BLKÖ:Kracher, Joseph Mathias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kozma, Emerich
Band: 13 (1865), ab Seite: 95. (Quelle)
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Kracher, Joseph Mathias (Tonsetzer, geb. zu Mattighofen im Herzogthume Salzburg 30. Jänner 1752, gest. um das Jahr 1830). Den ersten Unterricht erhielt er von dem Schullehrer zu Laochen, der ihn auch im Gesange unterwies, dann kam er als [96] Discantist in das Kloster Fürstenzell, wo er zwei Jahre blieb, darauf als Altist in das Jesuiten-Seminar nach Landshut und von dort nach St. Nicola bei Passau. Wohl hatte er die Absicht, sich den höheren Studien zuzuwenden; aber auf Zureden seiner Freunde widmete er sich dem niederen Lehrfache, wozu ihn seine tüchtigen musikalischen Fähigkeiten besonders befähigten. So wurde er, 1765, erst 13 Jahre alt, als Cantor zu Laochen angestellt, kam 1766 in gleicher Eigenschaft nach Kestendorf, 1769 nach Teisendorf und 1771 als Kammerdiener in das Kloster Michaelsbrunn, mit welcher Anstellung auch die Dienste eines Schullehrers und Organisten zu versehen waren. Schon im folgenden Jahre, 1. Mai, erhielt er die Anstellung als Stiftsorganist in Seekirchen, welche er 42 Jahre lang anstandslos versah. Aber auch auf diesem bescheidenen Plätzchen war der gemüthvolle anspruchslose Musikus vor den Verfolgungen des Neides nicht sicher, so daß er, wie schwer es ihm auch ward, sich von Seekirchen zu trennen, sich gezwungen sah, um die Schulmeisters- und Organistenstelle im Markte Kuchl ober Hallein anzusuchen, welche er auch erhielt und bis zu seinem Tode behielt. K. war ein tüchtiger Organist, und die Bekanntschaft mit Michael Haydn [Bd. VIII, S. 141] und Georg Pasterwitz, dem tüchtigen Chormeister und Musikdirector des Stiftes Kremsmünster, mit welchen beiden er auch im brieflichen Verkehre stand, trug nicht wenig zu seiner höheren musikalischen Ausbildung und Vervollkommnung bei. Durch Bekanntschaft mit guten Tonwerken älterer Meister, die er fleißig copirte und sammelte, wurde er selbst zum Componiren angeregt, jedoch schrieb er meist nur Kirchliches für seine und für benachbarte Landkirchen. Bald aber wurde die Nachfrage nach seinen Arbeiten immer starker und K. immer fleißiger. Es sind im Salzburgischen viele Compositionen Kracher’s verbreitet, und er hatte schon bis 1803 22 große und kleine Messen, 4 Requiems, 24 Gradualien, 15 Offertorien, 2 Te Deum, 6 Tenebrae, 1 Vesper de Beata, 20 Vesper-Hymnen, 4 Lauretanische Litaneien und noch mehrere Lieder componirt. Gedruckt ist von seinen Arbeiten, welchen Kenner Beifall zollten, nichts worden.

Pillwein (Benedict), Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer, theils verstorbener, theils lebender Künstler u. s. w. (Salzburg 1821, Mayr, kl. 8°.) S. 117. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 100. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Frz. Köhler, Lex. 8°.) S. 506. – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Dresden, Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 647.