BLKÖ:Leveneur von Grünwall, Franz Joseph Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Levati, Karl Ambros
Band: 15 (1866), ab Seite: 27. (Quelle)
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Leveneur von Grünwall, Franz Joseph Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Studenitz im Jahre 1733, gest. zu Holluwest 6. Juni 1812). Entstammt einer alten Adelsfamilie [siehe die Quellen]. Im Jahre 1753, zwanzig Jahre alt, trat er als Cornet in das Kürassier-Regiment Freiherr von Bretlach, wurde bei Errichtung des Chevaux-legers-Regiments Fürst Löwenstein, welche im Februar 1758 stattfand, Hauptmann in demselben und machte nun alle jene Unternehmungen im siebenjährigen Kriege mit, welche dieses Regiment so berühmt gemacht haben. Im Feldzuge des Jahres 1760 machte sich L. selbst bei Landshut (23. Juni), wo das preußische Corps des General Fouquet von Loudon aufgerieben wurde und bei Liegnitz (13. August) so verdient, daß er zum Major befördert wurde. Nach dem Friedensschlusse wurde L. in das Dragoner-Regiment Hessen-Darmstadt Nr. 4 eingetheilt, dessen Oberst er im Jahre 1773 wurde. Den Maria Theresien-Orden erkämpfte er sich im bayerischen Erbfolgekriege, und zwar in der Affaire bei Zuckmantel, 10. Jänner 1779, in welcher sich L. ebenso durch Umsicht als Bravour hervorgethan. L. hielt den dortigen Posten mit 2 Bataillonen Langlois, 1 Bataillon des Banater Freicorps, 1 Division Karlstädter, 2 Divisionen Deutschmeister, 5 Schwadronen Darmstadt-Dragoner, 2 Schwadronen Warasdiner-Huszaren und 18 Geschützen besetzt. Durch diesen Posten wurde die Festung Neisse und die umliegende Gegend bedroht und die Verbindung der preußischen Corps zu Jägerndorf und Troppau mit der Festung erschwert. Es galt also den Preußen, dieses für sie so wichtigen Postens Herr zu werden. König Friedrich hatte zur Ausführung dieses Vorhabens den General-Lieutenant [28] Wunsch beauftragt. Dieser brach am 10. Jänner 1779 mit 16 Bataillonen, einigen hundert Reitern und 50 Kanonen auf und setzte sich gegen Zuckmantel in Bewegung, in dessen Nähe er am 14. vorgerückt war. Leveneur hatte seine Truppen theils auf dem Rochusberge, theils links von Zuckmantel postirt, diese letzteren wurden noch durch drei, mit Geschütz und Mannschaft versehene Schanzen unterstützt. Am Fuße des Berges war die Reiterei aufgestellt, konnte aber des heftigen Geschützfeuers wegen nicht länger diese Stellung behalten. Auch die am Waldesrande aufgestellte leichte Infanterie ward aus demselben Grunde genöthigt, zu den auf dem Berge aufgestellten Abtheilungen zu stoßen. Die in die Vorstadt von Zuckmantel eingedrungenen Preußen hatten daselbst Batterien errichtet und aus denselben die drei erwähnten Schanzen der Unseren auf das Wirksamste beschossen. Leveneur ward dadurch genöthigt, mit seinen Truppen sich auf die Bischofskuppe, den höchsten Theil des Berges, zurückzuziehen. Die Preußen ihrerseits ließen es nun nicht an Anstrengungen fehlen, die Unseren aus dieser Aufstellung zu drängen. Eine von dem General Lengerfeld befehligte Colonne, sollte die rechte Flanke umgehen und den Berg ersteigen; die zweite von dem General-Lieutenant Wunsch in Person geführte Colonne sollte uns in der Front angreifen. Aber die erste Colonne hatte mehrere Male, jedoch immer vergeblich, den Versuch erneuert, durch den Wald zu dringen und General Wunsch konnte in Folge dessen den beabsichtigten Frontalangriff nicht ausführen. Die Anstrengungen Lengerfeld’s endeten schließlich damit, daß er von den Unseren mit großem Verluste nach den Hausigbergen gedrängt worden und später nach Kunzendorf sich zurückzuziehen genöthigt war. Auch General-Lieutenant Wunsch, nachdem er vier Stunden im Feuer unserer Geschütze Stand gehalten, mußte, nachdem Lengerfeld seinen Rückzug bewerkstelligt, an den seinigen denken und führte ihn gegen Abend über Kunzendorf nach Ziegenhals aus. Die Expedition des General-Lieutenants Wunsch war sonach erfolglos geblieben und hatte ihn viel Blut gekostet, denn der Verlust der Preußen betrug 500 Mann, während Leveneur nur 17 Mann eingebüßt hatte. Für diese schöne Waffenthat wurde L. zum General-Major befördert und überdieß in der 12. Promotion (vom 15. Februar 1779) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1783 wurde L. Inhaber desselben Regiments, das er als Oberst angeführt hatte. Im Türkenkriege befehligte L. unter dem Prinzen Coburg eine Cavallerie-Brigade und nahm thätigen Antheil an den Schlachten bei Fokschan und Martinestje. Für sein ausgezeichnetes Verhalten daselbst wurde er im Mai 1789 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Aber nur mehr wenige Monate blieb L. in Activität. Schon im Jänner 1790 trat er in den Ruhestand, begab sich auf seine Güter nach Böhmen, lebte dort den ländlichen Freuden noch volle 22 Jahre und starb daselbst, nahezu im 80. Jahre. Noch ist einer kleinen Stiftung zu gedenken, welche L. errichtet. Er widmete nämlich die fünfpcocentigen Interessen eines Capitals von 480 fl. nebst Natural-Deputaten auf dem Gute Holluwest in Böhmen für einen Invaliden des k. k. Dragoner-Regiments Nr. 4, dessen Oberst und zuletzt Inhaber er gewesen. Das Verleihungsrecht [29] dieser Stiftung besitzt das Militär-Commando in Böhmen.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 217 u. 1731. –