BLKÖ:Neumann, Johann Balthasar

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 20 (1869), ab Seite: 265. (Quelle)
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Neumann, Johann Balthasar auch Balthasar allein (Architekt, geb. zu Eger in Böhmen im Jahre 1687, gest. im Jahre 1753). Ueber die Jugend- und Bildungsgeschichte N.’s, der sich in der Folge durch seine Bauten einen so ausgezeichneten Namen erworben, ist wenig bekannt. Allem Anscheine nach hatte er dieselbe in seinem Vaterlande Böhmen verlebt und mag sich daselbst zunächst in den mathematischen Wissenschaften ausgebildet haben. Im Jahre 1711 trat er als Stückgießer in das Würzburg’sche Artilleriecorps. Sein Gebieter, der Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1719–1724 Bischof von Würzburg), die tüchtigen Anlagen N.’s erkennend, ließ ihn reisen und N. besuchte Italien, Frankreich und die Niederlande, wo er überall die architektonischen Meisterwerke der Vorzeit studirte und sich selbst zu einem ausgezeichneten Architekten ausbildete. Wenn es ihm, trotz seiner Tüchtigkeit und seines echtkünstlerischen Blickes nicht gelang, die Fesseln völlig zu brechen, welche zu seiner Zeit die freie kunstgemäße Entwickelung der Baukunst in Deutschland niederhielten, so hatte dieß zunächst darin seinen Grund, weil man an maßgebender Seite noch zu sehr am Herkömmlichen, an den für schön gehaltenen, in Wahrheit aber unschönen Verschnörkelungen und Verdrehungen hielt, und überhaupt alles [266] Reformiren mit scheuen und ängstlichen Blicken betrachtete. Wie sehr N. auch selbst von den Gesetzen der Einfachheit und Schönheit, die ihm aus allen Kunstwerken entgegenblickten, durchdrungen war, so konnte er nur allmälig dieselben in seinen Werken walten lassen. Kann auch Neumann, schreibt Nagler, als Restaurator der Baukunst in Deutschland, die erst einige Decennien später die sie beengenden Fesseln abschüttelte, eigentlich nicht angesehen werden, so ist es doch gewiß, daß sich in seinen Werken edler Kunstsinn, ein heller Blick für Großartigkeit der architektonischen Form und wo er Zierden anbrachte, für guten Geschmack und wohlgefällige äußere Erscheinung ohne Ueberladung kundgibt. Unter den deutschen Baukünstlern seiner Periode gehört er zu den wenigen, welche durch gutes Beispiel einem geläuterten Geschmacke im Bauwesen Eingang zu verschaffen bemüht waren. Im Jahre 1744 wurde N. Oberst der fränkischen Kreisartillerie. Von den zahlreichen Bauwerken N.’s, die er innerhalb einer 40jährigen Thätigkeit theils selbst geschaffen, theils zu denselben die Pläne entworfen, sind zu nennen: die Kirche zu Neresheim mit den schönen Fresken Martin Knoller’s [Bd. XII, S. 161], das imposante Schloß in Würzburg, das bedeutendste Bauwerk jener Zeit im italienisch-französischen Style mit dem besonders prachtvoll wirkenden Treppenhause, die fürstlichen Residenzen in Bruchsal und Werneck, das Schönborn’sche Lustschloß zu Coblenz, dann die Abteikirche zu Schönthal, die Deutsch-Ordenskirche zu Mergentheim; von seinen Entwürfen und Plänen, nach denen die Bauten ausgeführt worden, sind aber anzuführen der Plan zur Hofkirche und zur Schönborn’schen Todtencapelle in Würzburg, zu der Kirche in vierzehn Heiligen, zu jener von Gösweinstein, zu. der zerstörten Klosterkirche in Schwarzach, zur Pfarrkirche in Hallfeld, zur unvollendet gebliebenen Deutsch-Ordenskirche in Nürnberg und zu noch siebenzig anderen Kirchen, Capellen, Schlössern, herrschaftlichen Gebäuden u. s. w. Auch hatte N. den Auftrag zur Anfertigung eines Planes für eine neue kaiserliche Residenz in Wien erhalten und denselben vollendet; jedoch kam er nicht zur Ausführung und der Plan selbst soll noch in Wien aufbewahrt sein.

Kugler (Franz), Handbuch der Kunstgeschichte (Stuttgart 1861, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Vierte Auflage, bearb. von Wilhelm Lübke, Bd. II, S. 272. – Kugler (Franz), Kleine Schriften, Bd. II, S. 420. – Deutsches Kunstblatt (4°.) Jahrg. 1851, S. 415. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. X, S. 204 [als Balthasar Neumann]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXIII, S. 477, Nr. 4. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1830 et s., 8°.) Tome XXXVII, p. 804.