BLKÖ:Jurein, nach Anderen Jurain, Joseph von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 323. (Quelle)
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Jurein, hie und da auch Jurain, Joseph von (Rechtsgelehrter und Fachschriftsteller, geb. zu Brünn 18. März 1726, gest. zu Wien 18. November 1812). Trat, 17 Jahre alt, am 14. October 1743 in das Jesuitencollegium zu St. Clement in Prag, versah in demselben durch 9 Jahre das Lehramt, zuerst in den Humanitätsclassen, später in der Theologie, erwarb die Doctorwürde und wurde im Jahre 1765 von seinem Orden nach Italien geschickt, wo er anfänglich zu Loreto, später an der Peterskirche in Rom als deutscher Beichtvater thätig war. Nach Aufhebung seines Ordens kehrte er in seine Heimat zurück, wurde Weltgeistlicher und erhielt ein Canonicat an der damaligen Collegiatkirche zu St. Peter und Paul in Brünn; da eine solche Pfründe nur ein Adeliger besitzen konnte, wurde er im Jahre 1778 in den Adelstand erhoben. Im Jahre 1784 legte er seine Domherrnstelle nieder und lebte seitdem als Privatgelehrter in Wien. Seine literarische Thätigkeit eröffnete er mit einer dogmatischen Schrift: „Oratio de immaculata conceptione“ (Prag 1759, 4°.), in welcher er über dieses Dogma der römisch-katholischen Kirche seine Ansichten aussprach. In seinen übrigen Schriften beschäftigte er sich aber vornehmlich mit dem Natur- und Völkerrechte. Es sind folgende: „Lucubrationes ethico-politicae in jus naturae“ (Prag 1759, 8°.); – „Dissertationes ethicae ex jure naturae de duello, dominio maris commerciorumque origine“ (ebd. 1759, 8°.); – „Commentationes politicae de praesidiis reipublicae“ (ebd. 1760, 8°.); – „Commentarius in jus gentium“ (ebd. 1760, 4°.). Indem J. seine wissenschaftliche Muße in Wien noch volle 26 Jahre genoß, starb er im hohen Alter von 86 Jahren.

Czikann (Johann Jak. Heinr.), Die lebenden Schriftsteller Mährens (Brünn 1812, Traßler, 8°.) S. 84. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 29. Theil, S. 411. – Meusel (J. G.), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1783, Meyer, 8°.) 4. Aufl. I. Nachtrag, S. 317; – 5. Aufl. Bd. III, S. 580; Bd. XVIII, S. 284. – Pelzel (Franz Martin), Böhmische, mährische und schlesische Gelehrte und Schriftsteller aus dem Orden der Jesuiten (Prag 1786), S. 252.