BLKÖ:Kleinschmid, Friedrich August

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 65. (Quelle)
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Kleinschmid, Friedrich August (Humanist und Kunstfreund, geb. zu Steinheim in Westphalen 21. November 1749, Todesjahr unbekannt). Kam im Jahre 1776 nach Wien, wo er staatsrechtliche Studien machte, dann (1780) bei der Tranksteuer-Administration eine Einnehmerstelle bekleidete, die er bald [66] aufgab, wonach er 1783 bei dem Großhändler Baron Natorp eine Secretärstelle erhielt. Im Jahre 1786 wurde K. bei der Wiener Polizei-Oberdirection als Commissär angestellt, wurde 1791 Polizeidirector auf der Wieden, im Jahre 1796 zur Oberdirection in die Stadt mit dem Titel eines k. k. Rathes übersetzt, im Jahre 1810 Director des Zucht- und Polizeihauses in Wien, 1812 k. k. Regierungsrath, und als im Jahre 1816 das Zuchthaus von dem Polizeihause getrennt und ersteres als Provinzial-Strafhaus von der k. k. niederösterreichischen Regierung übernommen wurde, behielt K. die Leitung des Polizeihauses, welche er noch im Jahre 1836 – und damals zählte er bereits 86 Jahre – über sich hatte. K. war ein tüchtiger Polizist und zugleich Humanist. Als im Jahre 1805 die Franzosen zum ersten Male Wien besetzten und bei dem panischen Schrecken und der Bestürzung, welche allenthalben hier herrschten, theils durch den Zufall, theils aber auch aus betrügerischer Absicht ärarisches Gut in bedeutendem Werthe verschleppt ward, brachte K. davon einmal im Gesammtwerthe von 200.000 fl., ein anderes Mal im Werthe von 46.000 fl. wieder zurück. Als er im Jahre 1810 Director des Zucht- und Polizeihauses wurde, richtete K. zuerst sein Augenmerk auf jene Sträflinge, welche nach überstandener Haft schutz- und mittellos in den Schooß der bürgerlichen Gesellschaft zurückkehrten. Von dem richtigen Gedanken geleitet, daß sich jedem aus einem Strafhause Entlassenen das Mißtrauen seiner Mitbürger feindlich gegenüberstelle und dieses nur allmälig und auch nur dann welche, wenn in vollständiger Besserung die erforderliche Bürgschaft geboten werde, gründete er zum ersten Schutze dieser Verlassenen 1810 die Anstalt zur Unterstützung austretender Sträflinge, brachte durch milde Beiträge in Kürze ein Capital von 52.000 fl. zusammen, von dessen Zinsen der austretende Sträfling je nach seinen Verhältnissen so lange betheilt wurde, bis seine Besserung unbezweifelt und der Erwerb eines erforderlichen Unterhaltes gesichert war. Als später die Trennung des Zuchthauses von dem Polizeihause durchgeführt wurde, wurde auch obiges Capital getheilt und fiel dem Polizeihause die kleinere Hälfte von 25.000 fl. zu, welche aber K.’s unermüdeter Eifer bald um ein Ansehnliches wieder vermehrte. Indem der ästhetischen Richtung K.’s, welcher kleinere lyrische Dichtungen in den damaligen beliebteren Blättern, als in Schikh’s „Wiener Zeitschrift“, Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ u. s. w. veröffentlichte und von denen mehrere in Musik gesetzt wurden, nur nebenbei gedacht wird, ist hier noch seines ausgezeichneten Kunstsinnes zu gedenken, da er, ein Kenner und Liebhaber der Malerkunst, gute Bilder sammelte und eine werthvolle Gallerie mitunter ganz vorzüglicher Bilder zusammengebracht hatte.

Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande. Authentische Notizen u. s. w. (Wien 1830, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. I, S. 142. – Sartori (Franz Dr.), Verzeichniß der gegenwärtig in und um Wien lebenden Schriftsteller (Wien 1820, Ant. Strauß, 8°.) S. 40. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 218.