BLKÖ:Kleyle, Karl Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Klezsó, Joseph
Band: 12 (1864), ab Seite: 85. (Quelle)
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Kleyle, Karl Ritter von (Landwirth, geb. zu Wien 19. März 1812, gest. ebenda 9. Februar 1859). Der älteste Sohn des Vorigen. Beendete in Wien die juridisch-politischen Studien und trat in die erzherzoglichen Dienste als Oberamtsadjunct auf der Herrschaft Friedeck in Schlesien, wo sein Vetter Friedrich Kleyle, ein ausgezeichneter Oekonom und Geschäftsmann, waltete und sich Karl unter seiner Leitung im Feldwirthschaftsbetriebe, im Forst- und Montanfache ausbildete. Der plötzliche Tod seines Vetters hatte für Kleyle die Aufforderung zu Folge, den erledigten Posten des Directors in Teschen zu übernehmen. Die erzherzogliche (damals Karl’sche, jetzt Albrecht’sche) „Kammer“ in Teschen, bildete schon zu jener Zeit, einschließlich der Herrschaft Friedeck, einen bedeutenden Gütercomplex mit vielen Meierhöfen, einem großen Waldstande und mehreren Eisenwerken. Kleyle, dem sich nun ein weites Feld der Thätigkeit eröffnete, zählte damals 23 Jahre. Mit dem ganzen Muth und Arbeitsdrange der Jugend ging er an die Erfüllung seines Berufes, organisirte die Verwaltung, richtete die Wirthschaften zweckmäßiger ein, errichtete neue Eisenwerke, kurz steigerte nach allen Seiten die Ertragsfähigkeit der erzherzoglichen Güter und erwarb sich die Zufriedenheit des kaiserlichen Prinzen in einem solchen Grade, daß ihm schon nach zwei Jahren seiner selbstständigen Leitung auch die Verwaltung der angrenzenden galizischen Güter übertragen wurde. Im Jahre 1846 wurde K. als Administrator sämmtlicher erzherzoglicher Güter an die Seite seines Vaters nach Wien berufen. Um sich aber in dieser Stellung der praktischen Landwirthschaft nicht zu entfremden, übernahm er zugleich die Localdirection der erzherzoglichen Herrschaft Seelowitsch in Mähren, die ihren Ruf in Bezug auf rationellen Betrieb der Wirthschaft und insbesondere des ausgedehnten Rübenbaues vornehmlich seiner Thätigkeit verdankt. Diese setzte er nach dem Ableben des Erzherzogs Karl (1847) unter dessen Nachfolger Erzherzog Albrecht fort. Als aber im Jahre 1848 eine neue Zeit über Oesterreich hereinbrach, in welcher auch K. thätig auftrat [vergleiche die Quellen] gab er seine bisherige Stellung auf und trat in den Staatsdienst. Anfänglich im Ministerium des Innern unter Pillersdorf, Doblhoff und Stadion, wurde er vorzugsweise bei den organisatorischen Arbeiten beschäftigt, übernahm dann in dem neugebildeten Ministerium für Landescultur und Bergwesen die Leitung der Section für Landescultur, einschließlich des Forstwesens. [86] Nach Auflösung dieses Ministeriums trat K. als Ministerialrath in das Finanzministerium, wo er mit der Leitung des Departements der Forst- und Montandomänen betraut wurde. Diese Stelle bekleidete K. bis an sein allzufrühes Hinscheiden. Ueberdieß seit April 1836 Mitglied der Landwirthschafts-Gesellschaft in Wien, zählte er nach dem Ausspruche von Fachmännern zu ihren Zierden und wurde seit 1846 eine ihrer festesten Stützen. Im Jahre 1849 zum Präsidenten-Stellvertreter ernannt, war er besonders thätig bei der zeitgemäßen Umarbeitung der Gesellschafts-Statuten. Seine Wiederwahl im Jahre 1850 lehnte er ab, trat aber in den damals neu gewählten Centralausschuß, in welchen die Wiederwahl im Jahre 1853 er gleichfalls ablehnte. Nichtsdestoweniger betheiligte er sich auch dann noch an allen wichtigeren Fragen, welche in der Gesellschaft verhandelt wurden. Im Jahre 1851 ist K. von dem Landescultur-Ministerium zur Weltausstellung nach London gesendet worden, von welcher er die neuesten Maschinen und Geräthschaften mitbrachte, die seitdem in Oesterreich auch vielfach Verbreitung fanden. Bei den landwirthschaftlichen Ausstellungen in Wien in den Jahren 1851, 1853 und 1857, in welch letzterer insbesondere sein Vortrag im Redoutensaale (am 9. Mai): „Ueber die landwirthschaftlichen Zustände Oesterreichs“ allgemeinen Beifall erntete, war seine Thätigkeit eine hervorragende. In Anerkennung seiner Leistungen für die Förderung der land- und forstwissenschaftlichen Interessen verlieh ihm Se. Majestät der Kaiser mit Allerh. Handschreiben vom 14. Mai 1857 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens. Die Landwirthschafts-Gesellschaft aber ehrte ihn nach commissioneller Besichtigung des Betriebes auf seiner Besitzung Gneixendorf mit der höchsten Auszeichnung: mit der großen goldenen Medaille. Als praktischer und rationeller Landwirth das dringende Bedürfniß nach richtig und solid gearbeiteten Ackerwerkzeugen erkennend, veranlaßte er zur Herstellung derselben den Bau einer eigenen Werkstätte für landwirthschaftliche Geräthschaften und Werkzeuge auf den erzherzoglichen Besitzungen in Schlesien. Vor Allem aber war er nun auf Herstellung eines zweckmäßigen Pfluges bedacht. Er schaffte Modelle im Großen und Kleinen von den bewährtesten Pflügen an, stellte damit Versuche an, beschäftigte sich dann eifrig mit dem Studium der Theorie des Pfluges und unternahm selbst die Construction eines neuen. Angestellte Versuche deckten Fehler auf, die zu weiterer Forschung Anlaß gaben, und so gelangte er zu dem Resultate, welches er in seiner Schrift: „Der Pflug, der Anhäufler und Wühler“ (neue veränderte Ausgabe, Wien 1851) herausgab. Dieser Pflug der seinen Namen trägt, wurde vielfach prämiirt, ist nicht bloß in Oesterreich, sondern auch im übrigen Europa viel verbreitet und trug den Namen seines Erfinders durch alle Welt. Dieser Pflug, wie einer seiner Biographen so treffend sagt, „ist das wahre Sinnbild der Ansicht seines Erfinders, daß man den Fortschritt vom Anfang beginnen müsse“. Seine übrige Thätigkeit als Fachschriftsteller beschränkt sich auf folgende Werke: „Anleitung zur systematischen Landgütereinrichtung“ (Wien 1844); – „Kurze Beschreibung der im Jahre 1851 vom k. k. Ministerium für Landescultur und Bergwesen in England angekauften Ackergeräthe“ (Wien 1851); – „Die englischen Ackergeräthe und die Drainage“ (ebd. 1853). Außerdem, daß K. Verwaltungsrath der ersten Immobilien-Gesellschaft [87] und der Staatseisenbahn-Gesellschaft war, war er auch Mitglied von fast allen landwirthschaftlichen Gesellschäften Deutschlands, und die Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe in Hannover, die er als einer der Vorstände leitete, war eine der erfolgreichsten. Kleyle war mit Marie gebornen von Mertens vermält, aus welcher Ehe eine noch minderjährige Tochter Ida entstammt.

Steger (Fr.), Ergänzungsblätter zu jedem Conversations-Lexikon (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 785. – Wiener (amtliche) Zeitung 1859, S. 643, 892: Nekrolog. – Allgemeine land- und forstwirthschaftliche Zeitung, herausgegeben von Professor Arenstein (Wien, gr. 8°.) IX. Jahrg. (1859), Nr. 7, S. 129: Nekrolog von Arenstein. – Jahrbuch für österreichische Landwirthe. Herausgegeben von A. E. Komers (Prag, André, 8°.) I. Jahrgang (1861), S. 146 [nach diesem geb. 10. März 1812, gest. 12. Februar 1859, welche beiden Angaben unrichtig sind]. – Der österreichische Volksfreund (Wiener polit. Blatt) 1859, Nr. 35. – Presse (Wiener politisches Blatt) 1862, Nr. 71: „Aus halbvergangener Zeit. VI. Von den drei Märztagen 1848“. [Frankl gedenkt hier der bedeutsamen Worte, welche Kleyle bei dem Mahle sprach, das ein Mitglied des nachmaligen deutschen Parlaments am 5. März 1848 mehreren Fortschrittsmännern der vormärzlichen Periode gab, bei welchem auch mehrere Herren des dritten Standes geladen waren. Kleyle, schreibt Frankl, ließ dieselben hart an.- „Wir Stände sollen für euch alles thun! Ihr wollt constitutionelle Regierungsform, Preßfreiheit, Schwurgerichte. Gut, wir wollen das auch! Wir aber sollen allein die Barrikaden gegen den Absolutismus bauen. Was thut denn ihr? Wir sollen die goldenen Früchte der Hesperiden holen, aber auch den Augiasstall reinigen! Der dritte Stand, wenn er nicht nichtswürdig ist, muß Chorus sein, wenn wir sprechen, er muß hinter uns anzünden, wenn wir in die Schlacht gehen!“ Wie bezeichnend und den Feuergeist Kleyle’s kennzeichnend diese im Vormärz gesprochenen Worte sind, seine Stellung in den landwirthschaftlichen Reformen Oesterreichs kann nicht besser als aus seinen Worten, die er im Vortrage über die landwirthschaftlichen Zustände Oesterreichs gesprochen, gedeutet werden. Diese lauten aber: „Es gilt alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit die Landwirthschaft erstarke und gedeihe. Es fordert dieß nicht das Wohl der Einzelnen, sondern das Wohl der Gesammtheit; nicht das Interesse eines Standes, sondern das Interesse des Thrones. Drei Viertheile der Gesammtbevölkerung Oesterreichs sind Landwirthe, die österreichische Landwirthschaft erzeugt mehr als doppelt soviel Werthe als die Industrie oder der Handel. Die Landwirthe zahlen die meisten Steuern und stellen das Hauptcontingent für das Heer. Eine blühende Landwirthschaft liefert wohlfeile Nahrungsmittel für Alle, gute Rohstoffe für die Industrie und massenhafte Artikel für den Handel. Der Landwirth findet in seiner Beschäftigung die beste Schule zur Bildung eines gediegenen Charakters. Im täglichen Kampfe mit den Elementen fühlt er die Hand des Allmächtigen und wird Gott ergeben. Von allen Schwankungen im Staate tief und nachhaltig betroffen, ist er conservativ, hängt mehr als jeder andere an ererbten Sitten und Einrichtungen. Die Organisation, welche das Mittelalter den Corporationen gegeben hatte, ist durch die Entwickelung der Menschheit veraltet, neue Formen müssen gefunden werden, um die unselige Zersplitterung in ruhelose und doch zum Guten ohnmächtige Atome zu verhüten. Diese Formen sollen sich natürlich entwickeln. Darum reiche der Landwirth dem Landwirthe die Hand, jeder Volksstamm wahre seine Eigenthümlichkeit, aber fühle und handle als Glied der großen Genossenschaft, Alle aber leite unser erhabener Kaiser mit angestammter Weisheit und Thatkraft zum gemeinsamen Ziele. Dann werden wir die Nachwehen vergangener Erschütterungen überwinden, die Ungunst vorübergehender Verhältnisse besiegen und das große Werk glücklich vollbringen; denn Oesterreich ist eine sturmerprobte Eiche; fest in ihren Wurzeln, gesund in ihrem Stamme, hebt sie hoch in die Lüfte ihre prangende Krone.“]