BLKÖ:Schoeller, Philipp Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schöllhammer
Band: 31 (1876), ab Seite: 96. (Quelle)
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Philipp Wilhelm von Schoeller (1797–1877) in der Wikipedia
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Schoeller, Philipp Ritter von (Industrieller, geb. zu Düren in Rheinpreußen im Jahre 1797). Ein Verwandter des Alexander Ritter von Schoeller [s. d. S. 89]. Nach beendeten Studien widmete er sich dem Handelsgeschäfte und, um in dieser Richtung eine höhere Ausbildung zu erlangen, machte er große Reisen in Belgien, Frankreich und England. In einer Audienz bei Kaiser Franz im October 1818, während dessen Anwesenheit in Aachen zur Zeit des Aachener Congresses, erhielt Philipp S. die Concession, in Brünn eine große Tuchfabrik zu begründen, welche im Jahre 1820 unter der Firma „Gebrüder Schoeller“ in’s Leben trat und deren alleinige Zeitung er im Jahre 1823 übernahm. Die Fabrik, deren Erzeugnisse S. zu vervollkommnen unablässig bemüht war, steigerte sich zu immer größerer Bedeutung durch Benützung und Einführung der neuesten Erfindungen des In- und Auslandes, im Manipulations- wie Maschinenfache, durch sorgfältige Heranbildung geschickter einheimischer Kräfte, durch Erhaltung und Veredlung derselben, durch väterliche Sorgfalt und hilfreiche Unterstützung, welche den Arbeiterfamilien in schweren Zeiten und bei vorgekommenen Epidemien geleistet wurden, und so gewann sie in verschiedenen Ausstellungen des In- und Auslandes die ehrenvollsten Anerkennungen in schriftlichen Belobungen und Ehrenpreisen. Insbesondere die Fabrication von hochfeinen, wollfärbigen und schwarzen Tuchen hat den ausgezeichneten Ruf der Fabrik begründet. Sie betheiligte sich auf allen Ausstellungen; auf jener von Paris im Jahre 1851 war ihr Chef Philipp S. Mitglied der Jury, daher von der Medaillenvertheilung ausgeschlossen, in den anderen Ausstellungen erhielt sie Preise, Ehrenmedaillen u. dgl. m. In der Fabrik sind alle Zweige der Fabrication vertreten, in derselben arbeiteten (im Jahre 1867) 13 Satz-Spinnmaschinen, 50 mechanische und 130 Handstühle, auch befindet sich in derselben eine Appretur, mit allen nöthigen Hilfsmaschinen versehen, womit jährlich 5000 Stücke zum größten Theile feinster Sorte erzeugt werden. Während Philipp S. so den Ruf seiner Fabrik steigerte, nahm er aber auch sonst noch an der Förderung verschiedenartiger gemeinnütziger Interessen, insbesondere des Schulwesens, des Handels und der Industrie den eifrigsten Antheil. Besondere Aufmerksamkeit wendete er dem Exporthandel zu und ließ zu diesem Zwecke seinen Sohn Gustav Adolph die vorzüglichsten Handelsplätze der nordamerikanischen Freistaaten besuchen, in Folge dessen sich wohl zunächst seinen Fabricaten viele neue Absatzquellen erschlossen, die aber zum großen Theile auch der ganzen Brünner Industrie zu Gute kamen; ferner war Philipp S. im Jahre 1845 bei der Ausstellung in Wien als Jury thätig; in den Jahren 1849–1861 Ausschußmitglied bei der Gemeindevertretung in Brünn, im Jahre 1848 Abgeordneter im mährischen Landtage, 1860 Mitglied des verstärkten österreichischen Reichsrathes. Seit dem Jahre 1826 ist S. auch Vorsteher der evangelischen Gemeinde. In Anerkennung seiner vielseitigen Verdienste, vornehmlich aber der bei der Londoner Weltausstellung errungenen Erfolge, wurde S. mit kaiserlichem Cabinetschreiben vom 10. Februar 1863 mit dem Orden der eisernen Krone dritter Classe ausgezeichnet und den Statuten des Ordens gemäß in den Ritterstand erhoben. [97] Früher war er schon mit der kleinen und großen goldenen Civil-Ehrenmedaille am Bande und mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens geschmückt worden. Philipp S. ist Mitbesitzer der Herrschaften Czakowitz, Ctenitz in Böhmen und Levenz in Ungarn, Verwaltungsrath und Präsidenten-Stellvertreter der mährischen Escomptebank, Director der Bankfiliale in Brünn, der wechselseitigen mährischen Feuer-Versicherungsanstalt, Curator der Elisabeth-Stiftung, Mitglied der Brünner Handelskammer und mehrerer humanitärer und industrieller Vereine. Ueber seinen Familienstand aus seiner Ehe mit Marie König vergleiche die Quellen.

Ritterstands-Diplom ddo. Wien 20. April 1863. – Katalog der österreichischen Abtheilung in der internationalen Ausstellung zu Paris 1867. Herausgegeben vom k. k. Central-Comité für die Pariser Ausstellung. Zweite Auflage (Wien 1867, Gerold, 8°.) S. 91, Nr. 61. – Wappen. Von Gold und Blau gevierteter Schild. Das goldene Feld in 1 und 4 durchziehen schwarze Querbalken, 2 zeigt in Blau ein goldenes Kammrad und 3 gleichfalls in Blau einen goldenen, pfahlweise gestellten Anker mit Querholz und Ring. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme, die Krone des rechten Helms trägt einen offenen schwarzen Adlerflug, dem eine goldene Lilie pfahlweise eingestellt ist; die Krone des linken Helms trägt einen offenen blauen, jederseits mit einer auffliegenden goldenen Fliege besetzten Adlerflug. Die Helmdecken sind die des rechten Helms schwarz, jene des linken blau, insgesammt mit Gold unterlegt.
Heutiger Familienstand des Philipp[WS 1] Ritter van Schoeller. Philipp Ritter von Schoeller war seit 17. November 1825 mit Marie König (geb. 30. Mai 1806, gest. 15. Juni 1857) vermält und stammen aus dieser Ehe drei Söhne, drei Töchter und zwar: Gustav Adolph, Philipp Johann und Hugo, Marie, Emilie und Auguste. Gustav Adolph (geb. 3. Mai 1830) ist Fabriksbesitzer, Präsident des mährischen Gewerbevereins und der Credit-Theilnehmer der mährischen Escomptebank, Verwaltungsrath der Brünner Tramway-Gesellschaft und der Webereischule, Consular-Agent der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Curator der Kronprinz Rudolph-Stiftung, Correspondent des k. k. Museums für Kunst und Industrie in Wien, Director der wechselseitigen Versicherungs-Anstalt „Concordia“ in Reichenberg, Mitglied des Gemeinde-Ausschusses, der Handelskammer und mehrerer industrieller Vereine in Brünn. Er ist Ritter des Franz Joseph-Ordens und der französischen Ehrenlegion. Seit 25. Juni 1855 mit Leopoldine Haupt (geb. 27. Mai 1835) vermält, stammen aus dieser Ehe: Leopoldine (geb. 10. April 1856); Marie (geb. 30. April 1859); Sophie (geb. 23. Juni 1863); Elise (geb. 5. April 1865); Gustav (geb. 6. August 1866) und Hedwig (geb. 15. Mai 1868); – Gustav Adolph’s Bruder Philipp Johann (geb. 7. November 1835) ist gleichfalls Fabriksbesitzer und (seit 1. August 1860) mit Ida Edlen von Schiesth (geb. 9. December 1838) vermält. Aus dieser Ehe stammen: Marie Katharina (geb. 5. Mai 1861); Bertha (geb. 30. Dec. 1862); Philipp (geb. 13. August 1864); Johanna (geb. 27. September 1865, gest. 21. Jänner 1866) und Max (geb. 1. November 1866, gest. 23. August 1867); – Gustav Adolph’s zweiter Bruder Hugo (geb. 18. December 1841) ist am 16. Juli 1855 gestorben. Von den Töchtern Philipp’s Ritter von Sch. (Vater) ist Marie (geb. 22. October 1826) seit 16. Februar 1847 mit Karl Skene (geb. zu Verviers 10. März 1819) vermält gewesen und seit 20. Juli 1855 Witwe; Emilie (geb. 10. December 1827) ist ledig, und Auguste (geb. 13. September 1837) ist seit 4. Mai 1859 mit August Skene (geb. 6. November 1829) vermält.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Alexander