BLKÖ:Lauer, Franz Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Laudon
Band: 14 (1865), ab Seite: 214. (Quelle)
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Lauer, Franz Freiherr von (k. k. Feldzeugmeister und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. im Jahre 1735, gest. zu Krems 11. September 1803). Der Sohn eines k. k. Officiers, erhielt seine militärische Ausbildung in der Ingenieur-Akademie, aus welcher er im Jahre 1755 als Cadet in das Geniecorps eintrat. Er machte die Feldzüge des siebenjährigen Krieges (1756–1763) mit und wohnte der Schlacht bei Kollin (17. Juni 1757), den Treffen bei Gabel (13. Juli) und Zittau (19. Juli d. J.), der Belagerung von Schweidnitz (im November d. J.), der Schlacht bei Breslau (22. November) und jener von Leuthen (5. December d. J.) bei, in welch letzterer er gefangen wurde. Im Laufe des Krieges rückte L. in Anerkennung seiner Tüchtigkeit und Tapferkeit zum Hauptmann vor und erwarb sich ganz besonders das Vertrauen des Generals Pellegrini, der die Fähigkeiten des jungen Officiers erkennend, ihn in seine Nähe zog und als Begleiter mitnahm auf der großen Visitationsreise, welche er im Jahre 1771 durch Ungarn, Slavonien, Banat und Siebenbürgen machte. Im Jahre 1775 unternahm Lauer auf eigene Kosten eine Reise nach Italien, welche er im Jahre 1782 wiederholte, um die dortigen Festungen kennen zu lernen und zu studiren. Im bayerischen Erbfolgekriege, der im Jahre 1778 begann, focht er bereits als Oberstlieutenant. Im folgenden Jahre wurde er bei der Aufsuchung mehrerer Puncte, auf denen Festungen gebaut werden sollten, zugezogen und entwarf bei [215] dieser Gelegenheit den Festungsplan für Theresienstadt, worauf er die verschiedenen Details und die Dispositionen des Hauptbaues ausarbeitete. Im Jahre 1783 rückte er zum Obersten vor; im Jahre 1787 setzte er die Festungswerke von Pleß mit besonderer Umsicht in Vertheidigungsstand, alsdann kam er bei der gegen die Türken bestimmten Hauptarmee in Verwendung. Im Türkenkriege gab er neuerdings Beweise seiner Geschicklichkeit und Tapferkeit; so leitete er im April 1788 vor Dubicza das Geniewesen, vollbrachte aber Ungewöhnliches vor Belgrad. Vom Anbeginn der Attaque auf die Vorstädte bis zum Hauptsturm führte er freiwillig, ohne Ablösung vierzehn Tage lang die Leitung der Tranchéen und erwarb sich aus diesem Anlasse die besondere Zufriedenheit Loudon’s und Pellegrini’s; beim Sturme bewerkstelligte er die Verbarrikadirung und die Abschnitte der Gassen und führte zuletzt unter feindlichem Feuer durch sieben Tage die Direction der Tranchéen auf die Festung. Durch diese ununterbrochene und zweckmäßige Thätigkeit trug er wesentlich zur baldigen Uebergabe der Festung bei und erwarb sich dadurch das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, das ihm in der 19. Promotion (21. December 1789) verliehen wurde, auch wurde er im nämlichen Jahre noch General-Major. In den französischen Kriegen gab er bei mehreren Gelegenheiten neue Beweise seines oft erprobten Muthes. Nach der am 13. October 1793 erfolgten Einnahme der Lauterburger Linien besetzte er die Festung Lauterburg, leitete im November d. J. die Belagerung von Fort Louis, welches nach der Einnahme am 18. Jänner 1794 durch ihn in die Luft gesprengt wurde. Im J. 1795 zeichnete er sich im Treffen bei Mannheim und bei der Einnahme des Galgenberges und der Neckarschanze (29. u. 30. October) besonders aus, in Folge dessen ihm Feldzeugmeister Clerfayt [Bd. II, S. 384] die Stelle des Chefs des Generalstabes bei seiner Armee übertrug. Am 22. November fand durch ihn die Wiedereroberung Mannheims Statt, bei welcher Gelegenheit er unter stetem feindlichen Feuer der Festung alle anzulegenden Werke anzeichnete, die Arbeiter selbst anstellte, leitete, und durch sein Beispiel, indem er während der ganzen Belagerung an den gefährlichsten Puncten persönlich gegenwärtig war, ermunterte. In Folge dessen wurde er in der 40. Promotion (vom 27. November d. J.) mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Nunmehr wurde er nach Wien berufen, zum Prodirector und Inspector des Geniewesens, zum Oberdirector der Ingenieurschule und im März 1796 zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt. Im Juli d. J. eilte er nach Italien, um das von den Franzosen bedrohte Mantua in Vertheidigungsstand zu setzen. Als bald darauf die Franzosen über Kärnthen in die Steiermark einbrachen und die Vorbereitungen zur Vertheidigung Wiens getroffen wurden, erfolgte seine Ernennung zum Festungscommandanten Wiens und nach dem Frieden von Campo formio (17. October 1797) zum General-Geniedirector. Als im Jahre 1800 Erzherzog Johann das Commando der Armee in Deutschland übernahm, wurde ihm Feldmarschall-Lieutenant Lauer an die Seite gegeben. In dieser Eigenschaft focht er noch die Schlacht bei Hohenlinden (3. December 1800), welche aber unglücklich für die kaiserliche Armee ausfiel. Im März des folgenden Jahres zog sich der 65jährige L. nach 45jährigen ehrenvollen Kriegsdiensten unter gleichzeitiger Ernennung zum Feldzeugmeister [216] in den Ruhestand zurück, den er in Krems verlebte, wo er drei Jahre später im Alter von 68 Jahren starb.

Freiherrn-Diplom vom 19. Juni 1790. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 272, 451, 1733, 1738 [nach diesem gest. am 11. September 1803]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, Abthlg. 1, S. 1158 [nach diesem gest. am 12. September 1803; auch heißt es dort, daß er während des Erbfolgekrieges Oberlieutenant geworden; das ist ein Irrthum und soll heißen: Oberstlieutenant]. – Kneschke (Ernst Heinrich Prof. Dr.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (Leipzig 1863, Friedr. Voigt, gr. 8°.) Bd. V, S. 416 [daselbst heißt es: Franz Freiherr von Lauer sei Inhaber eines Infanterie-Regiments gewesen; das ist ein Irrthum, Franz Freiherr von L. war nie Regiments-Inhaber, nur sein Sohn Joseph Freiherr von L. war zweiter Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 44). – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, J. Perthes, 32°.) XIV. Jahrgang (1864), S. 444. – Heutiger Familienstand der Freiherren von Lauer. Chef des Hauses ist Hugo Freiherr von L. (geb. 1831), Hauptmann im Infanterie-Regimente Graf Nobili Nr. 74. ein Sohn des Freiherrn Joseph aus dessen (am 24. April 1825 geschlossenen) Ehe mit Susanna geb. von Haberecker (geb. 24. Februar 1805), Witwe seit 26. Februar 1848. Freiherr Hugo ist (seit 20. November 1825) vermält mit Mathilde geb. Gräfin Ursini von Blagay (geb. 1833), aus welcher Ehe folgende Kinder stammen: Mathilde (geb. 1856), Maria (geb. 1858), Hyacintha (geb. 1861), Eleonora (geb. 29. November 1862). – Wappen. Gevierteter Schild mit Herzschild. Herzschild: In Schwarz ein silbernes Mühlrad. Hauptschild. 1 und 4: In Gold ein schrägrechts geflutheter blauer Balken; 2 und 3: in Roth ein einwärtsgekehrter aufrechtschreitender, zwischen den vorgeworfenen Tatzen einen Sarazenenkopf haltender goldener Greif. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf der sich drei gekrönte Turnierhelme erheben. Auf der Krone des vorderen Helms steht ein goldener, mit dem gewellten blauen Balken des 1. und 4. Feldes belegter Flug; auf jener des rückwärtigen Helms steht der goldene Greif von 2 und 3 zwischen zwei türkischen, mit Lorberkränzen behangenen Fahnen, deren vordere weiß, die andere roth ist und deren Stangen mit je einer goldenen Kugel und einem darauf liegenden goldenen, die Hörner aufwärtskehrenden Halbmond geschmückt sind; aus der Krone des mittleren Helms erheben sich drei schwarze wallende Straußenfedern, die mit dem silbernen Mühlrade des Herzschildes belegt sind. Die Helmdecken des rechten Helms sind blau mit Gold, des mittleren zu beiden Seiten schwarz mit Silber, des rückwärtigen Helms roth mit Gold belegt. Schildhalter: Zwei goldene Greife.