BLKÖ:Prosch, Peter

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
Band: 24 (1872), ab Seite: 17. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Peter Prosch in der Wikipedia
Peter Prosch in Wikidata
GND-Eintrag: 118742019, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Prosch, Peter|24|17|}}

Prosch, Peter (Bauer, geb. zu Ried im Zillerthale Tirols 28. Juni 1744, gest. ebenda 5. Jänner 1804). Der jüngste Sohn armer, aber reich mit Kindern gesegneter Eltern, verlor er dieselben schon in seinem neunten Jahre. Mit zehn Jahren ging P. als Hausirer nach Bayern und kam da auf seiner Wanderung auch nach Tischingen, wo ihn Fürst von Taxis als Läuferknaben in seine Dienste nahm. P. blieb jedoch hier nicht lange, sondern kehrte nach Tirol, in seine Heimat, zurück und wurde dort Hirte. Da kam ihm der originelle Gedanke – er erzählt in seiner Lebensbeschreibung, die Begebenheit habe ihm geträumt – zur Kaiserin Maria Theresia nach Wien zu gehen und die Monarchin um die Verleihung eines Anwesens zu bitten. Er führte diesen Entschluß aus und gelangte 1757 wohlbehalten in Wien an. P. hatte eine Anzahl Empfehlungsbriefe an hohe und einflußreiche Männer, wie an den Cardinal Migazzi, Grafen Johann Chotek, Grafen Künigl u. A. Als P. bei Letzterem war, sagte ihm dieser, er müsse seine Wünsche zu Papier bringen. P. folgte dem Rathe des Grafen und verfaßte folgende Schrift an die Monarchin: „Meine liebe gute Kaiserin. Ich hab’ daheim in meinem Vaterland von den Leuten sagen hören, daß du ein so gutes Mensch bist, und mir hat bei meiner Schwester unterm Dach, auf dem Heu geträumt, ich sei zu dir gekommen und du hast mir einen Hut voll Geld geschenkt und hast mir lassen ein Branntweinhäusel bauen. Ich bitt dich gar schön, sei so gut und thu es mir; ich will meiner Lebtag für dich beten. Peter Prosch aus Ried in Tyrol.“ Graf Künigl nahm lachend den Brief und überreichte ihn der Kaiserin. Dieselbe ließ P. zu sich rufen, fand an seinem originellen Wesen so viel Gefallen, daß sie ihm eine Hand voll Ducaten schenkte und ihm seine Bitte, die er auf so drastische Art vorgebracht, gewährte. P. kehrte nun in seine Heimat zurück, wo ihm auf Kosten der Kaiserin ein Haus gebaut wurde. Mit sechzehn Jahren, zu Ostern 1762, heirathete er und lebte jetzt größtentheils auf seinem Gütchen. Bald verband er mit seinem Geschäfte einen Handschuhhandel nach Deutschland, besonders für die Höfe von München, Anspach und Würzburg. Wenn er an einen der genannten Höfe, besonders aber nach München oder Würzburg kam, so übernahm er sehr häufig, natürlich gegen gute Bezahlung, die Rolle eines Spaßmachers oder Hofnarren. Im Jahre 1786 besuchte er auf Kosten des Markgrafen von Anspach Paris, wo er zu Versailles der Königin Maria Antoinette, die ihn sehr freundlich aufnahm, sechs Dutzend Paar Handschuhe überreichte. P. hat sein ganzes Leben, seine Reisen und Abenteuer an den verschiedenen Höfen in einem Werke, das jetzt schon sehr selten geworden, getreu geschildert. Der Titel desselben lautet: „Leben und Ereignisse des Peter Prosch, eines Tyrolers von Ried im Zillerthale u. s. w.“ (München 1789, 8°.); es ist ein lehrreiches und lesenswerthes Volksbuch, auf welches ob der nicht uninteressanten Schicksale dieses naiven Bauers hingewiesen wird. Das Büchlein ist auch in die zu Ende der Vierziger-Jahre erschienen Sammlung: „Neue Volksbücher. Unter Mithilfe Mehrerer herausgegeben von C. Rienitz“ (Nieritz?) (Berlin, Vereinsbuchhandlung) aufgenommen, [18] in welcher es das 4. Heft bildet.

Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz 1823, Nr. 175–181: „Der Tyroler“, von Chr. August Fischer [diese Quelle gibt 1745 als P.’s Geburtsjahr an]. – Hamburger literarische und kritische Blätter, herausgegeben von Dr. F. A. Wille und F. Niebour, 1848, Nr. 114 und 115: „Neue Volksbücher. Unter Mithilfe Mehrerer herausgegeben von C. Rienitz“. – Staffler (Joh. Jac.), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen; in zwei Bänden (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. I, S. 708. –