BLKÖ:Kopp, J. Eutychius

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Kopp, Eduard
Band: 12 (1864), ab Seite: 442. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Joseph Eutych Kopp in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116338407, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kopp, J. Eutychius|12|442|}}

Kopp, J. Eutychius (Geschichtsforscher, geb. zu Beromünster im Canton Luzern am 25. April 1793). Nicht in Oesterreich geboren, nicht im [443] Kaiserstaate ansässig oder bedienstet, gebührt doch diesem Geschichtschreiber, der das Haus Habsburg zum Gegenstande eindringlicher historischer Forschungen gemacht und bereits mehrere wichtige Werke veröffentlicht hat, eine Stelle in diesem Werke. Kopp erfreute sich keines fürstlichen Protectorates, keiner staatlichen Subventionen; einzig und allein Liebe zum Vaterlande begeisterte ihn zu seinen Arbeiten, welche an Gründlichkeit und Umsicht jedweder an die Seite gestellt werden können. Nach einer mühevollen Jugend und mannigfachen Anstrengungen, um sich fortzubringen, bezog er die hohe Schule von Freiburg, wo er durch Privatunterricht die Kosten seines Aufenthaltes bestritt. Dann widmete er sich dem Lehrfache, wurde 1819 Professor der griechischen Sprache an der höheren Lehranstalt in Luzern, 1841 in den Verfassungs- und später in den Cantons- und Regierungsrath berufen, in welchem er sich in der Jesuitenfrage, als Präsident des Unterrichtsrathes, gegen die Berufung des Ordens nach Luzern aussprach, dadurch aber bei der Erneuerung des Regierungsrathes im Jahre 1845 seine Wiederwahl in denselben vereitelte. Eine im Jahre 1836 mit einem andern Geschichtsforscher verabredete Reise nach Rom, um im Vatican jene Quellenschätze für die Geschichte des Hauses Habsburg zu heben, welche K. mit Recht dort vermuthete, kam erst im Jahre 1849 zur Ausführung. K. hat eine reiche Ausbeute gemacht, und bisher nachstehende Werke veröffentlicht, welche entweder unmittelbar das Haus Habsburg betreffen, oder aber doch in sehr naher Beziehung zu demselben und zu dem Kaiserstaate stehen: „Urkunden zur Geschichte der eidgenössischen Bünde“, 2 Bde. (Luzern, 1. Bd. 1835, X. Mayer; 2. Bd. Wien 1851, Gerold, 8°.) [man vergleiche darüber die Recension von Karajan in Kaltenbäck’s „Oesterreichischer Zeitschrift“ 1836, S. 75, 79, 83, 87. 91 u. 94]; der zweite Band dieser Urkunden bildet den ersten Band des, von der kais. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen „Archivs für Kunde österreichischer Geschichtsquellen“; – „Geschichte der eidgenössischen Bünde. Mit Urkunden“, 2 Bde. (Leipzig 1845–1849, Weidmann, gr. 8°.); darin behandelt K. die Geschichten von der Wiederherstellung und dem Verfalle des h. röm. Reiches, u. z. in den ersten drei Büchern: „König Rudolph und seine Zeit“, im vierten Buche: die Grafen von Kyburg, von Buchegg und Neuenburg mit Arberg, Nidau und Straßberg; dann Gotteshäuser und Freie; die Städte Solothurn, Freiburg und Bern; Bischof und Stadt Basel mit Froburg und Pfyrt, Lausanne und Genf; die Waadt, Savoyen und Faucigny und Hochburgund mit Mömpelgard und dem Delfinate bis zum Jahre 1291; – „Die Geschichtsblätter der Schweiz“ (Luzern 1854, 8°.), welche in Heften ausgegeben werden und deren bereits erschienene folgende Mittheilungen über österreichische Verhältnisse enthalten: „Zur Geschichte der Verpfändung der Reichsstädte Zürich und St. Gallen an die Herzoge von Oesterreich“ (Heft I, S. 23); – „Ueber die Theilung der Grafen Albrecht und Rudolph von Habsburg“ (ebd. S. 54); – „Ein Luzerner Pfarrer bei St. Stephan“ (Heft II, S. 105), betrifft den Meister Heinrich von Klingenberg, nachmaligen Bischof von Constanz – und „Salzburg gegen Oesterreich und Baiern“ (Heft III, S. 162). Diesen „Geschichtsblättern der Schweiz“ liegt in fortlaufenden Bogen die Fortsetzung seiner „Geschichte der eidgenössischen Bünde“, [444] bei, u. z. „Die Geschichte Kaiser Heinrich’s VII. (von Luxemburg) und seiner Zeit“ und die Gegenkönige Friedrich und Ludwig; des ganzen Werkes 9.–11. Buch [Buch 5: des Reichs Verhältnisse in Italien; Buch 6: König Adolph; Buch 7: König Albrecht bis zu Bonifazius’ Tode, und Buch 8: König Albrecht bis zu seiner Ermordung, mußten von K., der aus dem vaticanischen Archive auf wesentliche Beiträge mit Zuversicht rechnet, vor der Hand zurückgelegt werden]. Um den Werth der vorbenannten Geschichtswerke zu würdigen, sei bemerkt, daß jedes Archiv der Eidgenossenschaft, die Urkundensammlungen einzelner politischer Gemeinden, die Kirchenladen alter Pfarreien, die Jahrzeitbücher der im Bereiche der Forschung liegenden Pfründen und selbst die Schätze des Vaticans durchforscht, und ein wahrer Schatz bisher ganz unbekannter und wichtiger Urkunden gehoben worden. Auch dramatisch hat K. den ihm so theuer gewordenen Stoff behandelt, und es liegen zwei Bändchen „Dramatische Gedichte“ (Luzern 1855 und 1856, Stöcker, 8°.) vor, in deren erstem „Graf Bero von Lenzburg“, „Das Lager von Basel“; im zweiten „Rudolph von Habsburg“, dramatisches Gedicht in zwei Abtheilungen, enthalten sind. Kopp ist nicht bloß in seiner Heimat als einer seiner gediegensten Forscher gewürdigt, denn die alterthumforschende Gesellschaft zu Zürich, die historische zu Lausanne u. a. zählen ihn zu ihren Mitgliedern; auch das Ausland ehrte den rastlosen Forscher, und wie er, was schon bemerkt worden, corresp. Mitglied der kaiserlichen Akademie in Wien ist, so ist er auch auswärtiges Mitglied der kön. Akademien der Wissenschaft in München und in Berlin.

Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst (Beilage der amtlichen Wiener Zeitung, gr. 4°.) Jahrg. 1854, Nr. 51: „Zwei Habsburgische Denkmäler und zwei Habsburgische Geschichtschreiber, P. Hergott und Pr. J. E. Kopp“. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Erste Ausgabe, Suppl. Bd. IV, S. 324, Nr. 2. –