten Arms stützt sich auf eine umgestürzte Keule. Der Wappenschild mit Helm und Kronenschmuck ist derselbe, wie im Wappen der Adelsverleihung aus dem Jahre 1815. Zum freiherrlichen Wappen sind nur die beiden Schildhalter hinzugekommen.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Kempen von Fichtenstamm, Johann Franz Freiherr von, k. k. Feldzeugmeister [s. d. S. 163 d. Bds.], gestorben zu Schwarzau bei Wiener-Neustadt 29. November 1863, Morgens 1 Uhr.
    Presse (Wiener Journal, Fol.) 1863, Nr. 329 Abendbl. und Nr. 331 Morgenbl. – Wiener Abendpost 1863, Nr. 129. [Bd. 11, S. 434.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schel’s.