BLKÖ:Reil, Johann Anton Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Reiffenstuell, Ignaz
Band: 25 (1873), ab Seite: 196. (Quelle)
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Reil, Johann Anton Friedrich (k. k. Hofschauspieler und Schriftsteller, geb. im Thale Ehrenbreitstein 2. Februar 1773, gest. zu Penzing nächst Wien 22. Juli 1843). Frühzeitiger [197] Besuch des Theaters, namentlich der Vorstellungen, welche die Neuhaus’sche Gesellschaft in Coblenz, später die Böhm’sche und die Koch’sche während der Krönungsfeier des Kaisers Leopold II. in Frankfurt a. M. gaben, weckte in ihm die Liebe zum Schauspielerstande, und im Alter von 21 Jahren trat er in Brünn in der Gesellschaft des Directors Jos. Rothe, an den er von einem Freunde empfohlen war, im Jahre 1794 zum ersten Male auf. Von dort kam er zu den Bühnen nach Laibach, Innsbruck, Regensburg, an welch letzterer er auch die Baßrollen in der Oper sang. Nach sechsjähriger Thätigkeit auf den benannten Theatern kam er nach Wien, wo er im k. k. Hofburg-Theater am 24. April 1801 zum ersten Male in der Rolle des Hans Buller auftrat und dann Mitglied dieser Bühne wurde. Im Jahre 1804 folgte er einem Rufe an die Stuttgarter Hofbühne, an welcher er durch vierthalb Jahre die Rollen der ersten Helden und tragischen Liebhaber spielte, dann kehrte er über Salzburg nach Wien zurück, und nachdem er in ersterer Stadt kurze Zeit bei Director Ferrari als Regisseur gewirkt, wurde er im Jahre 1809 wieder an der Hofbühne angestellt und blieb an derselben bis zum Jahre 1811 in Thätigkeit, in welchem Jahre er bei Kaiser Franz I. eine Kammerdienerstelle erhielt. Von seinen Rollen sind unter andern besonders erwähnenswerth: Abbé de l'Epée, Nathan der Weise, Regulus, Hofrath Reinhold in den „Hagestolzen“, Stern im „Spieler“, Stadtmusicus Miller in „Kabale und Liebe“, der arme Poet. Reil war überdieß auch als belletristischer und topographischer Schriftsteller thätig. Die Titel seiner Schriften sind: „Paul und Virginie, ein Gemälde guter Menschen; nach dem Französischen frei bearbeitet“ (Pilsen u. Leipzig 1794, 8°.); – „Friede im Thale. Dramatische Schilderung in 3 Aufzügen“ (Regensburg 1798, 8°.); – „Der reiche Poet. Lustspiel in einem Acte“ (….); – „Der erste Mai. Lustspiel“ (Wien 1816, 8°.); – „Der Wanderer im Waldviertel in Oesterreich“ (Brünn 1823); – „Was macht Euch glücklich? Ein Festspiel zum Vortrage in häuslichen Zirkeln u. s. w.“ (Wien ..... 8°.); – „Das Nachtlämpchen“ (ebd. 1828); – „Das Donauländchen der Patrimonialherrschaften“ (ebd. 1835), ein vortreffliches, noch immer brauchbares Touristenbuch. Ferner schrieb er einige Operntexte, zu denen der Capellmeister Weigl die Musik componirte, und zwar: „Der Bergsturz“, 1812 im Kärnthnerthor-Theater gegeben; – „Daniel in der Löwengrube“, im Jahre 1819 unter den, Titel: „Baal’s Sturz“ aufgeführt. Kleinere Sachen, Gedichte, Erzählungen, theils Original, theils Uebersetzungen u. dgl. m. erschienen zerstreut gedruckt in Zeitschriften, Almanachen u. s. w. Von seinen Gedichten hat sich eines, „Die Schildwache am Pulverthurm“, im Volksmunde erhalten. Bezüglich des ersten der angegebenen Werke, nämlich „Paul und Virginie“, ist es zweifelhaft, ob der Schauspieler, nachmalige Kammerdiener Reil der Verfasser ist, da von anderer Seite ein Metternich’scher Kanzlist auf der Herrschaft Königswart in Böhmen, Namens F. Reil, als Autor bezeichnet wird und es nicht bekannt ist, ob Reil vor seinem Auftreten auf der Bühne in Brünn, welches im Jahre 1794 erfolgte, diesen Privatdienst versehen habe, was übrigens immerhin möglich wäre. Auch mußte er die Kammerdienerstelle bei Hof nicht erst im Jahre 1831, wie es in der „Oesterreichischen National-Encyklopädie“ angegeben [198] ist, sondern schon lange früher erhalten haben, da ihn Meusel im „Siebenten Nachtrage zur vierten Ausgabe des gelehrten Teutschlands“ (Lemgo 1804), in der zweiten Abtheilung, S. 458, bereits im Jahre 1804 als „Kammerdiener zu Wien“ aufführt.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 366. – Realis Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausg. von Anton Köhler (Wien 1846, gr. 8°.) Bd. II, S. 279. – Frankl (Ludw. Aug. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 770.