BLKÖ:Löw von Erlsfeld, Johann Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lövy
Band: 15 (1866), ab Seite: 408. (Quelle)
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Löw von Erlsfeld, Johann Franz[BN 1] (Arzt, geb. zu Plan im Pilsner Kreise Böhmens 26. März 1648, gest. zu Prag 25. März 1725). Sein Vater war Vorsteher des Waisenhauses zu Plan. Ein Schenkelbeinbruch, den er, vier Jahre alt, erlitt und der zwar wieder geheilt wurde, nöthigte ihn zu einer vorzugsweise sitzenden Lebensweise. Im Jahre 1661 kam er auf die lateinische Jesuitenschule nach Eger und von [409] dort drei Jahre später nach Prag, wo er zuerst das Altstädter Gymnasium besuchte, aber bald darauf seines Musiktalentes wegen im Seminar zu St. Benedict in der Neustadt bei den Prämonstratensern als Sängerknabe Aufnahme fand, zugleich jedoch seine philosophischen Studien fortsetzte. Im Jahre 1666 bereits erlangte er den Magistergrad in artibus. Nun begann er das medicinische Studium an der Prager Universität. Zur Beschaffung der materiellen Mittel seines Fortkommens nahm er eine Erzieherstelle im Hause des Baron Wratislaw an. Am 12. Jänner 1672 wurde er zum Doctor der Medicin promovirt. Nun begab er sich nach Karlsbad, um dort an Ort und Stelle die Wirkungen dieser berühmten Heilquelle zu beobachten und zu studiren. Für einen ihm im Jahre 1674 gestellten Antrag zur Annahme der Stelle eines Reisebegleiters des jungen böhmischen Edelmannes Wenzel von Zakawetz gewonnen, trat er mit demselben Mitte November 1674 die Reise an. Ueber Bayern, Tirol, Oberitalien begaben sich die Reisenden nach Rom, wo sie über ein halbes Jahr verweilten und L. die juridische Doctorwürde erlangte, worauf sie Süditalien besuchten und nachdem sie auf der Rückreise den Rest des Jahres 1675 in den bedeutenderen Städten Italiens verlebt, im December dieses Jahres über Venedig und Wien in die Heimat zurückkehrten, wo sie im Februar 1676 in Prag eintrafen. Nach seiner Rückkehr betrat L. als Ammanuensis (soviel als das heutige Assistent) des damaligen berühmten Arztes und Professors Nikolaus Franchimont von Franckenfeldt die Laufbahn als praktischer Arzt. Als in ein paar Jahren daraus die Pest auch Prag heimsuchte, bot sich ihm genug Gelegenheit dar, als Arzt hilfreich zur Hand zu sein und dieß um so mehr, als es damals gar nicht ungewöhnlich war, daß die Aerzte selbst vor dem unheimlichen Gaste die Flucht ergriffen. Um diese Zeit trat L. auch in die Dienste Johann Adolph’s Fürsten von Schwarzenberg als Hausarzt ein und verließ im Juni dieses Jahres mit dessen Gefolge Prag, da der Fürst sich nach Linz in Oberösterreich begab, wo damals eben Kaiser Leopold I. sich aufhielt. Dort fand der Kaiser an dem noch jungen (30jährigen) Prager Arzte solches Gefallen, daß er ihn mit dem Titel eines Hofarztes auszeichnete. Nach längerer Zelt kehrte L. mit dem Fürsten nach Böhmen zurück und wurde nach dem Tode des Arztes und Professors Forberger vom Kaiser Leopold am 11. April 1682 zum außerordentlichen Professor an der medicinischen Facultät ernannt, rückte aber schon nach Franchimont’s Tode, 1684, zum dritten ordentlichen Professor vor. Da er, wie schon bemerkt, in Rom auch zum Doctor der Rechte graduirt worden, ließ er sich nun in Prag auch unter die Mitglieder der juristischen Facultät aufnehmen, erhielt aber die Aufnahme nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß er wie bisher nur die ärztliche Praxis treiben und Niemanden als Rechtsfreund dienen sollte. Von nun an führte L. den Titel: „Philosophiae, Juris Utriusque et Medicinae Doctor“. Im Jahre 1697, nachdem der Doctor der Medicin J. W. Dobrzensky gestorben, rückte L. zum Senior der medicinischen Facultät vor. L. war seiner Zeit ein berühmter und angesehener Arzt und die vielfachen Auszeichnungen, die ihm während einer ziemlich langen Lebensdauer zu Theil geworden, zeugen für seinen ungewöhnlichen [410] Ruf als Arzt und Gelehrter. Schon im Jahre 1686 hatte ihm der Kaiser den Ritterstand verliehen; jedoch wurde, wie aus L.’s eigenen Aufzeichnungen erhellet, derselbe erst am 26. November 1703 publicirt. Im Jahre 1686 von der medicinischen Facultät zum ersten Male zu ihrem Decan erwählt, bekleidete er bis zum J. 1722 nicht weniger denn zwanzig Mal diese Würde; und die im Jahre 1697 zum ersten Mal auf ihn gefallene Wahl eines Rector magnificus der Prager Hochschule wiederholte sich später noch zu drei verschiedenen Malen. Im Jahre 1716 ernannte ihn die Academia Caesarea Naturae Curiosorum zum Mitgliede unter dem Namen Acron und wenige Jahre vor seinem Tode der Kaiser Karl VI. zu seinem Leibarzte. Im Alter von 77 Jahren beschloß L. sein Leben, nachdem er 53 Jahre die ärztliche Praxis ausgeübt, 43 Jahre als Lehrer seines Faches thätig, 28 Jahre Senior der medicinischen Facultät, zwanzig Mal ihr Decan und vier Mal Rector der Hochschule gewesen, und während dieser Zeit 262 Aerzten die Doctorwürde ertheilt hatte. Die literarische Thätigkeit L.’s fällt in jene Periode am Schlusse des 17. Jahrhunderts, in welcher die bis dahin beschränkten und niedergehaltenen Naturwissenschaften sich allmälig aus ihrer Lethargie emporrafften. Seine Arbeiten tragen ganz noch die Signatur der Zeit, den Schwulst und die Weitschweifigkeit, aber sie zeigen uns auch in L. den denkenden, sehr unterrichteten Arzt, der öfter einen Anlauf nimmt, seiner Zeit vorauszueilen. Von seinen Schriften, deren Verzeichniß weiter unten folgt, sind besonders bemerkenswerth: die Monographie über die Blättern (Tractatus novissimus de Variolis); ein Lehrbuch über die Kinderkrankheiten, welches nach dem Urtheile des Fachmannes nicht nur eine Therapie und Diagnostik der genannten Krankheiten, sondern auch eine, für jene Zeit immerhin beachtenswerthe Kinder-Diätetik enthält; sein Hauptwerk „Universa Medicina practica“, dem ein zehnjähriges Privilegium gegen den Nachdruck ertheilt worden war und das ein Fachmann als eine recht fleißige Zusammentragung des nach dem damaligen Stande der ärztlichen Wissenschaft praktisch Bewährten, zum großen Theile auf Grundlage der chemiatrischen Theorie, bezeichnet und sein „Theatrum medico-juridicum“. welches nach Löw’s Absicht für die Richter und Gerichtsarzte gleich brauchbar sein sollte und worin zumeist jenes Halbdunkel, jene auf der Wissenschaft lagernde Dämmerung herrscht, die erst durch den damals beginnenden Aufschwung der Naturwissenschaft sich zu heben begann. Mit Uebergehung jener Dissertationen, die während seiner Rectorate veröffentlicht wurden, bei denen jedoch der Antheil seiner wissenschaftlichen Thätigkeit nicht festzusetzen ist, welche übrigens in Weitenweber’s ausführlicher Monographie über L. sämmtlich angeführt werden, folgen hier L.’s eigene Reden, Abhandlungen und Werke in chronologischer Reihe: „Theses medicae de Apoplexia“ (Vetero Pragae 1672, 4°.); – „Theosophia medica, Stylo anatomico in breves incisa periodos in salutares Aphorismos compendiata etc. etc.“ (1683); – „Anatomia Protomedici ab anatomico medico exantlata in funere D. Nicolai Franchimont a Frankenfeldt“ (1684), Löw’s Leichenrede auf seinen ehemaligen Lehrer; – „Thermae Elbacinenses oder Elbauschitzischer von uralten Zeiten bekannter anjetzo neu erweckter Brunnquell, dessen Ursprung, Gelegenheit, Alterthum, heilsame Mineralien [411] u. s. w.“ (1689, kl. 8°.); – „Regulae de studio Medico bene inchoando, strenue continuando, feliciter et fructuose absolvendo etc.“ (Norimbergae 1693); – „Via regia seu modus extemporaneus praescribendi generaliter Remedia aegro absenti, cuique inchoanti et consumato artis medicae practico utilis et necessarius“ (Norimbergae 1693, 12°.); – „Partus medicus multo labore a Leone in lucem editus seu Tractatus novissimus de variolis et Morbillis ex Veterum et Recentiorum Voluminibus fideliter excerptus etc. etc.“ (ibid. 1699, 4°.); – „Nova et velus Aphorismorum divi senis Hippocratis interpretatio juxta mentem veterum et recentiorum“ (Francofurti et Lipsiae 1711); – „Hydriatria nova, das ist kurze Beschreibung von dem neu erfundenen Frauenberger Bade, von Alters in Böhmischer Sprach insgemein genannt „Smradlawá Woda“, auff Deutsch Stinckendes Wasser, dessen Ursprung und Gelegenheit, Alterthumb, Heylsamen Mineralien, Wirkungen, Nutz und rechten Gebrauch“ (Prag 1711, 8°.), diese Schrift erschien in vermehrter Ausgabe von Dr. Jos. A. Linz zu Neuhaus im Jahre 1766 und in čechischer Uebersetzung zuerst ohne Jahreszahl, aber allem Anschein nach im Jahre 1721; und desgleichen die vermehrte Ausgabe zu Neuhaus im Jahre 1767; – „Universa Medicina practica, juxta veterum et recentiorum mentem efformata et aucta etc. etc.“ (Norimbergae 1723, gr. 4°.), es ist dieß eine neue ausführliche Bearbeitung des vordem von Ferdinand Karl Weinhart herausgegebenen „Nucleus“; – „Theatrum medico juridicum continens varias easque maxime notabiles, tum ad Tribunalia ecclesiastico-civilia, quam ad medicinam forensem pertinentes materias“ (Norimbergae 1725, 4°.). In Handschrift befindet sich nach Pelzel’s Angabe in der Prager Universitäts-Bibliothek ein Werk Löw’s unter dem Titel: „Anatomia et Chirurgia“. Seine wissenschaftliche Stellung und Bedeutung charakterisirt sein Biograph Dr. Weitenweber folgendermaßen: „Am Krankenbette folgte L. keinem Systeme einseitig und blindlings huldigend einer gemäßigten Empirie. In seinen Studien aber scheint er den Sydenham’schen Hippokratismus mit den im Beginn seiner praktischen Laufbahn herrschenden chemiatrischen Grundsätzen eines Sylvius de la Boë verbunden zu haben, welche gerade damals durch Waldschmidt, J. W. Wedel, Ettmüller und Andere in Deutschland mehr Geltung erlangten. In den späteren Jahren hatte er sich theilweise mit Friedrich Hoffmann’s mechanisch-dynamischem System, der sogenannten Solidarpathologie, vertraut gemacht. Ebenso wußte L. den gediegenen Empirismus seines großen Zeitgenossen Boërhave, der bekanntlich auf die im Laufe der Jahre immer regsamer fortschreitenden Naturwissenschaften fußte, zu schätzen (überdieß stand L. mit Boërhave auch im brieflichen Verkehre), während ihm Stahl’s mehr bewunderter als verstandener Animismus minder zusagte. Seine gediegenen Interpretationen der hippokratischen Aphorismen beweisen übrigens auch, daß er nach dem damaligen löblichen Brauche auch die alten Schriftsteller gründlich kannte und kritisch zu würdigen verstand.“

Ueber den berühmten Prager Arzt J. F. Löw von Erlsfeld. Ein Beitrag zur medicinischen Literargeschichte. Von Dr. Wilh. Rud. Weitenweber in Prag (Prag, gr. 8°., o. J. u. O.) [auch ist den Miscellen des LXXIV. Bandes der von der medicinischen Facultät in Prag herausgegebenen „Vierteljahrschrift für [412] die praktische Heilkunde“]. – Pelzel (Franz Martin), Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler nebst kurzen Nachrichten von ihrem Leben und Werken (Prag, Hraba, 8°.) Theil III, S. 132 u. f. – Dlabacz (Gottfried Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen ... (Prag 1815, Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 219. – Porträte. 1) Unterschrift: Joannes Francisc. Löw ab Erlsfeld. In der Mitte unter dem Brustbilde das Wappen und darüber im Halbkreise: Caesar merentibus offert (8°., ohne Angabe des Zeichners und Stechers. Balzer?); – 2) A. C. Fleischmann sc. (4°.); – 3) Als Rector im Alter von 76 Jahren. Fornschan p., Birckart sc. (4°.). – Löw’s Denkmal. Dasselbe befindet sich in der Karmeliterkirche bei Sancta Maria de Victoria auf der Kleinseite Prags und der dort aufgestellte Grabstein enthält folgende Inschrift: HIC QUIESCIT JOANNES FRANCISCUS LOEW S. R. J. ET PROV. HAEREDITAR. EQUES AB ERLSFELD, DOMINUS IN LOGOWITZ ET MODLETITZ, PHILOSOPHIAE JURIS UTRIUSQUE ET MEDICINAE DOCTOR, S. CAES. REGIAEQUE MAJESTATIS CONSILIARIUS, IN UNIVERSITATE PRAGNENSI MEDICINAE PROFESSOR REGIUS PUBLICUS ORDINARIUS, XLIII ANNIS, PRACTICUS LIII, SENIOR XXVIII, DECANUS VIGESIES, RECTOR MAGNIFICUS QUATER, ACAD. CAESAR. LEOPOLD. CAROL. NATURAE CURIOS. COLLEGA „ACRON“ DICTUS, S. LATERAN. PALATII ET AULAE CAESAREAE COMES ET MEDICUS. OBIIT MICRO PRAGAE XXV MARTII A. 1725 AETATIS 77.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Löw ab Erlsfeld, Johann [Bd. XV, S. 408].
    Janovský (V. Dr.) Joannes Franciscus Löw ab Erlsfeld. Studie z dějpisu pražské fakulty, d. i. Johann Franz Löw von Erlsfeld. Studie aus der Geschichte der Prager Facultät (Prag 1873, Ed. Gregr, 8°.). [Bd. 26, S. 397.]