BLKÖ:Kubinyi, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kubinyi, August von
Band: 13 (1865), ab Seite: 290. (Quelle)
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1. Ein Bruder des August von Kubinyi ist der in den Annalen der ungarischen Landtage wohlbekannte und vielgenannte Franz Kubinyi. Auch er hat eine wissenschaftliche Bildung erhalten und hat auf literarischem Gebiete mehreres geleistet, was ihn hätte bestimmen sollen, seinen Ruhm vielmehr auf diesem als auf dem Gebiete parlamentarischer Debatten zu suchen. Schon auf dem ungarischen Landtage 1844 trat er so eigenthümlich auf, daß ihn der geistreiche „Croquist aus Ungarn“ einen „Anachronism in der Legislation“ nennt, „dessen tiefe Hohlheit, dessen Vernunft ein Gemeinplatz ist, welche beide in einem Ocean von forcirtem Pathos schwimmen“. Der ungarischen Oppositionsschule vom Jahre 1825 angehörend, tritt er immer mit den alten Invectiven und Erinnerungen in die Legislation. Im folgenschweren Landtage des Jahres 1849 änderte K. seine Rolle nicht und stürzte sich kopfüber in das revolutionäre Gewoge. Er war ein Gegner des Ministeriums Batthyany und richtete an den damaligen Premier die Frage: „Ob die Festung Munkács in verläßlichen Händen sei?“ Am 29. September meldete K. dem Hause, daß er mit noch zwei Ablegaten bei dem Kronhüter Ürmenyi fragen gewesen sei, ob die angeblich verschwundene Krone Sanct Stephans sich noch in seiner Verwahrung befinde? Welche Frage der Kronhüter bejaht hatte. Kubinyi’s letzte Interpellation in Pesth war die Frage: „Ob die Güter des Grafen Eugen Zichy confiscirt worden seien“ ? In Debreczin wurde K. zum Präses der Revisionscommission in Betreff des Mobiliarvermögens des gemordeten Grafen Zichy ernannt, als welcher er den bezüglichen Bericht mit Emerich Szacsvay unterfertigte. Noch ein Lebenszeichen gab er in der Sitzung vom 15. April 1849 von sich, in welcher er dem in Kossuth entschlafenen Landesvertheidigungs-Ausschusse den Dank des Hauses votirte! Daß ein Ablegat dieser Sorte, als nach dem zehnjährigen Stillstande der Politik in Ungarn, im Jahre 1861, der ungarische Landtag wieder zusammentrat, auch in denselben gewählt werden würde, versteht sich von selbst. Franz K. trat als Deputirter des Neograder Comitates in die Versammlung. In der berühmten Adreßdebatte [man vergleiche zum Verständniß der Sachlage die biographische Skizze von Paul Jámbor im X. Bande, S. 60, und jene von Franz Deák im XI. Bande, S. 389 (in den Nachträgen) dieses Lexikons] hielt K. in der 23. Sitzung des Repräsentantenhauses (am 16. Mai) seine Rede für den Beschluß. Der „Sürgöny“, ein magyarisches Blatt, welches die Silhouetten mehrerer ungarischer Deputirten mit Worten zeichnete, entwirft von K. das folgende Bild: „Der kleine Mann mit seinem beweglichen Türkenkopfe schnippt und schnalzt, kracht und knallt, stößt und wirft um sich, reißt und trennt, steigt und fallt unaufhörlich. Er überlegt nie, schwankt nie, sondern schäumt nur. Seine Ideen sind Pistolenknalle, nicht tödtliche, sondern belustigende Festraketen. ... Seine Ausgleichspolitik ist einfach und besteht in dem, was ein Herr einem Bauer sagte: Wenn du mit mir reden willst, dann schweige. Wozu auch ein Ausgleich? Wir leben bis wir sterben. So sieht unser Mann aus, der Trostbringer der Gallerien für so viel langweiligen Ernst.“ Wenn aber seine parlamentarische Thätigkeit innerhalb zweier Decennien seinen Landsleuten wenig Stoff zur Erbauung gegeben hat, so lassen ihm selbst seine Gegner als Mann der Wissenschaft Gerechtigkeit widerfahren. Schon der oberwähnte Croquist bemerkt über ihn: „K. besitzt sehr schöne Kenntnisse in den Naturwissenschaften, er ist ein ehrlicher, edler Mann, ein aufrichtiger Freund der Gerechtigkeit, des Fortschrittes, wie schade, daß er die Prätension hegt, auch ein Politiker und Redner zu sein“. Von Levitschnigg erfährt man, daß K. der berühmte Entdecker des egyptischen Scarabaeus in Ungarns Eichenwäldern sei. Naturforscher aus Neigung und Metier, empfindet K. solche Leidenschaft für sein Fach, daß die Naturgeschichte sogar auf der Wiese seiner Politik weidet, und wenn die Gallerie berühmter Redner und Staatsmänner durch seine parlamentarischen Irrfahrten um kein Porträt reicher, so ist die Schaar ungarischer Naturforscher durch seine politischen Aventuren um ein tüchtiges Mitglied „ärmer geworden“. Kubinyi’s literarische Arbeiten finden sich in mehreren Fachschriften zerstreut. Mit Emerich Vahot im Vereine gab er das Werk: „Magyar és Erdélyország kepekben“, d. i. Ungarn und Siebenbürgen in Bildern (Pesth 1852–1854, [291] mit vielen Abbildungen, 4°.) heraus, wovon der erste Band auch in deutscher Sprache erschienen ist. Ein inhaltreiches verdienstliches Werk, dessen Aufhören ebenso zu bedauern, als die deutsche Bearbeitung der übrigen drei Bände zu wünschen ist. Auch gab er heraus: „A tisza medre mint az ősemlősök sirkertje főld állat-és öslenytani tekintetben“, d. i. Das Bett der Theiß als das Grab uralter Säugethiere, mit Rücksicht auf Geologie, Zoologie und alte Naturkunde (Pesth 1855, 8°.). [Neue Croquis aus Ungarn (Leipzig 1844, J. B. Hirschfeld, kl. 8°.) Bd. II, S. 154. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 211. – Pesth-Ofner Zeitung 1861, Nr. 120, im Feuilleton: „Ungarische Landtagssilhouetten“. – Der ungarische Reichstag 1861 (Pesth 1861, Carl Osterlamm, 8°.) Bd. I, S. 168 u. f. – Porträt. Auf dem großen Blatte, betitelt: Magyar irók arczképcsarnoka, und zwar auf dem zweiten Blatte.] –