BLKÖ:Maager, Joseph Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mabil, Peter Alois
Band: 16 (1867), ab Seite: 185. (Quelle)
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Maager, Joseph Karl (Mitglied des österreichischen verstärkten Reichsrathes im Jahre 1860, geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen 15. März 1813). Sein Vater war Kaufmann in Kronstadt. Nachdem der Sohn seine geistige Ausbildung am Obergymnasium zu Kronstadt erlangt, trat er in das Handelsgeschäft seines Vaters ein und ging später – 19 Jahre alt – um sich in seinem Berufe weiter auszubilden, nach Wien. Als im Jahre 1834 sein Vater gestorben, übernahm er dessen Geschäft und führte es, Anfangs in Gemeinschaft mit seinem Bruder Friedrich, später allein bis zum Jahre 1857 fort. Im Jahre 1846 in den Gemeinderath von Kronstadt gewählt, brachte er, mitunter auch in der Tagespresse, manche Gebrechen und Angelegenheiten der Commune ohne Rücksicht und mit Freimuth zur Sprache und erntete dafür vielfache Anfeindung und bitteren Haß, was ihn jedoch nicht irre machte, den betretenen Pfad zur Förderung des Gemeinwesens, so weit es in den Kräften des Einzelnen liegt, weiter zu wandeln. Die Thatkraft und Entschiedenheit, mit der er im Jahre 1848 auftrat, richtete die allgemeine Aufmerksamkeit noch mehr auf ihn. Er beantragte damals zum Schutze gegen das Proletariat die Errichtung einer Bürgerwehr und stellte sich selbst mit einem Freunde an die Spitze eines aus 400 jungen Leuten, der Blüthe der Kronstädter Jugend, gebildeten Corps. Nachdem die Nationalvertretung in Hermannstadt verstärkt und M. in dieselbe gewählt worden, trat er trotz vielfacher Verdächtigungen mannhaft für die Rechte der sächsischen Nation ein. Ausgezeichnet und denkwürdig ist sein Verhalten zur Zeit, als die Schrecken der Revolution auch an die Grenze des Kronstädter Kreises gedrungen waren. Um seiner Ueberzeugung nicht untreu zu werden, wanderte M. das erste Mal im strengsten Januarfrost mit Weib und Kind über’s Gebirge in die Walachei und blieb dort bis zur ersten Besetzung Kronstadts durch den russischen General Engelhardt. Aber noch einmal wendete sich das Blatt, als am 19. März 1849 Bem in Kronstadt einrückte. Damals, während alles floh, blieb M. in Kronstadt, der Dinge, wie sie kommen mochten, gewärtig. In diesen Tagen, in den gefährlichsten Momenten, war er es, der sich entweder allein, unaufgefordert und mit Hintansetzung der eigenen Sicherheit, gegen jede Willkür stemmte, oder als Führer der Deputationen der Bürger vor dem gefürchteten Csányi [Bd. III, S. 42] und anderen Gewalthabern in Kronstadt, ja sogar als Ankläger dieser in Gegenwart der Angeklagten. selbst vor dem General Bem, eine, auch von seinen politischen Gegnern anerkannte Energie, Kühnheit und Geistesgegenwart entwickelte. Als in Klausenburg das Leben seines Freundes, des Pfarrers Roth in Gefahr schwebte, [186] eilte Maager nach Debreczin und sprach vor den Gewalthabern in so kühnen und männlichen Worten, daß er ernstlich gewarnt wurde, sich nicht selbst um den Kopf zu reden. Im Juni 1849 flatterte wieder das Banner Oesterreichs auf dem Kronstädter Bergschlosse. Es kehrten allmälig die Flüchtigen wieder heim und wurden tapfer, und nun wurde auch Maager’s Verhalten verdächtigt und entstellt. Lange Zeit ließ sich M. nicht irren, setzte wie bisher seine Thätigkeit im Gemeinderathe fort. Als aber die Chicanen und Unbilden noch immer nicht nachließen, trat er, dieses Treibens satt, aus der Communität. Die Regierung, welche richtiger gesehen, ehrte die Verdienste des Patrioten damals durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes. Als die Handelskammern in Oesterreich errichtet worden waren, wurde M. zum Präsidenten der in Kronstadt bestehenden gewählt und ging bei jeder Neuwahl immer wieder einstimmig als Präsident hervor. Durch ihn wurde die Kronstädter Handelskammer eine der thätigsten in der Monarchie. Sein Geschäft als Kaufmann hatte er aufgegeben, als er im Jahre 1857 zum Director der Kronstädter Filiale der Creditanstalt ernannt worden, welche Stelle er aber später auch wieder niedergelegt hatte. Die nun blühende großartige Kronstädter Eisenbergwerksunternehmung verdankt ihm, der sie trotz zahlloser Schwierigkeiten in’s Werk setzte, ihre Begründung und ihr Gedeihen. Auch für die Siebenbürger Eisenbahnfrage, in der er eine Lebensfrage seines Vaterlandes sieht, kämpfte er mit unermüdlichem Eifer. Als Angehöriger der evangelischen Kirche trat er kräftig für deren Rechte ein, in der Kronstädter Kirchengemeinde selbst bekleidete er das Amt des ersten Küchenmeisters und hat als solcher die Verwaltung aller Kirchen- und Schulfonde unter sich. Durch ein solches Vorleben voll Thatkraft und zweckmäßiger Schaffenslust erklärt es sich wohl von selbst, daß, als mit kais. Patente vom 5. März 1860 eine Verstärkung des Reichsrathes durch außerordentliche Reichsräthe angeordnet wurde, unter der Zahl der neuen Räthe der Krone auch Maager sich befand. Auf diesem Posten nun hatte M. reichlich Gelegenheit, in den wichtigsten, die Monarchie betreffenden Fragen mitzusprechen und die Aufmerksamkeit der Regierung auf mannigfache Uebelstände und Bedürfnisse hinzulenken. Er hat, wie einer seiner Biographen schreibt: „die beiden Säulen des staatlichen Fortschrittes, kirchliche und politische Freiheit, erfaßt und sie mit edlem Selbstbewußtsein, mit männlicher Kraft und geistesfrischer Rede aufgerichtet“. In der Rede, welche er in der Sitzung vom 10. September 1860 gehalten, gab er den Beschwerden seiner (der evangelischen) Kirche Ausdruck und nachdem er alle Puncte lichtvoll erörtert, begründete er in faßlichster Weise die Nothwendigkeit, daß die vollständige Gleichberechtigung aller christlichen Confessionen als Staatsgrundgesetz erklärt und zur Wahrheit gemacht werde. Maager hatte mit diesem Antrage nicht geringe Noth, da im ganzen Reichsrathe außer ihm nur noch ein Protestant saß, der Brünner Industrielle Philipp Schöler, Rheinpreuße von Geburt. In vielen Adressen wurde ihm Dank und Anerkennung ausgesprochen und von der Kanzel des evangelischen Gotteshauses in Wien der Ruhm seiner mannhaften und bekenntnißtreuen Seele verkündigt. Und wie auf kirchlichem so auch auf staatlichem [187] Gebiete hat Maager sich unumwunden für das erklärt, was Noth that und allein helfen kann. Während selbst seine Meinungsgenossen nur mit Vorsicht die Constitutionsfrage des Großstaates berührten, er sprach kühn das große Wort „Reichsverfassung“ aus und vertheidigte seine Ansicht in der Sitzung vom 24. September in einer prunk- und phrasenlosen, aber verständigen, überzeugenden, logisch geordneten Rede, womit er sich in die Herzen aller Deutschen in Oesterreich ohne Unterschied der Confession hinein gesprochen hat und der Volksthümlichste nicht nur unter den Reichsräthen, sondern überhaupt unter den öffentlichen Charakteren Deutschösterreichs geworden. Wo er in Wien sich sehen ließ, wurden ihm Huldigungen gebracht; die Presse hat seinen Namen gefeiert und in vielen Zuschriften wurde ihm Dank und Hochachtung ausgesprochen. In allen Auslagen der Kunst- und Buchhandlungen hingen Maager-Porträts, die Mode bemächtigte sich seines Namens, es gab Maager-Hüte, Maager-Anzüge und zu einem Ehrengeschenk für den Mann des Tages war der erhebliche Betrag von mehr denn 13.000 Gulden gespendet worden. Bei seiner Rückkehr in die Heimat glich der Empfang, den ihm seine Vaterstadt Kronstadt (am 15. October) bereitete, einem Triumphzuge. Geistlichkeit, Stadtrath, Schul- und Ortsvorstände erwarteten ihn; als er kam, empfing ihn Glockengeläute und der Gesang des Volksliedes: „Siebenbürgen, Land des Segens, Land der Fülle und der Kraft“. In der Gemeinde Zeiden harrte sein ein mit Blumen bekränzter Wagen, an den sechs stattliche Rosse vorgespannt waren. Er aber, von solchem Empfange tief bewegt, entgegnete den ihn Erwartenden die einfachen Worte: „Ich habe nichts als meine Schuldigkeit gethan“. Seit der Zeit lebt M. in seinem Vaterlande. In den letzten Jahren wurde sein Name nur einmal noch, anläßlich eines Finanzprojectes genannt, welches er der Regierung entweder vorgelegt oder vorzulegen die Absicht hatte. Auch sind von ihm in den Jahren 1863 und 1864 zwei Flugschriften unter dem Titel: „Offenes Schreiben an den hohen Reichsrath“ (Wien 1863, 8°.) und „Zweites offenes Schreiben an den hohen Reichsrath in Angelegenheit der Siebenbürger Eisenbahn“ (ebd. 1864) durch den Druck veröffentlicht worden.

Evangelischer Volkskalender, herausgegeben von Theodor Ritz (Wien, bei Tendier u. Comp., 8°.) Jahrg. 1861 [enthält im Anhange Maager’s Biographie und als Titelbild dessen Bildniß]. – Bohemia (Prager Blatt, 4°.) 1860, Nr. 270, S. 1097: „Maager’s Biographie“. – Gmundner Wochenblatt, X. Jahrg. (1860), Nr. 48 u. 49: „Reichsrath Maager“. – Siebenbürger Quartalschrift, XXII. Heft, S. 711 u. f.: Rede, welche M. am 24. September 1860 im verstärkten Reichsrathe gehalten; ebd. S. 718: „Correspondenz aus Schäßburg“ [Beschreibung des ihm zu Ehren von der Schäßburger Bürgerschaft gegebenen Festes]; – XXIII. Heft, S. 749: „Maager’s politische Thätigkeit“; ebd. S. 751; „Fest zu Ehren Maager’s bei seiner Ankunft in Kronstadt“; ebd. S. 756: „Maagerfest in Reps“. – Evangelisches Wochenblatt (Wien, 4°.) 1860, Nr. 44, S. 712: „Reichsrath Maager“. – Tagespost (Gratzer polit. Blatt) 1862, Nr. 12; „Skizzen aus dem Parlamente. VIII.“ – Die Glocke, herausg. von Payne (Leipzig, 4°.) 1860, Nr. 96: „Karl Maager“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 246; 1861, Nr. 285 Abendbl., Nr. 329; 1864, Nr. 184 u. 361 [kleinere, Maager betreffende Notizen]. – Pest-Ofner Zeitung 1861, Nr. 285. – Hermannstädter Zeitung 1864, Nr. 311: „Dem Herrn Johannes zum Sylvesterabend“. – Kronstädter Zeitung 1863, S. 739: „Salzkörner“. – Vaterland (Wiener politisches Blatt) 1860, Nr. 53. – Schlesischer Anzeiger 1861, Beilage Nr. 9: [188] „Ein Dank aus Schlesien an Karl Maager“ [Gedicht]. – Verhandlungen des österreichischen verstärkten Reichsrathes 1860. Nach den stenographischen Berichten (Wien 1860, Friedrich Manz, 8°.) Bd. I, S. 29 [Erklärung über seine Stellung im Reichsrathe]; S. 147, 170 u. 183 [Rede über die Stellung der Protestanten und insbesondere in Siebenbürgen]; S. 191 [über die Subvention für das Bisthum Chur]; S. 204 (über Militärpensionen]; S. 209 u. 213 [über Militärbildungs-Anstalten und Verwendung des Militärs zu öffentlichen Arbeiten]; S. 224 und Bd. II, S. 10 [über die Presse]; S. 233 [über die Kosten der Wiener Zeitung]; S. 250 [über Sammlung statistischer Daten]; S. 345 [über die Urbarialgerichte]; S. 363 [über Wiedererrichtung des Handelsministeriums]; S. 473 [über das Concordat]; S. 509 [über die Kopfsteuer in Siebenbürgen]; S. 583 [über Zölle]; S. 591 u. 595 [über Contumazanstalten]; S. 613 [über das Salzgefälle]; S. 715 und Bd. II, S. 295 [über die Nothwendigkeit einer Reichsverfassung]; S. 757 [über den Bau einer Eisenbahn in Siebenbürgen]; – Bd. II, S. 122 [über die Organisation des Reiches]; S. 389 [kurze Lebensskizze]. – Porträte. 1) In Theodor Ritz’ Evangelischem Volkskalender. Jahrgang 1861; – 2) in der Glocke 1860, Nr. 76; – 3) von Kaiser (in Wien) lithographirt [sprechend ähnlich].