BLKÖ:Moretti, Giuseppe

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Moretti, Antonio
Band: 19 (1868), ab Seite: 85. (Quelle)
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Moretti, Giuseppe (Naturforscher, geb. zu Roncara in der Delegation Pavia 30. November 1782, gest. zu Pavia 2. December 1853). In Pavia [86] beendete er seine Studien, wendete sich dann der Pharmacie zu und erlangte im Jahre 1803 daraus die Magisterwürde. Im Jahre 1804 wurde er Repetent der pharmaceutischen Chemie an der Universität von Pavia, und kam von dort im Jahre 1807 als Lehrer der Chemie und Naturgeschichte an das Lyceum nach Udine, und im Jahre 1811 in gleicher Eigenschaft an das Lyceum nach Vicenza, wo er aber zugleich Botanik und Landwirthschaft vortrug. Im Jahre 1812 schon erhielt er dieselbe Lehrkanzel am Lyceum der Porte nuova zu Mailand, wo ihm auch bald darauf die Direction der Pulver- und Salniter-Laboratorien übertragen wurde. Als später die Lehrkanzel der Landwirthschaft an der Universität von Pavia in Erledigung kam, erhielt M. dieselbe im Jahre 1815 anfänglich provisorisch, später aber definitiv. Noch übernahm er später, und zwar zuerst als Supplent das Lehramt der Botanik ebenda, und versah es als solcher, bis ihm im Jahre 1835 dasselbe gleichfalls definitiv verliehen wurde. Im Jahre 1839 wurde M. wirkliches Mitglied des I. R. Istituto lombardo di scienze lettere ed arti. Moretti bekleidete sein Lehramt bis an seinen Tod, der ihn im Alter von 71 Jahren dahinraffte. Moretti war in den Fächern der Chemie, Physik, Botanik und Landwirthschaft auch schriftstellerisch thätig, und das Giornale di fisica, chimia e storia naturale, wie die Atti dell’ Istituto lombardo enthalten viele seiner Abhandlungen. Unter seinen chemischen Arbeiten sind zunächst anzuführen: „Nuovo processo per la preparazione del mercurio dolce“, gemeinschaftlich gefunden mit Professor Melandri; – „Scoperta dell’ ossisolfato di stronziana ne’ corpi marini petrificati“; – Sull analisi della china di Santa Lucia“; – „Sul modo d’ottenero un ossido di Mercurio da potersi con vantaggio sostituire al mercuiro solubile dell’ Hahnemann e del Moscati“; – „Sopra certi composti fulminanti“; – „Scoperta d’un acido detonante“, welches er um das Jahr 1805 entdeckte und über welche Entdeckung sein Biograph Veladini in der Gedächtnißrede, die er zu Ehren Moretti’s in der Sitzung vom 29. December 1853 im Istituto lombardo las, die ironische Bemerkung macht, „daß die Existenz dieser im Anbeginn geläugneten, ja gleichsam verspotteten Entdeckung nach Verlauf einiger Jahre bald ein neues Blatt zu dem Ruhme einer Berühmtheit jenseits der Berge (Liebig) gebildet haben würde, wenn nicht Moretti das Verdienst der Entdeckung für sich in Anspruch genommen hätte. Wie schon bemerkt, beschäftigte sich M. mit besonderer Vorliebe auch mit Botanik und sind unter den Arbeiten auf diesem Gebiete anzuführen sein „Prodromo d’una monografia delle specie appartenenti al genere morus; – ferner Bemerkungen über verschiedene Pflanzen, welche zur vicentinischen Flora anzureihen sind; – sein Versuch, die Synonymik der Saxifragen zu berichtigen – und seine Monographien über die Verbaschen, Primeln, Crocus und mehrere andere Pflanzen. Ueberdieß besorgte er die Uebersetzung des Wörterbuches der Chemie von Klaproth und Wolf, welchem er zahlreiche Bemerkungen aus seinen eigenen Experimenten beifügte, ferner die Uebersetzung der Landwirthschaft von Trautmann, dann die Herausgabe der Bibliotheca agraria, einer Sammlung hervorragender landwirthschaftlicher Werke, in welcher mehrere seiner eigenen Schriften aufgenommen sind. An der [87] Herausgabe seiner neuen Beobachtungen über die Gattung „Morus“, welcher er durch mehrere Jahre ein so beharrliches Studium widmete, hinderte ihn der Eintritt des Todes. Moretti hatte in seinem Triebe, sich wissenschaftlich gründlich zu bilden, Reisen nach Deutschland und England unternommen, mit bedeutenden Naturforschern dieser Länder persönliche Verbindungen angeknüpft, in London das Linné’sche Herbar studirt und sein eigenes Vaterland zu wissenschaftlichen Zwecken nach verschiedenen Richtungen bereist. Was die ihm gewordenen Ehren und Würden betrifft, so war er zuerst Decan, dann Rector magnificus der Universität Pavia, Vice-Präsident der botanischen Section auf den Versammlungen der Naturforscher zu Pisa und Turin, Präsident auf jener zu Padua und Mitglied vieler gelehrten Akademien Europa’s.

Giornale dell’ I. R. Istituto Lombardo di Scienze lettere ed arti (Milano 1857, 4°.) Tomo IX, p. 495. – Giornale dell’ Ingegnere-Architetto (Milano, 8°.) Anno I, p. 248. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 202. – Bericht über die österreichische Literatur der Zoologie, Botanik und Paläontologie aus den Jahren 1850, 1851, 1852 und 1853 (Wien 1855, W. Braumüller, 8°.) S. 79, 191, 192 u. 193. –