BLKÖ:Martin, Vincenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 20. (Quelle)
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3. Vincenz Martin (geb. zu Valencia in Spanien nach Gerber 1754, nach Gräffer 1760, gest. 1816), ein äußerst beliebter Compositeur, der mehrere Jahre in Wien gelebt, daselbst seine besten Werke componirt, überhaupt um das Musikleben Wiens sich verdient gemacht hat und von dem mehrere Opern zu Wien im Stiche erschienen sind. Er scheint sich in Italien in der Musik ausgebildet zu haben, wurde Capellmeister des Prinzen von Asturien und kam dann nach Wien. Daselbst schrieb er mehrere Opern, von denen „Lilla, ossia una cosa rara“, welche im Jahre 1786 aufgeführt wurde, ungemein gefiel, und lange Zeit von keiner andern Oper, erst von Mozart’s „Zauberflöte“, verdrängt wurde. Mozart selbst legte in das zweite Finale seines „Don Juan“ zwei Gesangstücke aus derselben ein. Martin war es auch, der das seiner Zeit so beliebte Dilettanten-Concert, für den Winter auf der Mehlgrube (der heurige Mehlmarkt), für den Sommer im Augarten, errichtete. Später ging er nach Berlin, von dort nach St. Petersburg, wo er freundliche Aufnahme fand, als Capellmeister und Componist an der dortigen Oper angestellt und im Jahre 1798 vom Kaiser zum Hofrathe ernannt wurde. Im Stiche ist von seinen Compositionen erschienen: „Una cosa rara“, italienische Oper im Clavierauszuge (Wien 1786, Artaria ), auch als Flöten- und Violin-Quartette (ebd.); sie wurde in Wien als Festoper anläßlich der Vermälung des Prinzen Anton, nachmaligen Königs von Sachsen, mit der kaiserlichen Prinzessin Maria Theresia [Bd. VII, S. 82, Nr. 253) aufgeführt; – „L’arbore di Diana“ (Wien 1787, Artaria); – „Gli sposi in contrasto“, davon erschien die Ouverture et Arie ... [21] pour le Clav. (Wien 1794, bei Artaria) im Stiche; – „Il sogno. Cantata a 3 voci“ (Wien 1794, Artaria); – „XII Ariette italiane con accomp. di Cembalo, Arpa, o Chitarra“ (ebd.). Die genannten Compositionen sind auch in anderen Arrangements bei André in Offenbach, bei Rellstab in Berlin, bei Simrock in Bonn, und mehrere andere seiner Werke bei diesen und in Turin im Stiche erschienen. Ueber die Verwechslung dieses Vincenz Martin, der auch il Spagnuolo genannt wird, mit einem andern, Namens Johann Martin, genannt il Tedesco, vergleiche Gaßner’s „Universal-Lexikon der Tonkunst“, S. 590. Besonders bemerkenswerth ist, daß die Böhmen unseren Vincenz Martin, indem sie ihn Ignaz, aber wie z. B. Dlabacz (Bd. II, Sp. 262) und Hormayr’s „Archiv für Geschichte“ u. s. w. (Jahrg. 1824, S. 264, auch Vincenz Martini nennen, geradezu für sich in Anspruch nehmen und ihn einen gebornen Böhmen nennen, der zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Wien Mode gewesen. Das böhmische Unterhaltungsblatt „Lumír“ hat zuerst die Entdeckung des böhmischen Ursprungs Martin’s gemacht und die „Bohemia“ 1861, Nr. 277, S. 2630, diese Nachricht den Deutschen kundgegeben. Doch sind beide den Beweis dieser Annahme bisher schuldig geblieben. [Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 580. – Gerber (Ernst Ludwig). Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, J. G. I. Breitkopf, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 886. – Derselbe, Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 338.]