BLKÖ:Michna Freiherr von Waitzenau, Emanuel Peter Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 225. (Quelle)
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Michna Freiherr von Waitzenau, Emanuel Peter Graf (Professor der Landwirthschaft in Prag, geb. zu Stienowitz in Böhmen 18. December 1772, gest. zu Prag 16. November 1827). Entstammt einer alten böhmischen Adelsfamilie, welche sich im Čechischen Michna z Vacinova schreibt [Näheres in den Quellen]. Emanuel Peter war ein Sohn des Grafen Karl, k. k. Majors im Kürassier-Regiments Graf Daun, aus dessen Ehe mit Johanna gebornen Gräfin Bubna. Im Alter von 16 Jahren trat Emanuel Peter in[WS 1] die kaiserliche Armee und focht im Infanterie-Regimente Baron Stain gegen die Türken, dann als Lieutenant im Kriege gegen Frankreich, wurde in der Festung le Quesnois Kriegsgefangener und nach St. Dizier gebracht. Nach seiner Auswechslung im Jahre 1795 trat er vor der Hand bei dem Kreisamte in Pilsen als unbesoldeter Praktikant ein und blieb auf diesem Posten bis zu Ende 1797, nun kehrte er wieder zur militärischen Laufbahn zurück, trat zuerst im Dragoner-Regimente Erzherzog Ferdinand, nach dessen Auflösung (1803) bei Latour-Chevauxlegers ein, und focht als Adjutant des Feldzeugmeisters Grafen Klenau [Bd. XII, S. 70] in den Feldzügen gegen Frankreich. Im Jahre 1804 verließ er für immer den Militärdienst, indem er schon früher (1801) sich mit Maria Theresia gebornen Freiin Wiedersperger von Wiedersberg vermält hatte. In einiger Zeit zog er sich auf das angekaufte Gut Zahradka unweit Tabor zurück, welches er mehrere Jahre bewirthschaftete. Unglückliche Familienverhältnisse in Verbindung mit langwierigen Processen hatten seine völlige Verarmung zur Folge. Das Gut wurde verkauft und M., der sich während einer zehnjährigen Praxis als Landwirth einen Schatz von theoretischen und praktischen Kenntnissen erworben hatte, trat zur Zeit, als der erste Secretär der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft von Böhmen, Dr. Christian Mikan, eine wissenschaftliche Reise nach Südamerika unternommen hatte, als zweiter Secretär bei dieser Gesellschaft ein. Nach Mikan’s Tode wurde er erster Secretär, und brachte Registratur und die reiche Bibliothek der Gesellschaft, welche in völliger Unordnung, kaum oder doch nur schwer benützbar waren, in musterhafte Ordnung. Als der Professor der Landwirthschaft an der Prager Hochschule, A. von Zürchauer, im Jahre 1817 starb, übernahm M. die Supplirung dieser Lehrkanzel und behielt sie, bis er im März 1820 definitiv angestellt wurde. Schon im Jahre 1812 war die Lehrkanzel der Landwirthschaft, welche bis dahin bei der Universität sich befand, mit dem polytechnischen Institute vereinigt worden, die landwirthschaftlichen Vorträge wurden jedoch an der Universität gehalten und M. führte auch den Titel eines Universitäts-Professors. Da führte Graf Michna im Einverständnisse mit Director Franz Joseph Ritter von Gerstner [Bd. V, S. 161] im Schuljahre 1820/21 Vorlesungen über Verwaltungskunde am polytechnischen Institute ein, welche dazu bestimmt waren, die Vorlesungen über Landwirthschaftslehre, die wie bisher an der Universität fortgesetzt wurden, zu ergänzen und so für die zahlreichen Wirthschaftsämter in Böhmen gründlich vorgebildete Beamte zu liefern. Ein besonderes Augenmerk richtete M. auf die landwirthschaftlichen Geräthe, für deren Beischaffung die geringe [226] Summe von 300 fl. W. W. ausgesetzt war. Als Mitglied vieler landwirthschaftlicher Vereine in Deutschland, ja selbst mehrerer überseeischer Vereine, bot er Alles auf, um aus allen Staaten die daselbst am meisten gerühmten und anerkannt zweckmäßigsten Ackerbaugeräthe im verkleinerten Maßstabe, aber als brauchbare Modelle richtig verfertigt, anzuschaffen. Seine Stellung als Secretär einer ob ihrer Thätigkeit gerühmten landwirthschaftlichen Gesellschaft und als Mitglied vieler solcher Vereine erleichterte ihm in vielen Fällen die Erwerbung, wobei er auch nicht selten aus seinem eigenen Gehalte zusetzte. In dieser Weise hatte er das landwirthschaftliche Cabinet der Gesellschaft auf mehr denn 300 Modelle und das Cabinet selbst zu einem der reichsten emporgebracht. Ebenso als Lehrer wie als Secretär der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft hat sich M. namhafte Verdienste erworben. Leider entriß ihn der Tod im Alter von erst 54 Jahren viel zu früh seiner ersprießlichen Wirksamkeit. Seine Gemalin, Maria Theresia, Sternkreuz-Ordensdame, überlebte ihn 25 Jahre, sie starb im Jahre 1852. Aus dieser Ehe entstammt ein Sohn Friedrich Johann (geb. 15. März 1804), k. k. Kämmerer und Kreishauptmann zu Königgrätz.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) V. Jahrg. (1827), II. Theil, S. 954, Nr. 367. – Jelinek (Carl), Das ständisch polytechnische Institut zu Prag. Programm u. s. w. (Prag 1856, Gottl. Haase Söhne, 8°.) S. 213.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: er in.