BLKÖ:Prónay von Próna und zu Tót-Blathnitza, Gabriel (II.) Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Prosch, Peter
Band: 24 (1872), ab Seite: 14. (Quelle)
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Prónay von Próna und zu Tót-Blathnitza, Gabriel (II.) Freiherr (Staatsmann, geb. zu Neusohl in Ungarn 1. April 1812). Der Enkel des durch seine Gelehrsamkeit seiner Zeit berühmten Gabriel Prónay, verlor er, erst 12 Jahre alt, seinen Vater Joseph. Seine Mutter, eine geborne Kubinyi von Felsö-Kubini, übernahm nun die Leitung seiner Erziehung. P. besuchte das öffentliche Gymnasium zu Rosenau und ging von hier nach Preßburg, wo er die philosophischen und juridischen Studien beendete. Nun trat er in den öffentlichen Dienst, wurde zuerst Rechtspraktikant und hierauf Vice-Notär des Neograder Comitates. Sein Wissen, seine Thätigkeit und große Rechtlichkeit erwarben ihm das Vertrauen seiner Mitbürger in solchem Maße, daß ihn das Thuroczer Comitat im Jahre 1840 als Deputirten in den Reichstag sandte, in welcher Stellung er sich durch sein bedeutendes Rednertalent – eine glänzende Probe davon gab er mit seiner am 4. Juli 1840 gehaltenen Rede über die Redefreiheit – bemerkbar machte. Nach Beendigung der Reichsraths-Session unternahm P. mehrere größere wissenschaftliche [15] Reisen. Er besuchte Deutschland, Frankreich, Schweden, Dänemark und die Niederlande, und wandte sein Hauptaugenmerk auf die in den einzelnen Staaten bestehenden wissenschaftlichen Institute. In seine Heimat zurückgekehrt, widmete er sich ganz den Wissenschaften, wobei ihn die von seinem Großvater Gabriel ererbte Bibliothek wesentlich unterstützte. Zu derselben Zeit beschäftigte er sich auch mit literarischen Arbeiten, vorzüglich über ungarische Verhältnisse, die größtentheils in ausländischen Blättern erschienen sind. Im Jahre 1848 abermals von dem Comitate Thurocz zum Deputirten gewählt, nahm P. jedoch nur bis December g. J. an den Berathungen der Nationalversammlung Theil. In der Folgezeit lebte er zurückgezogen seinen Studien oder auf Reisen. In dem denkwürdigen Landtage von 1861 schloß sich P. im ungarischen Oberhause in der Sitzung vom 17. Juni der von Deak im Unterhause entworfenen Adresse an. In dieser daselbst zu diesem Zwecke gehaltenen Rede verlangt P. nach Aufzählung alles Dessen, was er selbst trotz seiner Loyalität erlitten, daß man die Fundamentalgesetze, die pragmatische Sanction, den Artikel 10 vom Jahre 1791 und die auf der Basis der Rechtsgleichheit und Reciprocität beruhenden Gesetze des Jahres 1848 aufrecht erhalte, wahre und hiedurch die Restitutio in integrum erwirke. Nachdem er die Maßregeln der cisleithanischen Regierung in schonungsloser Weise besprochen, führte er noch folgende Thatsachen, welche jedem constitutionellen Principe entgegenstehen, an. „Ein Factor des Absolutismus“, ruft er, „ist ferner die Bestimmung der Landessteuer, welche im Widerspruche mit unseren klaren Gesetzen, ja mit Ignorirung des Reichstages ausgeworfen und eben im Momente durch militärische Macht eingetrieben wird, was denn doch wahrlich die wahrhafteste Satyre auf das constitutionelle Leben ist. Ein fernerer Factor des Absolutismus ist weiter die Fernhaltung und die Verbannung jener unglücklichen Compatrioten, welche sich für die sanctionirten vaterländischen Gesetze opferten. Ein anderer Factor ist auch die Einführung der Monopole; ein solcher Factor ist schließlich die ganze Verwaltung des Landes, insofern diese nicht im Sinne der 48ger Gesetze durch ein ungarisches verantwortliches Ministerium gehandhabt wird.“ Zum Schlusse seiner Rede bemerkt P., daß es wohl möglich sei, daß die Adresse keinen Erfolg haben und das alte Regierungssystem bleiben wird, daß aber die Basis, auf welcher sie beruhe, die Bajonette, eine sehr zweischneidige Waffe sei, die sich auch gegen die Regierung selbst wenden könne, wobei Redner auf Italien hinweist und die Meinung ausspricht, daß nur die Liebe und das Vertrauen eine sichere Grundlage der Regierung bilden, und, wenn Ungarn auch keine Gegenwart habe, ihm doch eine schöne und glorreiche Zukunft gewiß sei. P. ist unter den Magnaten Ungarns einer der größten Pfleger der schönen Künste und Wissenschaften. Schon als Knabe zeigte er nicht nur große Vorliebe für Musik, sondern componirte auch selbst, und seine ungarischen Musikstücke – in Wien bei Diabelli, nicht, wie es bei Danielik-Ferenczy heißt, Drabelli, gedruckt, ernteten großen Beifall. Nach seiner im Jahre 1849 erfolgten Uebersiedlung nach Pesth erwählte ihn der dortige Gesangsverein zum Präsidenten und derselbe verdankt es auch den Bemühungen P.’s, daß er ein Conservatorium erhielt, an welchem jetzt sechs Lehrsitze für Musik [16] und die nöthigen Hilfswissenschaften errichtet sind. Auch auf dem Gebiete der Literatur ist P., wie bereits erwähnt, thätig. Im Jahre 1850 erschien von ihm eine Flugschrift: „Ansichten eines Constitutionellen in Ungarn“. Einige Jahre später gab er zwei Prachtwerke – sie sind es im vollen Sinne des Wortes – unter dem Titel: „Vázlatok Magyarhon népélétéből“, d. i. Skizzen aus dem Volksleben in Ungarn (Pesth 1854, Geibel, Qu. Fol.) mit 23 Aquarellbildern von Weber, Barabas u. A., und „Ungarisches Jagd-Album“ (Les Chasses et le Sport in Hongrie) mit 25 Gemälden in lithographischem Oelbilderdrucke (ebd., gr. Fol.) heraus. P. ist überdieß ein werkthätiger Mäcen der Künste und Wissenschaften, und Künstler wie Schriftsteller erfreuen sich seiner Unterstützung. Erst in letzterer Zeit – in einem Berliner Briefe vom 4. März 1870 – wurde berichtet, daß P. sich mehrere Wochen in Berlin, und zwar zu einem ganz speciellen, sein Vaterland betreffenden Zwecke aufgehalten habe. Nachdem nämlich der Plan gescheitert, in Pesth eine deutsche Universität oder wenigstens eine theologische (evangelische) und philosophische Facultät zu errichten, hat der Generalconvent der Augsburgischen Confession in Ungarn – und Baron Prónay ist General-Inspector sämmtlicher Kirchen und Schulen A. C. in Ungarn – beschlossen, Alles zu thun, was das Studium der ungarischen Deutschen auf deutschen Hochschulen fördern kann und zunächst die seit alten Zeiten an letzteren bestehenden Stiftungen und Stipendien, welche größtentheils unbenützt ruhten, armen Studirenden wieder nutzbar zu machen. Diese Stiftungen sind fast alle an den kleinen Universitäten und wurden, da sich die Studirenden nach den berühmteren Hochschulen drängten, meistens vernachlässigt, P. wollte dann in gleicher Absicht auch die übrigen deutschen Residenzen besuchen. Die großen Verdienste, welche sich P. um die politische, kirchliche und national-ökonomische Entwicklung seines Vaterlandes erworben, blieb nicht unbeachtet. P. ist königlicher Kämmerer, correspondirendes Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften. König Friedrich Wilhelm IV. ernannte ihn zum Ritter des Johanniter-Ordens und mehrere andere Fürsten schmückten ihn mit Orden und Ehrenzeichen. P. ist mit Karoline Freiin Podmaniczky von und zu Aszód vermält und stammen aus dieser Ehe vier Kinder, wie dieß aus der angeschlossenen Stammtafel ersichtlich.

Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jacab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) I. Theil, S. 372. – Hajnal. Arczképekkel és életrajzokkai diszített Album. Tulajdonos szerkesztő és kiadó: Sarkady István. Az Arczképeket kőre rajzolta: Marastoni József, d. i. Das Vaterland. Bilder- und biographisches Album. Herausgegeben von Stephan Sarkady, mit lithographischen Bildnissen von Marastoni (Wien 1867, Sommer, 4°.) – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, 4°.) Jahrgang 1857, Nr. 47, S. 505: „Báró Prónay Gábor“. – Buda Pesti Viszhang. Héti Köszlöny (illustr. Pesther Blatt, 4°.) 1856, Nr. 38: „B. Prónay Gábor“. – Der ungarische Reichstag 1861 (Pesth 1861, Osterlamm, 8°.) Bd. II, S. 443. – Borbis (Johannes), Die evangelisch-lutherische Kirche Ungarns in ihrer geschichtlichen Entwicklung (Nördlingen 1861, C. H. Beck, 8°.) S. 359. – Sonntags-Zeitung (Pesther illustr. Blatt, 4°.) 1857, Nr. 51, S. 402. – Fremden-Blatt. Herausg. von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1870, Nr. 66, in den Tagesneuigkeiten. – Porträte. 1) Unterschrift: „Báró Prónay Gábor, Val. Belső titkos Tanácsos: az ágost. hitvallásnak világi Főgonduska, stb. (Marastoni Jos. lith. 4°.) [17] [auch in Sarkady’s „Hajnal“]; – 2) Holzschnitt-Bildnisse in den obenerwähnten Nummern der „Sonntags-Zeitung“, „Vasárnapi ujság“ und „Buda Pesti Viszhang“.