BLKÖ:Kotler, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kotschy, Karl
Band: 13 (1865), ab Seite: 38. (Quelle)
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Kotler, Michael (Reisender, geb. zu Turnau in Böhmen im Jahre 1800). Sein Vater, ein Metzger, erzog ihn zwar für sein Gewerbe, ohne jedoch seine Ausbildung [39] zu vernachlässigen. Durch Vermittelung seines Onkels Anton Marek, Dechants von Libunsk, wurde er auf das Gymnasium nach Leitmeritz geschickt; die Philosophie hörte er aber zu Prag. Als jedoch unliebsame Vorgänge ihn im Fortgange seiner Studien hemmten, entwarf er verschiedene Pläne für sein Fortkommen; so führte er die Leitung einer Dilettantenbühne; begann dann ein kleines Auswechselungsgeschäft, indem er für die Reichenberger Kaufleute preuß. Thaler besorgte u. dgl. m., bis ihn 1829 sein zweiter Onkel Franz Marek, der eben wieder eine Reise nach Rußland, wo er den Handel mit Edelsteinen betrieb, antrat, zu sich rief und mitnahm. Nach Jahresfrist kehrten beide wieder in die Heimat zurück. Michael hatte ein genaues Tagebuch der Reise geführt; dieses aber wurde ihm in Turnau und wahrscheinlich von Jemanden gestohlen, der aus demselben über den Handel mit Edelsteinen in Rußland Aufschlüsse zu erhalten hoffte. Da diese Reise keinen Gewinn eingebracht, verband sich K. mit Vincenz Verich zu einer anderen Fahrt, und schlug die Richtung über Deutschland, die Ostsee nach Petersburg ein, von wo er Moskau und viele andere Städte Rußlands besuchte. Für das gewonnene Geld kaufte er Waaren, vornehmlich Felle Astrachan’scher Schafe; die Rückreise trat er über die Türkei an, änderte jedoch wegen des Krieges, den diese mit Mehemed Ali führte, bei Odessa den Reiseplan und kehrte über Lemberg und Leipzig zurück. Seit 1835 unternahm er jährlich eine Reise. Als die Kaiserin Alexandra Feodorowna bei ihrem Besuche in Wien viel Geschmeide aus böhmischen Granaten für ihre Hofdamen kaufte und diese auf den Bällen mit diesem Schmucke erschienen, wurde diese Art Geschmeide in Petersburg Mode und so stark gesucht, daß nicht genug davon herbeigeschafft werden konnte. Diesen Umstand benützte K. und bestellte davon sofort eine so große Menge, daß die Steinschneider und Goldarbeiter von Turnau, welches der Mittelpunct dieser Industrie ist, nicht ausreichten, um die Bestellung auszuführen. Diesen Handel betrieb er mit großem Erfolge bis zum Jahre 1841, in welchem er seine Reise nach Sibirien antrat, wo er mit dem Russen Permikin bekannt wurde, und mit ihm wegen Aufsuchung der zerstreuten sibirischen Goldgruben sich verband. Von dieser Reise kehrte K. im Jahre 1842 zurück; die Erlebnisse derselben hatte er aber im „Časopis českého museum“ 1842/43 mitgetheilt. Im Jahre 1848 befand sich K. in Prag, war Mitglied der Svornost und seine Wirksamkeit bei derselben trug ihm eine mehrwochentliche Haft ein. Nun kehrte er nach Turnau zurück und verlegte sich ganz auf die Landwirthschaft, zu deren Hebung er mancherlei Versuche vornahm, und sich dabei namentlich um die Verbesserung des Pfluges – nach ihm der Kotler’sche Pflug benannt – verdient machte. Auch ließ er sich die Förderung der nationalen Tendenzen, wie z. B. die Hebung des Vereins der slavischen Linde (slovanská lipa) sehr angelegen sein. In den letzten Jahren beschäftigte er sich mit der Aufzeichnung seiner Erlebnisse. Zu gleicher Zeit aber schwächte sich die Sehkraft seiner Augen so sehr, daß er längere Zeit Gefahr lief, zu erblinden.

Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850 und 1851, 12°.) Theil II, S. 289. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 869.