BLKÖ:Jenisch, Bernhard Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Jenewein, Jacob
Band: 10 (1863), ab Seite: 163. (Quelle)
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Jenisch, Bernhard Freiherr von (Orientalist, geb. zu Wien 10. November 1734, gest. ebenda 22. Februar 1807). Entstammt einer angesehenen Familie, welche in der ehemaligen Reichsstadt Kempten ansäßig war. Schon sein Vater stand in kaiserlichen Diensten und war Hofsecretär in Wien. Der Sohn besuchte die sechs unteren Schulen im Profeßhause der Jesuiten in Wien, hörte dann Philosophie und Rechtswissenschaften an der Hochschule und kam, als 1754 von der Kaiserin Maria Theresia die orientalische Akademie begründet ward, als erster Zögling in dieselbe. Schon im Jahre 1755 wurde er als Sprachknabe nach Constantinopel gesendet; 1757 als Grenzdolmetsch in Temesvár angestellt; 1770 Hofsecretär bei der geheimen Haus-, Hof- und Staatskanzlei, nachdem Baron Thugut zu dem Congresse nach Fokschan abgegangen war: 1772 Geschäftsträger bei der ottomanischen Pforte; 1775 Grenzberichtigungs-Commissär in der Bukowina und 1791 Hofrath in der Staatskanzlei, Staats-Official und Referent der orientalischen Akademie. Indem er schon im Jahre 1790 in den ungarischen Adelstand, im Jahre 1800 aber in den Freiherrnstand erhoben wurde, erfolgte nach Van Swieten’s Tode (1803) seine Ernennung zum Hofbibliotheks-Präfecten, und fällt in die Periode seiner Präfectur die Anstellung des berühmten Geschichtschreibers Johannes von Müller als ersten Custos an der Hofbibliothek. Bot ihm seine Laufbahn genugsam Gelegenheit, sich als praktischer Staatsmann zu bewähren, so benützte er doch auch, ein Freund der Wissenschaft, dieselbe zu gelehrten Forschungen. Er ist Verfasser mehrerer auf die orientalische Literatur sich beziehender Werke und Abhandlungen, wie z. B. der „Anthologia Persica“ die er im Namen der von Maria Theresia gestifteten Akademie (Wien 1778, 8°.) herausgab. Dieselbe enthält Fabeln aus dem Beharistán des Dschami, Sentenzen, kleinere Gedichte und Biographien. Umfassender ist seine „Historia priorum regum Persarum, ex Mohammede Mirchond persice et latine cum notis geographico-literariis“ (Viennae 1782, 4°.). Sein wissenschaftliches Hauptverdienst aber besteht in der Ausführung der zweiten Auflage des arabisch-persisch-türkischen Wörterbuches von Meninski, welche er auf Veranlassung des Freiherrn Binder von Kriegelstein [Bd. I, S. 399] in den Jahren 1780–1802 in 4 Foliobänden in Wien besorgte. Er schrieb dazu eine gelehrte umfassende (164 S. starke) [164] Einleitung unter dem Titel: „De fatis linguarum orientalium“ die auch besonders, jedoch anonym (1780) ausgegeben wurde. Diese zweite Auflage ist in mancher Hinsicht von der ersten unterschieden und vielfach durch Benützung neuerer Quellen bereichert. Zur Geschichte des Buches ist es interessant zu erfahren daß die Kaiserin Maria Theresia, um das Unternehmen zu unterstützen, auf 100 Exemplare pränumerirte, allein außer ihr fand sich nur noch Ein Pränumerant, der König von Polen. Den Rest kaufte später der Buchhändler Schalbacher in Wien und von diesem der Pariser Buchhändler Renouard. Diese Auflage wurde bald so selten, wie die erste und wurde ein Exemplar mit guten Preisen (260 Francs) verkauft. Durch Vermittlung des päpstlichen Nuntius in Wien, Monsigneur Garampi, suchte Jenisch zum Frommen der orientalischen Literatur in die Schätze des Vatikans einzudringen. Was die Ergebnisse seiner Bemühungen waren, ist nicht bekannt, wenigstens sind solche nicht veröffentlicht worden.

Weiß Edler von Starkenfels (Victor), Die kaiserlich-königliche orientalische Akademie zu Wien, ihre Gründung, Fortbildung und gegenwärtige Einrichtung (Wien 1839, C. Gerold, 8°.) S. 8, 15, 30, 46, 50, 63. – Leipziger Literatur-Zeitung 1807, Intelligenzblatt Nr. 13, S. 202. – Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien, Doll, 4°.) I. Jahrg. (1807), Bd. 2, Intelligenzblatt des Monats Juli, Sp. 15. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 673 [nach diesem gest. am 13. Februar 1807]. – (Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, Strauß, 4°.) II. Jahrg. (1811), S. 124 [in der Anmerkung zum biographischen Artikel über Paul Herbert]. – Meusel (Joh. Georg), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1783, Meyer, 8°.) Vierte Ausgabe, Bd. II, S. 219. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 37 – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Tome XXVI, p. 649 [nach dieser gest. am 23. Febr. 1807]. – Wappen. Die Jenisch sind eine altadelige Familie, welche schon von Kaiser Maximilian I. in den Adelstand erhoben und von Kaiser Ferdinand II. in demselben bestätigt worden. Die Erhebung des obigen Bernhard in den Freiherrnstand erfolgte mit Diplom vom 20. October 1800. Das Wappen ist ein gevierteter Schild mit Herzschild. Dieses letztere ist von Gold und Schwarz quergetheilt und mit einer Lilie verwechselter Farbe und Metalls belegt. Hauptschild. 1 und 4: in Blau ein halber, die Schwingen nach auswärts kehrender rother, mit vier silbernen Querbalken belegter Flug; 2 und 3: in Silber ein schwarzer vorwärtssehender Büffelkopf. Den Schild bedeckt die Freiherrnkrone, auf welcher sich drei goldgekrönte Turnierhelme, die beiden äußeren nach innen, der mittlere in’s Gesicht gestellt, erheben. Aus der Krone des mittleren Helmes wächst die Lilie des Herzschildes zwischen zwei Gold und schwarz quergetheilten[WS 1] Büffelhörnern; die Krone des rechten Helmes trägt den halben Flug von 1 und 4; jene des linken Helmes drei wallende Straußenfedern, und zwar eine silberne zwischen zwei blauen. Helmdecken. Die mittlere schwarz mit Gold, die rechte roth und die linke blau, beide mit Silber unterlegt. Schildhalter. Zwei geharnischte gegeneinander gekehrte Männer mit aufgeschlagenen Visiren, rothen Büschen auf den Helmen, mit an der Seite hängender Wehre, in der freien Hand eine Lanze mit eiserner Spitze und unter dieser eine goldene Quaste vor sich haltend.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: quergetheilen.