BLKÖ:Kiß von Elemér und Ittebe, Ernst Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 11 (1864), ab Seite: 331. (Quelle)
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Kiß von Elemér und Ittebe, Ernst Freiherr (ungarischer Revolutions-General, geb. zu Temesvár im J. 1800, erschossen zu Arad 6. October 1849). Stammt aus einer ungemein reichen ungarischen Adelsfamilie, welche im Mannsstamme bereits erloschen ist. Er hatte früher in der kaiserlichen Armee gedient und war zur Zeit des Ausbruchs der ungarischen Revolution Oberst und Commandant des 2. Huszaren-Regiments König von Hannover. Nachdem die Schilderhebung begonnen hatte, stellte er sich mit seinem Regimente der Revolution zur Verfügung. Das erste ungarische Ministerium ernannte ihn sofort zum Corpscommandanten, entsendete ihn mit den alten Truppen der kaiserlichen Armee gegen die Raizen in Kikinda, und K. übte für das feindselige Auftreten derselben gegen die Ungarn eine furchtbare Vergeltung. Die Raizen sammelten sich aber neuerdings zu entschlossenem Widerstande. Am 11. September 1848 kam es bei Perlaß zum Kampfe, welchen Ort Kiß, weil aus einigen Häusern auf seine Leute geschossen worden, niederbrennen ließ. Am folgenden Tage schlug er sie auf seiner eigenen Herrschaft bei Aradacs, aber bei Elemér, dem Hauptorte seiner Besitzungen, drang ein anderes raizisches Corps ein, jagte eine Abtheilung seiner Huszaren in die Flucht und steckte das prächtige Schloß mit seinen schönen werthvollen Sammlungen und Kostbarkeiten in Brand. Als Kiß seinen Leuten zu Hilfe geeilt war, fand er nur den rauchenden Schutt seines Schlosses innerhalb vier nackter Mauern. Im December 1848 wurde K. von der Revolutionsregierung zum General und Obercommandanten der ungarischen Truppen in Südungarn ernannt. Die erst im Herbste vollendete Festung Tomaschowácz beschloß er von vorne anzugreifen, während Damianich im Rücken gegen sie operiren sollte. Als am 14. December der Angriff stattfinden sollte, war die Festung verlassen, die Besatzung hatte sie freiwillig geräumt. Im Februar 1849 ernannte ihn die Revolutionsregierung zum Landes-Commandirenden. An den letzten Kämpfen, welche vor der Niederwerfung des Aufstandes durch die vereinten Oesterreicher und Russen stattgehabt, hatte K. Theil genommen und nach der Waffenstreckung bei Villagos sich an Paskiewitsch ergeben. K. wurde nun vor das Kriegsgericht in Arad gestellt, von demselben am 21. September wegen Hochverrath zum Tode verurtheilt und dieses Urtheil an ihm mit Pulver und Blei am 6. October 1849 vollzogen. Die confiscirten Güter wurden nach achtjährigem Rechtsstreite, in Folge eines Beschlusses des obersten Gerichtshofes, im Jahre 1858 den rechtmäßigen Erben zurückgegeben.

Literarisch-artistisches Beiblatt zur deutschen allgemeinen Zeitung (Leipzig, Brockhaus 4°.) 1850, Nr. 23: „Der Richtplatz von Arad“. – Zur Geschichte des ungarischen Freiheitskampfes, Authentische Berichte (Leipzig 1851, Arnold. 8°.) Bd. I, S. 237. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) Bd. I, S. 117. – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) Theil II, S. 118. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) IV. Suppl. Bd. S. 552. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, 8°.) Bd. VI, S. 249. – Schlesinger (Max), Aus Ungarn (Leipzig 1850, 8°.) Im Abschnitt: „Der Richtplatz von Arad“. –