BLKÖ:Karajan, Theodor Georg von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Karas, Věkoslav
Band: 10 (1863), ab Seite: 467. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Theodor von Karajan in der Wikipedia
GND-Eintrag: 121409406, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Karajan, Theodor Georg von|10|467|}}

Karajan, Theodor Georg von[BN 1][BN 2] (Geschichts- und Sprachforscher, geb. zu Wien 22. Jänner 1810). Sein Vater war ein griechischer, in Wien ansässiger Kaufmann, der für seine um die Hebung des Handels und der Industrie erworbenen Verdienste von Friedrich August, Churfürsten von Sachsen, damaligem Reichsvicar, mit Diplom vom 4. Juni 1792 in den deutschen Reichsadel erhoben worden. Der Sohn besuchte zuerst die griechische Schule, beendete dann, 1820–1828, die Gymnasial- und philosophischen Studien an der Wiener Hochschule und trat 1829 in den Staatsdienst, zuerst in der Kanzlei des damaligen Hofkriegsrathes (jetzt Kriegsministerium), aus welchem er aber schon 1832 [468] in das Archiv des Finanzministeriums übertrat. Bei seiner großen Vorliebe für geschichtliches Studium, und zwar zunächst aus den Quellen, erfuhr er gar bald, daß zum richtigen Verständniß derselben die genaue Kenntniß der altdeutschen Sprache nöthig sei. Er begann nun mit dem Studium derselben, und ein verdienter Sprachforscher Karl August Hahn [Bd. VII, S. 201] war es, der ihn in ihre wissenschaftliche Behandlung einführte. Später hatte er sich selbst fortgebildet. Sagte schon die zweite Anstellung im Finanzministerial-Archiv ihm bei weitem mehr zu, als die erste, so entsprach doch erst seine Anstellung an der kaiserl. Hofbibliothek, welche im Februar 1841 ihm zu Theil wurde, vollständig seinen Wünschen, weil sich ihm erst jetzt reiche Gelegenheit darbot, seinen historischen und sprachhistorischen Neigungen mit nachhaltigem Erfolge obzuliegen. Im Mai 1848 wurde K. in das Frankfurter Parlament gewählt, in welchem er seinen Sitz im rechten Centrum hatte. Bald nach seiner Rückkehr trug ihm Freiherr von Pillersdorf, damaliger Minister des Innern, die Professur für deutsche Sprache und Literatur an der Wiener Hochschule an. K. lehnte diesen Antrag ab, wie auch einen im März 1849 von dem Grafen Leo Thun, damaligen Unterrichtsminister, an ihn gestellten, worauf auf seinen Rath und an seine Stelle der berühmte Germanist Wilhelm Wackernagel zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Erst als dieser im letzten Augenblicke den bereits angenommenen Posten wieder zurücklegte, gab K. dem im October 1849 erneuerten Antrage des Grafen Thun nach und wurde mit Allerh. Entschließung vom 11. Jänner 1850 zum ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Wiener Universität ernannt. Da eine Vereinigung beider Stellen, nämlich an der Hofbibliothek und der Universität, ihm unzulässig erschien, gab er die erstere auf und las durch drei Semester bis September 1851 über deutsche Sprache und Literatur. In seiner Stellung als Professor mußte aber K. die eigenthümliche Erfahrung machen, daß das griechisch-nichtunirte Bekenntniß, welches das seinige war, ihn nicht vor Vexationen sicherte, welche gerade damals, als das Concordat im Entstehen begriffen war, an der Tagesordnung waren. K. mochte keine Verkümmerung in den ihm als k. k. ord. Professor zustehenden Rechten ertragen und zog unter solchen Umständen es vor, sein Professoramt niederzulegen, als sich in den ihm zukommenden Rechten durch einen Act unverständiger Willkür beeinträchtigen zu lassen. Anfangs September 1851 legte er sein Enthebungsgesuch ein und erst indem er zur Zurücknahme desselben nicht zu bewegen war, erfolgte dessen Annahme. K. versah nun die ihm schon seit 28. Juli 1851 zu Theil gewordene Stelle eines Vicepräsidenten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften; im Uebrigen lebte er seinen Forschungen, bis er mit Allerh. Entschließung vom 25. October 1854 zum ersten Scriptor der kaiserl. Hofbibliothek mit Titel und Charakter eines Custos ernannt und am 27. Juli 1857 zum wirklichen Custos befördert wurde, auf welcher Stelle K. noch zur Stunde thätig ist. Hand in Hand mit seinem amtlichen Berufe, geht die wissenschaftliche Thätigkeit dieses Gelehrten. In nachfolgender Uebersicht wird ein möglichst vollständiges Verzeichniß – wenigstens das vollständigste, das bisher gedruckt ist – ebensowohl der selbstständig erschienenen Werke als der in gelehrten Zeitschriften- [469] und Sammelwerken abgedruckten Abhandlungen mitgetheilt. Von ersteren sind mehrere auch in den Büchercatalogen nicht ersichtlich gemacht und bibliographische Seltenheiten. Die selbstständigen Werke sind in chronologischer Folge: „Beiträge zur Geschichte der landesfürstlichen Münze Wiens im Mittelalter“ (Wien 1838, 8°.) früher abgedruckt in Chmel’s Geschichtsforscher (Bd. I, S. 274); – „Von den siben slâfüren. Gedicht des 13. Jahrhunderts (Heidelberg 1839, 8°.), nach einer Pergament-Handschrift der Wiener Hofbibliothek und einer Papier-Handschrift der Klosterneuburger Stiftsbibliothek; – „Frühlingsgabe für Freunde älterer Literatur“ (Wien 1839, Mösle’s Witwe, 8°.); sie enthält Bruchstücke eines bis dahin unbekannten deutschen Gedichtes aus dem 13. Jahrhundert, betitelt: Walther: mittelenglische Balladen, darunter eine in zweifacher Bearbeitung; ein historisches Volkslied aus dem Jahre 1597; mehrere Legenden, 2 niederdeutsche und eine mittelgriechische und die Visio Philiberti im lateinischen Original aus dem 12. Jahrhundert und in 2 deutschen Nachbildungen, deren eine aus dem 14. Jahrhundert stammt. Dieses Werk wurde von Otto Wigand in Leipzig unter dem Titel: „Der Schatzgräber. Beiträge für ältere deutsche Literatur“ (Leipzig 1842, 8°.), ohne K.’s Wissen zum zweiten Male herausgegeben; – „Michael Beheim’s Buch von den Wienern, 1462 bis 1465. Zum ersten Male nach der Heidelberger und Wiener Handschrift mit ausführlichen Erläuterungen herausgegeben“ (Wien 1843, 8°.); – „Seifrid Helbling, ein österreichischer Dichter des 13. Jahrhunderts zum ersten Male herausgegeben und erläutert“ (Leipzig 1844, 8°.); auch in Haupt’s „Zeitschrift für deutsches Alterthum“ (Leipzig 1844, Bd. 4, S. 1 u. f.), eine der vorzüglichsten Quellen zur Geschichte der Sitten und Gewohnheiten der Oesterreicher im 13. Jahrhunderte; – „Deutsche Sprach-Denkmale des zwölften Jahrhunderts. Zum ersten Male herausgegeben. Mit 32 Bildern und einem Facsimile der Handschrift“ (Wien 1846, Braumüller und Seidel, 8°.); sie enthalten den Abdruck folgender Stücke: I. Vom Rechte; II. Die Hochzeit; III. Vom Verlornen Sohne: IV. Physiologus; V. St. Paulus. Die ersten vier aus einem handschriftlichen Codex, der sich im Besitze des Vereins für Geschichte und Landeskunde Kärnthens befindet und wovon die ersten drei Stücke völlig, das vierte aber in dieser Form neu ist; das fünfte aus K.’s eigener Sammlung. Alle fünf Stücke gehören dem 12. Jahrhunderte an. Die merkwürdigen Bilder zum Physiologus sind von Eduard Freiherrn von Sacken gezeichnet; – „Ein Lobspruch der Hochlöblichen weitberümbten Khünigklichen Stat Wienn in Österreich ... durch Wolffgang Schmeltzl, Schulmeister zun Schotten, und burger daselbst in 1548 Jar. Zu dem dritten mal ubersehen und gebessert“ (Wienn in Osterreich durch Matheum Kuppitsch, Buchfurer 1849, 8°.), ein facsimilirter Abdruck der zweiten bereits höchst seltenen Ausgabe dieses für die deutsche Sprachkunde werthvollen Gedichts; – „Zehn Gedichte Michael Beheim’s zur Geschichte Oesterreichs und Ungerns. Nach einer Heidelberger- und einer Münchener Handschrift mit Erläuterungen herausgegeben“ (Wien 1849, 4°.); auch in dem Werke: „Quellen und Forschungen zur vaterländischen Geschichte, Literatur und Kunst“ (Wien 1849, 4°.); – „Mittelhochdeutsche Grammatik, I. Laut- und Flexionslehre“ (Wien 1850, Braumüller, kl. 8°.), als Manuscript gedruckt; – „Ueber das Concil von Lyon 1245“ (Wien 1850, 4°.); auch im zweiten Bande der „Denkschriften der philos. histor. Classe der kaiserlichen Akademie [470] der Wissenschaften“; – „Ueber zwei Gedichte Walther’s von der Vogelweide. Ein akademischer Vortrag“ (Wien 1851, gr. 8°.); auch im siebenten Bande der „Sitzungsberichte der philos. histor. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften“; – „Ueber zwei Bruchstücke eines deutschen Gedichts aus dem 13. Jahrhunderte“ (Wien 1854, gr. 8°.), auch in den „Sitzungsberichten“ abgedruckt; – „Ueber Heinrich den Teichner“ (Wien 1855, gr. 4°.); auch im sechsten Bande der „Denkschriften der kaiserl. Akademie“; – „Johannes Tichtel’s Tagebuch 1477–1495. Sigmund’s von Herberstein Selbstbiographie 1486–1553. Johannes Cuspinian’s Tagebuch 1502–1527 und Georg Kirchmair’s Denkwürdigkeiten 1519–1553“ (Wien 1855, 8°.), oder erster Band der ersten Abtheilung der „Fontes rerum austriacarum“, welche die „Scriptores“ enthält; – „Festrede bei der feierlichen Uebernahme des ehemaligen Universitätsgebäudes durch die k. Akademie der Wissenschaften, gehalten am 29. October 1857“ (Wien 1857, 4°.); – „Zwei bisher unbekannte deutsche Sprachdenkmale aus heidnischer Zeit“ (Wien 1858, mit 1 Schrifttafel, gr. 8°.); auch in den „Sitzungsberichten“; – „Kaiser Maximilian’s I. geheimes Jagdbuch und von den Zeichen des Hirsches, eine Abhandlung des vierzehnten Jahrhunderts. Beides zum ersten Male herausgegeben“ (Wien 1858, Gerold, 12°., mit 1 Holzschnitte); – „Maria Theresia und Graf Sylva Tarouca“ (Wien 1859, 8°.); – „Aus Metastasio’s Hofleben. Ein Vortrag ... gehalten ... am 31. Mai 1861“ (Wien 1861, 8°.); – „J. Haydn in London 1791 und 1792“ (Wien 1861, Gerold, 8°.); – „Die alte Kaiserburg zu Wien vor dem Jahre MD nach den Aufnahmen des k. k. Burghauptmannes Ludwig Montoyer mit geschichtlichen Erläuterungen“ (Wien 1863, Prandel und Ewald, 4°., mit 9 Tafeln Abbildungen). Von den in Sammelwerken und Zeitschriften abgedruckten größeren Abhandlungen sind anzuführen, und zwar in den Sylvester-Spenden eines Kreises von Freunden vaterländischer Geschichtsforschung, für 1851: „Capiniana“, d. i. Auszüge aus den Aufzeichnungen des Doctor Martin Capinis aus den Jahren 1519 und 1520; zugleich macht K. auf eine höchst wichtige Quelle über die noch sehr dunkle Geschichtsperiode von Kaiser Maximilian’s I. Tode bis Ferdinand’s I. Regierungsantritt aufmerksam; – für 1852: „Joseph Benedict Heyrenbach’s Anmerkungen über die „Tabula Peutingeriana; – für 1853: Ein Brief und einige Gedichte des Johannes Rosinus, gestorben im Jahre 1845 als Dompropst im Münster St. Stephan zu Wien; – für 1859: „Kleinere Quellen zur Geschichte Oesterreichs“, welche enthalten: Fratris Ambrosii de Sancta Cruce: „De actis judaeorum sub duce Rudolpho 1307 und 1310; „Verlauffung zu Wyenn, in der Karwochen geschehen“ 1463, und „Hanns Hierszmann’s Thürhüthers Herzog Albrecht’s VI. von Oesterreich, Bericht über Krankheit und Tod seines Herrn“, 1463–1464; – in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, 1833: „Große Festlichkeiten zu Innsbruck, 1580“ (Nr. 91); – „Der Wasserfall des Fallbachs zu Gaming“ (Nr. 105); – in der Oesterreichischen Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde von Kaltenbaeck 1835: „Das Nachtlager zu Granada. Versuch einer kritischen Forschung“ (Nr. 12 u. f.); – 1836: „Ueber J. E. Kopp’s „Urkunden zur Geschichte der eidgenössischen Bünde“ (S. 75 u. f.); – „Krato von Kraftheim, Leibarzt Ferdinand I., Maximilian I. und Rudolf II.“ (Nr. 37 u. f.); – in Chmel’s österreichischem [471] Geschichtsforscher: „Ueber Banteidinge (Bd. II, S. 113 u. f.); – in M. Haupt’s und A. Hoffmann’s altdeutschen Blättern: „Ueber Seifried Helbling, einen österreichischen Dichter des 13. Jahrhunderts“ (Bd. II [1840], S. 2 u. f., vergleiche oben Karajan’s selbstständige Werke); – in Haupt’s Zeitschrift für deutsches Alterthum, 1841: „Karl. Bruchstück eines niederländischen Gedichtes des 14. Jahrhunderts“ (Bd. I, S. 97 u. f.); – 1842: „Buch der Rügen. Ein Gedicht des 13. Jahrhunderts, lateinisch und deutsch zum ersten Male herausgegeben“ (Bd. II, S. 6–92); dieses bisher noch gar nicht beachtete Buch kann in unseren Tagen, in denen Unduldsamkeit und unberechtigte Verhöhnung anderer Confessionen so oft vorkommen, zur Würdigung und Lectüre nicht genug empfohlen werden. Schon der von dem seligen, dem Schreiber dieses unvergeßlichen Chmel gegebene Auszug daraus ladet zur Lectüre ein; – 1845: „Allerhand zu altdeutschen Gedichten, und zwar: zu Thomassin von Zirclaere: Zur Wiener Meerfahrt und zum Sigenôt“ (Bd. V, S. 241 u. f.); – in den Sitzungsberichten der phil. hist. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften: „Ueber J. K. Schuller’s siebenbürgisch-sächsische Etymologien und Analogien“ (Novemberheft, S. 227); – „Ueber ein Todtenbuch des 8. und der folgenden Jahrhunderte im Stifte St. Peter zu Salzburg“ (ebd. S. 280, und 1851, Februarheft); – in den Berliner Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik, 1835: „Ueber Ant. Miauli’s Geschichte der Insel Hydra“ (Februarheft, S. 199); – „Ueber Passant’s neugriechische Sprachlehre“ (ebd. Juni, S. 965 u. f.); – in den österreichischen Blättern für Literatur, Kunst und Kritik: „Ueber A. F. Reil’s Donauländchen“ (1835, S. 170 u. f.); – in der Wiener Zeitung: „Ueber J. Chmel’s Handschriften der k. k. Hofbibliothek, im Interesse der vaterländischen Geschichte betrachtet“ (1840, Nr. 20); – in der Zeitschrift für österr. Gymnasien: „Gedanken über den Unterricht deutscher Sprache und ihrer Geschichte an den österreichischen Gymnasien“ (1850, S. 161); – in dem von Right zu London (1840) herausgegebenen New biographical Dictionary, der Artikel: „Nikolaus Baumann, Dichter des niederdeutschen Reineke Vos und anderer Werke“; – und für das Lexikon der beiden Brüder Grimm bearbeitete K. die Schriftsteller Wolfgang Schmälzl[WS 1] und Abele von Lilienberg, ersterer aus dem 16., der letztere aus dem 17. Jahrhundert; – auch schrieb K. zu dem von Karl Lachmann herausgegebenen: „Ulrich von Lichtenstein“ (Berlin 1841, 8°.) S. 661–679, erläuternde Anmerkungen. Seiner oft tiefgreifenden Betheiligung an den von Anderen herausgegebenen, ihm zur Begutachtung und Prüfung mitgetheilten Werken kann hier nur im Vorbeigehen gedacht werden. K. wurde ferner zum Mitgliede der im Schoße der kais. Akademie befindlichen historischen Commission, welche die Herausgabe österreichischer Geschichtsquellen theils besorgt, theils leitet, schon im Februar 1848 gewählt und trat mit 3. November 1851, an welchem Tage Chmel sein Amt als Berichterstatter derselben niederlegte, an dessen Stelle. Er hat seit dem Jahre 1852 bis auf die Gegenwart alljährlich den Bericht über die Thätigkeit der historischen Commission und über die später ernannte neue Commission zur Herausgabe der „Acta conciliorum saeculi [472] XV“ erstattet. Alle diese Berichte vom Jahre 1852–1863 sind in den Schriften der kais. Akademie, aber auch in Separatabdrücken erschienen. Was Karajan’s Stellung in der Wissenschaft betrifft, so zählt, wenn man die Sprachforscher in zwei Kategorien theilt, und zwar in solche, welche die Sprache um der Sprache willen studiren, und wieder in solche, welche sich in ihren Geist historischer Forschungen wegen vertiefen, Karajan zu der zweiten. Ihm ist das alte Sprachdenkmal, wenn nicht der einzige, so doch der verläßlichste Führer auf geschichtlichem und culturgeschichtlichem Gebiete. Was ein alter Poet singt, ein alter Chronist aufzeichnet, gibt den treuesten Spiegel der Zeit, und nach dieser Richtung hat K. manchen kostbaren Schatz gehoben und während er linguistische Arbeiten zu Tage förderte, das interessanteste Material für die Geschichte beigesteuert. In dem zuerst von ihm herausgegebenen „Buch von den Wienern 1462–1465“ von Michael Behaim, wie auch später in seinem „Heinrich der Teichner“ lernen wir den Gelehrten in seiner ganzen Bedeutung kennen. Aus der Vorrede zu ersterem (p. VI–XC) erfahren wir aber auch zunächst, in welcher Art alte Sprachschatze behandelt, gewürdigt und durchforscht werden sollen. Diese Vorrede bildet sozusagen den Schlüssel zu Karajan’s sämmtlichen Arbeiten. Die reiche wissenschaftliche Thätigkeit des unermüdeten Forschers hat sowohl höchsten Ortes, als auch in den wissenschaftlichen Kreisen des In- und Auslandes die Aufmerksamkeit auf den Gelehrten gerichtet und wurde derselbe von Sr. Majestät mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet, am 1. Februar 1848 zum wirklichen Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften philos. histor. Classe, am 28. Juli 1851 zum Vice-Präsidenten derselben ernannt, und hat die Wahl zum Letzteren ihn seit dieser Zeit zum fünften Male getroffen. Ferner ist K. Präsident des Alterthumsvereins in Wien und verdankt dieser letztere seiner Thätigkeit manche werthvolle Publication; er ist Mitglied der kön. preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, der kön. niederländischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leyden, auswärtiges Mitglied der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag, der Gesellschaft der Alterthumsforscher zu Caen, der deutschen Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Sprache und Alterthümer zu Leipzig, des Gelehrten-Ausschußes des germanischen Museums zu Nürnberg und Ehrenmitglied des Vereins für vaterländische Alterthümer zu Zürich, der historischen Vereine für Kärnthen, Krain, Steiermark u. s. w.

Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) Jahrg. 1848, Bd. I, S. 208–225. – BrockhausConversations-Lexikon, 10. Auflage, Bd. VIII, S. 615. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Suppl. Bd. IV, S. 195. – Zarncke (Friedrich), Literarisches Centralblatt für Deutschland (Leipzig, Avenarius, 4°.) Jahrg. 1855, Sp. 464, 801; Jahrg. 1858, Sp. 224. – Pierer’s Universal-Lexikon der Vergangenheit und Gegenwart (Altenburg, Lex. 8°.) vierte Auflage. Bd. IX, S. 297. – Almanach der kaiserl. Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, kl. 8°.) I. Jahrg. (1851), S. 225; VIII. Jahrg. (1858), S. 91 u. 138. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., Didot, 8°.) Tome XXVII, p. 451. – Schütze (Karl Dr.), Deutschlands Dichter und Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Berlin 1862, Albbach, 8°.) S. 157. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1858, Bd. I, S. 194. [473]Porträte. 1) Lithographie von Irminger (Wien 1845, Halb-Fol.); – 2) mit dem Facsimile der Unterschrift: Theodor Georg von Karajan. A. Dauthage 1853 nach der Natur gezeichnet und lithogr., gedruckt bei J. Höfelich (Wien, bei Jos. Bermann, Halb-Fol.); – 3) Photographie im Visitkarten-Format (Wien 1861, von Angerer). – Wappen. Das mit dem am 1. Juni 1792 verliehenen Reichsadelsdiplome ausgestellte Wappen besteht aus einem quadrirten Schilde mit Schildesfuß 1: silbernes Feld, 2 und 3: grünes Feld, 4: goldenes Feld, mitten auf der Theilungslinie ein rothes Herz. Im schwarzen Schildesfuße ein auf grünem Hügel aufrechtstehender Kranich von natürlicher Farbe mit einem Steine in der aufgehobenen rechten Klaue. Kopf und Hals ruhen gerade auf der Theilungslinie der beiden unteren Felder. Auf dem Schilde steht ein offener, gerade vorwärtsgekehrter, blau angelaufener, roth gefütterter adeliger Turnierhelm mit goldenem Kleinod und rechts Gold und grün, links aber Silber und Grün vermischt, herabhängenden Decken geziert und mit einem von Grün, Gold und Silber gewundenen Wulst bedeckt. Auf diesem Wulste erhebt sich ein gerade aufwärts mit dem Ringe unterwärts gestellter schwarzer, mit einem Oelzweige umwundener Anker, zwischen einem offenen Fluge, dessen rechter Flügel schwarze Sachsen und silberne Schwungfedern, der linke Flügel aber grüne Sachsen und goldene Schwungfedern hat. – Familienstand. Ein Bruder des Theodor Georg von Karajan, Demeter (geb. zu Wien 1806, gest. ebenda 16. October 1852), trat 21. December 1824 als Cadet in das Infanterie-Regiment Nr. 31, wurde 1827 Lieutenant bei Joseph-Huszaren, 1841 Rittmeister im 3. Huszaren-Regimente Erzherzog Ferdinand. Am 1. August zum Major befördert, focht er mit Auszeichnung im ungarischen Feldzuge, wurde am 16. August 1849 Oberstlieutenant bei Banderial-Huszaren und im Jänner 1851 Oberst im Huszaren-Regimente König Wilhelm von Preußen. In der Vollkraft seines Lebens, im Alter von 46 Jahren, ereilte ihn der Tod, nachdem er noch kurz vorher von dem Könige von Preußen, dessen Regiment er als Oberst commandirte, mit dem rothen Adler-Orden 2. Classe ausgezeichnet worden war. [Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1852, S. 527.] – Theodor Georg von K. ist seit 9. Sept. 1832 mit Juliane Voggenhuber vermält und stammen aus dieser Ehe 3 Söhne und 1 Tochter: Max v. K.[WS 2] (geb. zu Wien 1. Juli 1833), der, nachdem er zuerst im Elternhause und dann auf der Wiener Hochschule für die gelehrte Laufbahn sich gebildet, mehrere auswärtige Universitäten besuchte, das Doctorat der Philosophie erwarb und zur Zeit Professor der alten Philologie in Gratz ist. Im Drucke erschien von ihm die Schrift: „Ueber die Handschriften der Scholien zur Odyssee“ (Wien 1857, 8°.). Max von K. ist mit der Mainzerin Auguste Denninger vermält und stammt aus dieser Ehe eine Tochter Zoe (geb. 9. September 1860). – Ludwig (geb. zu Wien 6. März 1835), Doctor der Medicin und Secundar-Arzt 1. Classe im allgemeinen Krankenhause. Ludwig von K. ist mit Henriette Kaindl aus Wien vermält, aus welcher Ehe eine Tochter Helene (geb. 20. Juni 1861) stammt. – Wilhelm (geb. zu Wien 27. Jänner 1838). Auscultant beim Landesgerichte in Wien, und Emilie (geb. zu Wien 4. Juni 1841).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Karajan, Theodor Georg von [Bd. X, S. 467], gestorben zu Wien am 20. April 1873.
    Nordmann’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) 1873, Nr. 19, [auf S. 11 dieser Nummer sein Bildniß im Holzschnitt]. [Bd. 26, S. 395.]
  2. E Karajan, Theodor Georg von [Bd. X, S. 467; Bd. XXVI, S. 395].
    Die feierliche Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 30. Mai 1874 (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) S. 109 u. f. [Bd. 28, S. 357.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Schmeltzl, Wolfgang (ADB).
  2. Max Theodor von Karajan (Wikipedia).