BLKÖ:Mayer, Anton (Tonkünstler und Schulmann)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 79. (Quelle)
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6. Mayer, Anton[BN 1] (Tonkünstler und Schulmann, geb. zu Dobrsch in Böhmen 21. Juni 1780). Der Sohn eines unbemittelten fürstlich Schwarzenberg’schen Schaffers. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er bei seinem Schwager August Skola, Schullehrer zu Nesamislitz. Dreizehn Jahre alt, begab er sich nach Winterberg, einem Städtchen im Piseker Kreise, wo er den pädagogischen Lehrcurs hörte, zugleich aber Generalbaßstudien machte. Nun diente er einige Zeit als Schulgehilfe und kam im Jahre 1801 in gleicher Eigenschaft nach St. Magdalena (vormals Haßlbach) bei Linz, wo er bis Ende August 1803 verblieb. Er brachte sich in dieser Periode kümmerlich durch Unterrichtertheilen in den Schulgegenständen und in der Musik fort, auch spielte er Abends im Orchester des ständischen Theaters, wo er sich seiner Vielseitigkeit wegen – denn er spielte alle Instrumente – sehr gut verwenden ließ. Nun erhielt er eine Gehilfenstelle an der St. Joseph-Pfarrschule in Linz, und errichtete um diese Zeit eine Privat-Musikschule, in welcher er Schülern und Schülerinen Unterricht[WS 1] im Clavier, Violinspiele und im Gesang ertheilte. Im Jahre 1805 wurde er an der St. Mathias-Pfarrschule angestellt, und brachte die bis dahin verwahrloste Anstalt durch seinen Eifer und seine unermüdliche Thätigkeit zum Aufschwunge, wie er auch als Regenschori für die Vervollkommnung der Musik Tüchtiges leistete. Ende Juli 1810 wurde er wirklicher Schullehrer und Regenschori zu St. Mathias in Linz; im Jahre 1814 auch Capellmeister des Linzer Bürgercorps, welche Stelle er bis zur Auflösung des Corps bekleidete. Als Schullehrer entwickelte er eine höchst ersprießliche Wirksamkeit, dabei behielt er die Förderung der Musik stets im Auge und hat auch nach dieser Seite hin namhafte Verdienste sich erworben. Im Jahre [80] 1825 errichtete er eine Privat-Zeichnungsschule, in welcher arme Schüler und Schülerinen nicht nur unentgeltlichen Unterricht, sondern auch die nöthigen Zeichenrequisiten umsonst erhielten. In einer von ihm im Jahre 1839 errichteten Privat-Musikschule ertheilte er selbst Unterricht im Gesange, Violin- und Violoncellspiele. Als im Jahre 1840 zu Linz eine neue Schule errichtet und als Filialschule jener zu St. Mathias einverleibt wurde, übergab man die Leitung derselben M. mit dem Titel eines dirigirenden Schullehrers. Schon im Jahre 1810 trug sich M. mit der Idee, einen Pensionsfond für Schullehrer-Witwen und Waisen in Linz zu gründen. Mannigfacher Hindernisse wegen aber mußte er diese Idee aufgeben. Da reisten im Jahre 1816 zwei Schullehrer aus Oberösterreich nach Wien, um in einer Audienz von Sr. Majestät dem Kaiser die Pensionirung der Schullehrer-Witwen und Waisen und eine Verbesserung der Existenz der Schullehrer überhaupt zu erbitten. Als die Bittsteller keinen günstigen Bescheid erhielten und der Kaiser sie aufforderte, auch für Oberösterreich einen Witwenfond zu bilden, wie er anderwärts bereits bestand, nun erst fand Mayer’s ursprünglicher Plan Anklang, eine Versammlung der Schullehrer Oberösterreichs fand Statt, Statuten nach dem Muster des böhmischen, mährischen und des Wiener Pensionsfondes wurden entworfen und 1820 von Sr. Majestät genehmigt. Durch Aufführung eines großen Tonwerkes: „Christus am Oelberge“, von Beethoven, wurde das erste Stammcapital gewonnen, im Jahre 1824 gestattet, daß jährlich ähnliche Productionen zum Vortheile des Schullehrer-Witwen- und Waisenfondes abgehalten werden und an denselben Staatsbeamte öffentlich mitwirken dürfen, zugleich schenkte der Kaiser dem Fonde die ansehnliche Summe von 2000 fl. Der glückliche Erfolg der Aufführung des Tonwerkes gab M. den Gedanken ein, mit mehreren Dilettanten und Musikfreunden einen Musikverein zu gründen. Karl Eugen Fürst Lamberg, der in Linz lebte und in dessen Hause Mayer Musikunterricht ertheilte, die Direction der Hausopern führte und zu Familienfesten Cantaten schrieb, förderte durch Zusicherung einer jährlichen Summe zur Anschaffung von Musikalien und durch Ueberlassung eines geeigneten Locals in seinem Herrschaftshause diese Idee, es wurden sofort die Statuten verfaßt, der Allerh. Sanction unterbreitet und genehmigt. So entstand im Jahre 1821 der noch bestehende Linzer Musikverein, dessen Oberleitung von dem Ausschusse M. übertragen wurde. Wegen Mißhelligkeiten schied M. im Jahre 1838 aus dem Vereine. Auch als Compositeur war M. vielfach thätig. Zur Zeit, als er Capellmeister des Linzer Bürgercorps war, schrieb er für dasselbe Märsche und mehrere andere Tonstücke, sonst noch componirte er verschiedene Cantaten zu festlichen Gelegenheiten u. dgl. m. Vornehmlich machte er sich aber dadurch verdient, daß er, als der Musikverein gegründet war, die Meisterwerke der Tondichter aller Nationen zur Aufführung brachte, so z. B. unter anderen im Jahre 1823 das Oratorium „Timotheus“, 1825 die Oper „Armida“, 1826 das Oratorium „Das Weltgericht“, 1831 die Oper „Tancred“, 1836 das Oratorium „Die Schöpfung“ u. s. w. Alle diese Productionen leitete M. persönlich, wie auch sonst jene bei festlichen Anlässen, Serenaden, Kammermusiken und Festconcerten, die er veranstaltete. So hat M. durch [81] tüchtige Leitung des Schulunterrichtes, durch Gründung des Pensionsfondes für die Schullehrer-Witwen und Waisen Oberösterreichs in humanistischer Weise, durch Gründung des Musikvereins aber, durch Aufführung großer Tonwerke, und durch Bildung junger tüchtiger Musikkräfte das Musikleben in Oberösterreich und vornehmlich in Linz in erfolgreichster Weise gefördert. Wenn er noch lebt, müßte er im hohen Greisenalter von 87 Jahren stehen. Ueber seinen Sohn Emil, der auch ein tüchtiger Musicus geworden, vergleiche die Lebensskizze S. 98, Nr. 27.

Wiener allgemeine Musik-Zeitung. Herausgegeben von August Schmidt (Wien, 4°.) I. Jahrgang (1841), Nr. 85: „Gallerie jetztlebender, um die Tonkunst verdienter Schulmänner und Chorregenten. Als Beitrag zur vaterländischen Kunstgeschichte. Anton Mayer“; – dieselbe, II. Jahrgang (1842), Nr. 75, S. 308, in den „Geschichtlichen Rückblicken“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Mayer, Anton [Bd. XVIII, S. 79, Nr. 6], gestorben 27. August 1854.
    Bericht über das Wirken des Musikvereins in Linz während seines fünfzigjährigen Bestandes vom Jahre 1821 bis 1871. Herausgegeben vom Vereins-Ausschusse (Linz 1871, Jos. Feichtinger’s Erben, 8°.) S. 5. [Bd. 28, S. 365.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Unterrricht.