BLKÖ:Ludasi, eigentlich Gans, Moriz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Ludvig
Band: 16 (1867), ab Seite: 134. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 136357733, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Ludasi, eigentlich Gans, Moriz|16|134|}}

Ludasi, eigentlich Gans, Moriz (Redacteur, geb. zu Komorn in Ungarn im Jahre 1829). Sohn jüdischer Eltern, studirte in Pesth, war dann Lehrer in einem Mädchen-Institute, schrieb und übersetzte Allerlei und wurde zuletzt ausschließlich Journalist. Im Jahre 1848 redigirte er die Esti lapok, d. i. Abendblätter und gab eine deutsche Broschüre über die damaligen Vorgänge in Ungarn heraus. Später kam er nach Wien und im Jahre 1853 arbeitete er bei den Journalen „der Wiener Telegraph“ und „die Morgen-Post“, für welche er vornehmlich Romane schrieb, die dann auch in Buchausgabe erschienen. Mit Sigmund Schlesinger gründete und redigirte er einige Zeit lang das Journal „Der Feierabend“, auch schrieb er mit ihm gemeinschaftlich die Posse „Nach der Stadterweiterung“, welche im Theater an der Wien gegeben aber bald wieder zurückgelegt wurde. Zu Anfang des Jahres 1860 war er als Correspondent des Surgöny thätig und schrieb im Sinne der ungarischen Hofkanzlei in ungarischer und deutscher Sprache. Als Verfasser des Buches: „Drei Jahre Verfassungsstreit“ (Leipzig 1865, Brockhaus, gr. 8°.), welches durch die darin gebrachten Enthüllungen aus den höheren politischen Kreisen Wien’s seiner Zeit Aufsehen erregte, erklärte er sich selbst in einer, an die verschiedenen Journale Wien’s gerichteten Zuschrift ddo. Wien 29. März 1865 und nannte sich auf dieser Erklärung Eigenthümer und Herausgeber des Journals „Die Debatte und Wiener Lloyd“. Zur Zeit redigirt er zwei politische Journale, ein deutsches: „Die Debatte“ in Wien und ein ungarisches: „Magyar világ“, d. i. die ungarische Welt in Pesth. Außer seinen zahlreichen publicistischen Arbeiten in deutscher und ungarischer Sprache, welche früher in fremden und jetzt in seinen Journalen enthalten sind, sind von ihm unter seinem wahren Namen Moriz Gans im Druck erschienen: „Elisabeth Bathory, oder die Geheimnisse der Schachtitzburg. Historischer Roman aus der Vorzeit Ungarns“, 4 Bde. (Wien 1854, Stöckhölzer, 8°.); – „Die Tochter der Karpathenhexe, Roman“, 3 Bde. (Wien 1854, 8°.); – „Die Rache der Todten. Sittenroman aus dem Leben in Pesth und Wien“, 3 Bde. (ebd. 8°.). Das von Heckenast in Pesth [135] (1853) herausgegebene „Neue Lesecabinet für die reifere Jugend“ enthält in den drei erschienenen Bänden aus seiner Feder folgende Bearbeitungen englischer Werke für die reifere Jugend in deutscher Sprache: „Onkel Tom’s Hütte“. Nach dem Englischen der Frau H. B. Stowe; – „Peregrine Pikle. Humoristischer Roman von G. J. Smollet“; – „Geschichte Tom Jones, eines Findlings, von H. Fielding“. Auch hat er während seines Aufenthaltes als Lehrer in Pesth eine kleine ungarische Grammatik bei Heckenast herausgegeben; in früherer Zeit mehrere Uebersetzungen ungarischer Gedichte, u. A. von Vorösmarty, Petőfi in den Münchner „Fliegenden Blättern“ erscheinen lassen, und wurde längere Zeit für den Verfasser der berüchtigten „Jelachichiade“, der er aber nicht ist, gehalten. Die Doppelgestalt, in der er als Schriftsteller und Publicist auftritt, indem er bald als Moriz Gans, welches sein wahrer Familienname ist, bald als Ludasi, die Magyarisirung des Wortes Gans, erscheint, – sein nom à la guerre ist aber Ludasi – diese Doppelgestalt gibt sich auch in seinem Auftreten im öffentlichen Leben kund, indem man ihm bald im Gehrock und Frack, bald im Attila und Kalpak begegnet, je nachdem die politischen Constellationen diesen Wandel der Tracht nothwendig, oder doch räthlich machen.

Fremden-Blatt (Eigenthümer Gust. Heine, Wien, 4°.) 1865, Nr. 88, unter der Rubrik „Eingesendet“.