BLKÖ:Habsburg, Rudolph III.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 136. (Quelle)
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277. Rudolph III., König von Böhmen (geb. 1284, gest. 4. Juli 1307). Aeltester Sohn Albrecht’s I. [Bd. VI, Nr. 7] aus dessen Ehe mit Elisabeth von Kärnthen [Bd. VI, Nr. 57]. Gemalinen: 1) Im Jahre 1298, nach Anderen 1300 Blanca (gest. 1305), Tochter Philipp’s III. des Kühnen von Frankreich; 2) im Jahre 1306, n. A. 1307 Elisabeth von Böhmen (geb. 1295, gest. 1335), Königin-Witwe nach Wenzel IV. von Böhmen, der am 18. August 1305 von dem Thüringen’schen Edelmanne Conrad Potstein meuchlings ermordet worden war. Elisabeth selbst war eine Tochter Przemislaus’ II., Königs von Polen, und die zweite Gemalin Wenzel’s IV., dessen erste Jutha oder Bona, nach Einigen wieder Judith, eine Tochter Rudolph’s I. von Habsburg, gewesen. Kinder. Weder aus Rudolph’s III. erster, noch zweiter Ehe sind Kinder vorhanden; aber von seiner zweiten Gemalin hatte er eine Stieftochter, Agnes Rixa (gest. 1346), nachmals dem Herzoge Heinrich zu Jauer in Schlesien vermält. Wahlspruch. Um einen im Käfig befindlichen Papagei die Devise: „Alienae vocis aemula“. Hervorragende Lebensmomente. Als König Wenzel IV. von Böhmen 1305 meuchlings ermordet worden, traten die Stände Böhmens zu einer neuen Wahl zusammen. Die Meinung war getheilt, die einen stimmten für Heinrich von Kärnthen, der sich sogleich mit Anna, Wenzel’s IV. [137] Schwester vermälte; die Anderen für Rudolph III. von Oesterreich. Heinrich’s Wahl erfolgte auch alsbald und Albrecht I. machte auf dem Reichstage zu Nürnberg die zwischen seinem Vater Rudolph und Ottocar und dann später zwischen Wenzel III. und IV. geschlossenen Erbeinigung geltend, bewies, daß Heinrich von Kärnthen sich als König eingeschlichen habe und erklärte ihn in die Reichsacht. Mit zwei Kriegsheeren zogen Vater und Sohn und zwar Albrecht durch Thüringen und Rudolph III. durch Mähren gegen Heinrich von Kärnthen, der zu schwach, um Widerstand zu leisten, mit seiner Gemalin zu dem ihm befreundeten Herzoge von Bayern floh und auf einem Umwege in sein Erbland zurückkehrte. Albrecht und sein Sohn Rudolph III. hielten nunmehr ihren Einzug in Prag, und letzterer wurde nach der von den Landständen vorgenommenen Wahl vom Churfürsten von Mainz zum Könige gekrönt. Nun vermälte er sich auch, da seine erste Gemalin Blanca (1305) zu Wien gestorben war, mit Elisabeth (auch Richsa genannt), König Wenzel’s Witwe, um durch dieses neue Band mit der von den Böhmen geliebten Fürstin alle Gemüther zu gewinnen. Nur Einige vom Adel wollten sich ihm nicht unterwerfen und Rudolph stellte sich ihnen im Kampfe entgegen. Einen der Rebellen belagerte er im Städtchen Horasdiz; während er eben mit den Vorbereitungen zu einem energischen Angriffe beschäftigt war, erkrankte er, nach Einigen von zu reichlichem Genusse von Sommerfrüchten, im Lager und starb, erst 23 Jahre alt; andere Chronisten vermuthen und nicht ohne Grund, er wäre vergiftet worden. Rudolph III. wurde feierlich in Prag in der Schloßkirche beigesetzt. Seine Gemalin Elisabeth, die Witwe zweier Könige, flüchtete sich nun in Albrecht’s, ihres Schwiegervaters Schutz, ihm die Schlösser und Städte übergebend, welche ihr Witthum bildeten. Elisabeth überlebte ihren zweiten Gemal um 28 Jahre.

Fugger (J. J.), Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668, kl. Fol.) S. 221, 224, 231–233. – Hagecius, Chronicon Boemiae, p. 492. – Allgemeines historisches Lexikon (Leipzig 1730, Thom. Fritschens Erben, Fol.) Bd. IV, S. 128. – Karajan (Th. G. von), Kleinere Quellen zur Geschichte Oesterreichs (Wien 1859, Gerold’s Sohn, 8°.) S. 3: Fratris Ambrosii de Sancta Cruce: „De actis Judaeorum sub duce Rudolpho“. – Porträt. In Fugger’s Ehrenspiegel S. 234 (vermuthlich von Philipp Kilian gestochen).