BLKÖ:Maresch, Johann Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Maresch, Johann
Band: 16 (1867), ab Seite: 432. (Quelle)
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Maresch, Johann Anton (Hornvirtuos, geb. zu Chotieborsch in Böhmen im Jahre 1719, gest. zu St. Petersburg 30. Mai 1794). [433] M. erhielt in früher Jugend, da er ein ausgesprochenes Talent für die Musik zeigte, im Kloster seines Geburtsortes Unterricht in der Musik, und zwar zuerst im Gesange, dann wählte er das Horn zu seinem Hauptinstrumente, nachdem sich ihm aber in der Heimat wenig Aussichten darboten, theils sich in der Behandlung des Instrumentes, wie er es wünschte, zu vervollkommnen, theils dasselbe mit einem praktischen Erfolge auszuüben, so begab er sich in die Fremde, besuchte mehrere Höfe, wo er sich hören ließ, und nahm, so vollkommen er bereits spielte, in Dresden doch Unterricht bei Hampel, dem Erfinder der Inventionshörner, mit dem er auch später noch bis ins hohe Alter im brieflichen Verkehre blieb. Im Jahre 1746 ging M. nach Berlin, nahm dort für den Fall, als er in die Lage gerathen sollte, sein Lieblingsinstrument aufgeben zu müssen, Unterricht im Violoncellspiele und wählte sich den berühmten Zikka zum Lehrmeister. Während seines Aufenthaltes in Berlin lernte ihn, im Jahre 1748 Graf Bestuschef, der Sohn des russischen Großkanzlers, kennen und machte ihm den Antrag, in die Dienste seines Vaters zu treten. M. nahm denselben an, ging nach St. Petersburg, wo er bei dem Grafen gute Aufnahme fand, auf seinem Instrumente sich hören ließ, großen Beifall erntete und auch für den Unterricht in der Musik stark gesucht wurde. Als ihn eines Tages bei einer Mahlzeit, die der Großkanzler der Kaiserin Elisabeth gab, diese auf dem Horne spielen hörte, nahm sie ihn als kaiserl. Kammermusicus in ihre Dienste. In diesen stand er unter dem Hofmarschall Narischkin, der, ein Liebhaber und Förderer der Musik, sich mit ihm in manche Unterredung über Musik einließ, und gelegenheitlich auch die Möglichkeit einer Verbesserung und geeigneteren Benützung der bis dahin üblichen rohen Jagdhörner besprach. M. ging auf den Gegenstand des Näheren ein, und brachte nach mancherlei Versuchen und Anstrengungen im Jahre 1751 eine Hornmusik zu Stande, welche bald allgemeinen Beifall erntete und auch in ihrer Weise damals einzig dastand. Er hatte eine Anzahl junger in der Musik ganz unkundiger Jägerbursche nach und nach trefflich abgerichtet und der hohe russische Adel, der an dieser Jagdmusik großes Behagen fand, hielt auch ganze Chöre solcher Hornisten. M. selbst wurde am kaiserlichen Hofe zum Capellmeister dieser Jagdmusik ernannt und war bei dem starken Begehr des Adels nach Hornisten mit der Abrichtung derselben ungemein beschäftigt. So lange sein Gönner, Hofmarschall Narischkin, lebte, so ertrug er auch die vielen Mühen, weil ihm andererseits manche Anerkennung zu Theil wurde. Nach dessen Tode aber hatte er von dem in der Musik unkundigen Nachfolger allerlei Chicanen zu erdulden und griffen diese Kränkungen zuletzt auch seinen Körper an, der Ende Juli 1789 von einem Schlagfluß getroffen wurde. Schon seit zwei Decennien hatte M. für seinen Theil das Hornblasen aufgegeben und als Violoncellist in der kaiserl. Capelle gedient. Nun aber trat er ganz in den Ruhestand über, den er noch einige Jahre genoß. M. ist der Begründer der heutigen Hornmusik in Rußland, welche auf einer hohen Stufe steht und die Meisterwerke der Tonkunst mit großer Präcision ausführt. M. selbst hat über die Abrichtung im Hornblasen einen Tractat geschrieben, den sein Biograph Joh. Chr. Hinrichs herausgegeben hat. Von eben diesem Hinrichs rührt auch die Schrift her: [434] „Entstehung, Fortgang und jetzige Beschaffenheit der russischen Jagdmusik“ (Petersburg 1796, gr. 4°., mit 1 Kupfer u. 3 Notentabellen). Auch hatte M. eine Tochter, welche als Virtuosin auf dem Clavier zu St. Petersburg lebte.

Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel. gr. 8°.) Bd. III, Sp. 320. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. %87. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XV. Jahrg. (1824), S. 264, im Texte. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden 1857, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 382. – Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 258. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XX, S. 688. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 111.