BLKÖ:Löwe, Alexander

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Löwe, Andreas
Band: 15 (1866), ab Seite: 417. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 142164496, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Löwe, Alexander|15|417|}}

Löwe, Alexander (Naturforscher, geb. zu St. Petersburg 24. December 1808). Stammt aus der in Oesterreich und in Deutschland bekannten Künstlerfamilie Löwe ab; seine Mutter Julie Löwe [s. d. S. 420] bekleidete das erste Fach im Lustspiele am k. k. Hofburg-Theater; sein Onkel Ludwig L. [s. d. S. 421] ist daselbst noch in Thätigkeit; seine Nichte Sophie L. [s. d. S. 433], jetzt Gemalin des Fürsten Friedrich Liechtenstein, zeichnete sich als erste Sängerin in Deutschland und Italien aus und sein Vetter Fedor L. ist kön. württembergischer Hofschauspieler und Regisseur in Stuttgart. Alexander L. vollendete die Vorbereitungsstudien an der Universität und an dem polytechnischen Institute und bezog im Jahre 1827 die Bergakademie zu Schemnitz. Im November 1830 erhielt er eine Praktikantenstelle bei dem k. k. Haupt-Münzamte in Wien und verblieb in dieser Stellung bis zum Jahre 1834, wo er als Materialien-Verwaltungs-Controlor von der k. k. allgemeinen Hofkammer die nachgesuchte Bewilligung erhielt, in Berlin unter Professor Heinrich Rose in der analytischen Chemie sich auszubilden. Zwei Jahre, bis 1836, brachte L. theils in Berlin, theils auf Reisen durch Sachsen, Preußen, Hannover, Schweden zu, vorzugsweise in montanistischer und chemisch-technischer Beziehung. Nach seiner Rückkehr wurde ihm im Jahre 1838 die wichtige Aufgabe übertragen, zu Idria in Krain commissionelle vergleichende Versuche im Großen über die Zinnobergewinnung auf trockenem und auf nassem Wege auszuführen. Diese Commission dauerte sechs Monate. Gleichzeitig wurde L. unter August Longin Fürst Lobkowitz [s. d. S. 337], damaligen Präsidenten der k. k. Hofkammer im Münz- und Bergwesen, zum General-, Land- und Hauptmünzprobirer ernannt und hier war ihm ein reiches Feld zur Thätigkeit in den verschiedenen Zweigen des chemischen Wissens und Könnens geboten. Das in dem neu erbauten k. k. Münzamte untergebrachte General-Probiramt gab in seinen innern Räumen die erwünschte Gelegenheit, das chemische Laboratorium den Forderungen der Zeit entsprechend einzurichten, welche Absicht sich auch durch die späteren Erfahrungen bewährte, indem außer allen das gesammte Münz- und Bergwesen betreffenden chemischen und docimastischen Arbeiten [418] auch der praktische Unterricht in diesen Fächern für absolvirte Bergakademiker unter L.’s Leitung ertheilt wurde. Es wurden diese praktischen Uebungen gleichzeitig mit den Vorlesungen von Haidinger [Bd. VII, S. 208, und Bd. XIV, S. 465] im montanistischen Museum, das sich ebenfalls in dem k. k. Münzgebäude befand, alljährlich gehalten und hat der Gedanke einer Pflanzschule für das montanistische Fach durch den Erfolg sich realisirt. L. bekam von der Hofkammer im Münz- und Bergwesen den Auftrag, eine neue Vorrichtung zur Absorbirung der schwefligsauern Dämpfe in der Affiniranstalt des k. k. Münzamtes zu Kremnitz anzugeben, und wurde demselben der Bau hiervon übertragen. Der Bau wurde auch im Sommer 1840 und 1841 vollendet und entsprach in allen Theilen. Die Einführung der Silberprobe auf nassem Wege behufs der Untersuchung der Münzen auf ihren Feingehalt, gab Veranlassung, daß L. 1846 nach Paris entsendet wurde, um an dortiger Münze das Verfahren praktisch kennen zu lernen, und auch sonst lieferte diese Reise in mancher Hinsicht lehr- und nutzreiche Ergebnisse. Die Weltausstellung zu London im Jahre 1851 führte L. als Berichterstatter dorthin und L. benützte diese Gelegenheit, um England auch sonst noch in technischer Beziehung kennen zu lernen. Die deutsche Ausstellung zu München im Jahre 1854 und die Weltausstellung zu Paris 1855 gaben Gelegenheit, um das in den Siebenbürger Tellurerzen enthaltene Tellur, welches bisher in den chemischen Laboratorien als Seltenheit betrachtet wurde, in größeren Mengen zur Schau zu bringen und den Preis desselben auch in Folge eines von L. angegebenen praktischen Verfahrens möglichst niedrig zu stellen. L. wurde dafür von der Ausstellungs-Commission die silberne Medaille erster Classe zuerkannt. Ueber 16 Jahre hatte L. als Vorstand des General-Probiramts gewirkt, als ihm im Jahre 1856 durch Verleihung der Directorstelle der k. k. Porzellanfabrik nach dem Tode des Baron Leithner ein größerer Wirkungskreis eröffnet wurde. Die Schwierigkeiten, welche sich hier darboten, ließen sich nur durch eine angeborene Liebe zu einem der Kunst verwandten Fache und durch den angestrengtesten Fleiß besiegen. Es galt hier vom Grunde aus zu reformiren. Einiges gelang, Vieles unterblieb; die Hauptsache, die Manipulation hob sich in allen Theilen und der Geschmack in Form und Decoration läuterte sich nach und nach. Die k. k. Porzellanfabrik konnte aber der unterdessen herangewachsenen Privatindustrie nicht siegreich entgegen treten, was auch ihre eigentliche Aufgabe nicht war, sie verlor allmälig das ihr zugewiesene Terrain und sank, während sie sich in künstlerischer hob, in materieller Beziehung. Diese schwierige Periode, einen Zeitraum von 10 Jahren, durchlebte L. mit der k. k. Fabrik. Die Weltausstellung zu London im Jahre 1862 gab dieser Aerarial-Anstalt Gelegenheit zu zeigen, wie mit fast unzureichenden Mitteln doch anerkannte und von Fachmännern gewürdigte Resultate zu erzielen seien. L. wurde in Folge dessen mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Auf Antrag des Abgeordnetenhauses wurde im Jahre 1862 die Auflassung der k. k. Aerarial-Porzellanfabrik beschlossen und diese durch Allerhöchste Entschließung Sr. k. k. Apost. Majestät sanctionirt. Mit dem Jahre 1868 hätte die Fabrik (deren Auflösung eben, April 1866, im Zuge) ihren [419] 150jährigen Bestand gefeiert. L. ist somit der letzte der Directoren dieses alten weltberühmten Etablissements. Die von L. in verschiedenen periodischen Fachschriften durch den Druck veröffentlichten Aufsätze sind: in Poggendorff’s Annalen für Physik und Chemie, 38. Bd.: „Analyse des Basalts von Wickenstein in Schlesien und der Lava vom Aetna“ (S. 151); – „Analyse der strahligen Zinkblende von Přzibram“ (S. 161); – in den Verhandlungen des niederösterreichischen Gewerbvereins im 4. Heft: „Untersuchung von zwei Sorten Bleiweis“; – in den Berichten über die Mittheilungen der Freunde der Naturwissenschaften, im 1. Bande: „Ueber die Erze und Hüttenproducte von Agordo“ (S. 11); – „Ueber das Vorkommen von Jamesonit und Berthierit zu Arany-Idka in Oberungarn“ (ebd. S. 62); – im 2. Bande: „Ueber die von Löwe entdeckten optischen Ringe“; – im Jahresberichte von Berzelius im 25. Jahrgange: „Ueber den Nickelglanz von Schladming“ (S. 339); – „Ueber den Diaspar von Schemnitz“ (S. 333); – in den Naturwissenschaftlichen Abhandlungen der Freunde der Naturwissenschaften, im 1. Bande: „Ueber Nickelarsenikglanz (Gersdorffit) von Schladming in Steiermark und Prakendorf in Oberungarn“ (S. 343); – in der Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins, 1850, Nr. 1: „Ueber eine schwarze gelatinöse Masse (Dopplerit) von Aussee“; – in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, mathem.-naturwiss. Classe, Bd. X: „Versuche, um das Tellur im Großen aus den Siebenbürger Golderzen zu gewinnen“ (S. 727). L. wurde am 26. Juni 1848 zum correspondirenden Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften zu Wien ernannt. Er ist außerdem Ehrenmitglied des Ateneo zu Florenz, Mitglied der deutschen geologischen Gesellschaft zu Berlin, Correspondent der k. k. geologischen Reichsanstalt, des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie und Mitglied des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins zu Wien.

Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, kl. 8°.) Jahrg. 1852, S. 172. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1858, J. A. Barth, gr. 8°.) Sp. 1488.