BLKÖ:Pessina von Czechorod, Johann Thomas

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 57. (Quelle)
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3. Johann Thomas Pessina von Czechorod (Geschichtsforscher, geb. zu Poczatek, einem Städtchen in Böhmen, 19. December 1629, gest. 2. Februar 1680). Sein Vater war ein schlichter Bürgersmann zu Poczatek, wo er das Fleischerhandwerk ausübte, aber zugleich eine Rathsherrnstelle bekleidete. Der Sohn bildete sich an dem Gymnasium zu Neuhaus und an der Hochschule zu Prag, wo er sich an Böhmens berühmten Historiker, den Jesuiten Balbin, anschloß und durch diesen später die Pfründe zu Kosteletz an der Elbe erhielt. Im Alter von 26 Jahren folgte er dem Rufe des böhmischen Oberstlandkämmerers Johann Friedrich Graf Trautmannsdorff als Dechant nach Leitomischl, wo sein schon früher gefaßter Gedanke, die Geschichte Mährens, in dem Sinne, wie es Balbin mit jener Böhmens gethan, zu bearbeiten, durch den Prämonstratenser-Abt von Obrowitz Gottfried Olenius und den mährischen Landes-Unterkämmerer Johann Jakardowsky nur noch mehr bestärkt wurde. Welche wichtigen Quellen und Archive P. dazu benützte, berichtet der rastlose Geschichtsforscher Mährens in der Gegenwart, Christian d’Elvert, in seiner „Historischen Literaturgeschichte von Mähren und Oesterreichisch-Schlesien“ (Brünn 1850, 8°.) S. 110 u. f. Später wurde Pessina Domherr zu Leitmeritz und im Jahre 1666 in gleicher Eigenschaft an das Prager Metropolitan-Capitel versetzt. Daselbst in stetem freundlichen Verkehre mit seinem früheren Gönner Balbin, mit Cruger und M. B. Boleluzky, durchforschte er die reichen Capitel-Sammlungen und förderte wesentlich seine begonnenen Arbeiten zu Mährens Geschichte. Leider ist von diesen wichtigen Ergebnissen sorgfältiger und gründlicher Forschung nur der bei weitem geringste Theil in die Oeffentlichkeit gekommen. Näheres über Pessina’s Nachlaß theilt wieder d’Elvert an bezeichneter Stelle mit. Pessina selbst wurde in der Folge Domdechant bei dem Prager Metropolitan-Capitel, Bischof von Semendria, kais. Rath und Comes Palatinus. Pessina’s im Drucke herausgegebene Schriften sind: „Prodromus Moravographiae“ (Leitomischl 1663), eine Beschreibung Mährens in čechischer Sprache, in welcher er in Umrissen und chronologischer Ordnung die politische und kirchliche Geschichte des Landes bis 1658 darstellt und zugleich Nachrichten von den Bischöfen, Capiteln und Klöstern des Landes gibt; – „Ucalegon Germaniae, Italiae et Poloniae Hungaria flamma belli Turcici ardens“ (Pragae 1663, drei Auflagen und eine böhmische Uebersetzung), worin er die Christenheit gegen die immer weiter vordringenden Türken zum Kampfe aufruft; – „Phosphorus septicornus stella alias matutina, hoc est metropoli divi Viti ecclesiae Pragensis majestas et gloria“ (Pragae, 1673), eine Verherrlichung der Prager Domkirche; – „Mars Moravicus ...“ (Pragae 1677, Fol.), nur der 1. Theil, der bis zum Tode des Königs Ludwig in der Schlacht bei Mohács (1526) reicht. Den 2. Theil hatte P. bis in das vierte Jahrzehend des 17. Jahrhunderts (bis 1632) vollendet, der weiteren Ausführung und Indrucklegung wurde er durch seinen im kräftigsten Mannesalter von 51 Jahren erfolgten Tod entzogen. Wie der Druck desselben später aus mancherlei Ursachen unterblieb, berichtet d’Elvert am ang. Orte (S. 115). Das Original der Handschrift befindet sich in der Kremsierer erzbischöflichen Bibliothek. Abschriften davon [58] besitzen das Brünner Franzens-Museum, das ständische Archiv in Brünn und Herr d’Elvert. Pessina ist „der Vater der mährischen Geschichte“ genannt worden, ein Name, auf den er in der That vollen Anspruch hat. [Pelzel (Franz Martin), Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler nebst kurzen Nachrichten von ihrem Leben und Wirken (Prag 1773, Wolfgang Gerle, 8°.) Theil I, S. 25. – Allgemeines historisches Lexikon (Leipzig 1731, Thom. Fritschens Erben, Fol.) Bd. III, S. 303. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd IV, S. 184. – Slovník naučný, wie oben, Bd. VI, S. 283, Nr. 1. – Bohuslai Balbini Bohemia docta etc. Edidit P. Candidus a S. Theresia (Pragae 1777, J. C. Hraba, 8°.) p. 47. – Jungmann, loco cit., S. 609 [nach diesem gest. am 2. August 1680]. – Porträt. Unterschrift: Thom. Joan. Pessina a Czechorod S. M. P. E. Decanus. J. Kleinhardt del. 1772, J. Baltzer sc. (Prag, 8°.), mit Abbildung seines Wappens.] –