BLKÖ:Quast, Johann Zacharias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Quaternik
Band: 24 (1872), ab Seite: 139. (Quelle)
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Quast, Johann Zacharias (Glas- und Porzellanmaler, geb. zu Birkenhammer bei Karlsbad in Böhmen 28. October 1814). Den ersten Unterricht erhielt er von seinen Vater Conrad Ferdinand Quast. Von seinem 19. Jahre an setzte er die Studien in Berlin fort, kehrte dann nach Prag zurück, ging 1835 nach Wien, 1836 nach Bamberg und Nürnberg. Im letztgenannten Jahre ließ er sich bleibend in Prag nieder, wo er unter Kadlik die dortige Kunstakademie besuchte. Bald lenkte er durch seine fleißig und talentvoll ausgeführten Arbeiten die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Seine ersten größeren Glasgemälde führte er für die Schloßcapelle des Kaisers Ferdinand in Reichstadt aus; es sind eine „heilige Ludmilla“, ein „heiliger Wenzeslaus“ und „der Heiland“, nach Kandler. Für das Schloß des Fürsten Rohan in Sichrow vollendete derselbe in den J. 1857 und 1858 fünf große Glasfenster nach Zeichnungen von Engerth: „Mariä Verkündigung“; – „Mariä Krönung“; – „den Besuch der Mutter Anna“; – „die Geburt Christi“ und „die Anbetung der heiligen 3 Könige“ darstellend. In den Jahren 1861–1863 arbeitete er ein großes Glasgemälde: „Mariä Himmelfahrt“, nach Titian, dann „Moses mit den Gesetztafeln“;– „die Madonna“, nach Dela Rose; – „die Nacht“, von [140] Correggio (750 fl.), und mehrere Altarbilder von großem Umfange. Mehrere große gemalte Glasfenster von seiner Hand befinden sich in der Cathedrale zu Prag und in jener zu Königgrätz. Von seinen anderen Arbeiten sind bekannt: „Der Raub des Ganymed“; – eine „heilige Dreifaltigkeit“, nach einer Composition von Scheiwl; – „Schmetterlinge“; – „Mädchen aus München“; – „Schlacht bei Waterloo“, die letzten drei auf Porzellan gemalt, u. m. a. Im Jahre 1864 brachten die Prager Blätter einen Nothruf des beschäftigungslosen Künstlers, der eine große Familie zu ernähren hat. Bald darauf erging von einem der ersten Industriellen Oesterreichs, dem Besitzer einer berühmten Porzellanfabrik, an Quast die Aufforderung zur Uebernahme eines Postens in dieser Anstalt. Quast zählt, nach dem Urtheile der Fachkritik, zu den besten Glasmalern der Gegenwart. Leider findet sein Talent nicht entsprechende Beschäftigung, obwohl die Preise seiner Arbeiten höchst bescheiden sind. Als Maßstab der Vergleichung diene folgende Thatsache: Der Preis eines Fensters der Münchener Aukirche betrug 30.000 fl. Ein von Quast ausgeführtes Fenster für die Königgrätzer Kathedrale, von demselben Flächeninhalt und ebenso großer Figurenzahl kostete 2200 fl. Aber leider sind seine Leistungen im Auslande wenig bekannt und die Versendung von Glasgemälden, besonders solcher, die einen größeren Umfang haben, auf Ausstellungen ist mit Schwierigkeiten, großen Auslagen und noch größerem Risico verbunden, welche der mittellose Künstler nicht auf sich nehmen kann.

Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1864, Abendblatt, Nr. 6: „Künstlerelend“. – Tagesbote aus Böhmen (Prager polit. Blatt) 1860, Nr. 22. – Bohemia (Prager belletr. u. polit. Blatt, 4°.) 1858, Nr. 113; – 1862, Nr. 105, in den „Prager Kunstausstellungsberichten“; – 1864, Nr. 17, in den Notizen; – Nr. 211 u. 212: „Die Glasmalerei in Prag“. – Praha (Prager illustrirtes čechisches Blatt, 4°.) 1870, S. 31. – Porträt. Im Holzschnitt ebenda, S. 17. – Im Verlage des Wiener Kunsthändlers L. T. Neumann sind vor Jahren „Acht mythologische Scenen“, lithographirt von Quast und Leybold, erschienen. Sie stellen dar: „Flora und Zefyr“; – „Galathea’s Triumphzug“; – „Antiope und Jupiter“; – „Psyche, von Zefyr entführt“; – „Jupiter und Danae“; – „Mars und Venus“; – „Anchyses und Venus“; – „Verzweiflung der Psyche“ Herausgeber dieses Lexikons kann nicht sagen, ob es Lithographien des obigen Glasmalers Johann Zacharias Quast, der übrigens im Jahre 1835 in Wien war, oder ob es Arbeiten eines anderen gleichnamigen Künstlers sind.