BLKÖ:Engerth, Eduard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Engert, Erasmus
Band: 4 (1858), ab Seite: 49. (Quelle)
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Engerth, Eduard[BN 1][BN 2] (Geschichtmaler geb. zu Pleß in Preußisch-Schlesien 1818). Bildete sich an der Wiener Kunstakademie vorzugsweise unter Kuppelwiesers Leitung. 1845 erhielt er mit seinem Bilde: „Kampf des Könige Ladislaus mit dem Kumanier Akus“ den großen Preis und zugleich damit die Reiseunterstützung nach Rom als kais. Pensionär. Daselbst begann und vollendete er das große vielbelobte Bild: „Gefangennehmung der Kinder Manfreds nach der Schlacht von Benevent im Jahre 1266“ (Lwd. H. 8′ 9″, Br. 11′ 1″), welches sich gegenwärtig in der Belvedere-Gallerie befindet. Die im Sept. 1855 im österr. Kunstverein ausgestellt gewesene Tuschzeichnung dieses Bildes wurde vom Verein (um 400 fl.) angekauft. Von andern Bildern feines Pinsels sind in öffentlichen Ausstellungen zu sehen gewesen: „Joseph erzählt den Brüdern seine Träume“ (Kunst-Ausst. 1845); – „Der h. Jacobus“, ein Altarbild, und „Rudolph von Habsburg ergreift bei der Kaiserkrönung Aachen das Krucifix statt des Reichsszepters“ [beide Kunst-Ausstellung 1846). Im J. 1854 wurde E. an Stelle des nach Wien berufenen Ruben (s. d.) Director der ständischen Akademie der bildenden Künste zu Prag, wo er noch gegenwärtig thätig ist.

Müller (Fr. Prof.), Die Künstler aller Zeiten u. Völker (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, Lex. 8°.) I. Bd. S. 572. – Illustrirte Zeitung 1855, Nr. 626 [enthält auch eine Abbildung des Gemäldes: Gefangennehmung der Familie ... Manfreds des Hohenstaufen nach der Schlacht bei Benevent]. – Frankl (Dr. Ldw. Aug.), Sonntagsblätter 1845, Beilage „Kunstblatt“ Nr. 21: „Die Kunstausstellung im J. 1845“ von Dr. E. Melly (S. 601). – Dieselben: 1846, S. 595: „Ueber die Kunstausstellung“ von Rud. Eitelberger von Edelberg [beide Kunstkritiker stimmen in der Bedeutendheit des Talents des damals noch sehr jungen Künstlers überein, oder bezeichnen die Fehler seiner Arbeiten und die Weise, wie er dieselben vermeiden könnte]. –

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Engerth, Eduard [s. d. Bd. IV, S. 49]. Bis zu Anbeginn des Jahres 1865 an Ruben’s Stelle als Director der ständischen Akademie der bildenden Künste in Prag thätig, erhielt er in diesem Jahre (1865) die Berufung als Director an die Wiener Akademie und übernahm jenen Zweig des Unterrichts, der von Wurzinger, Mayer, J. N. Geiger geleitet, eigentlich der wichtigste an jeder Kunstakademie ist und früher mit dem Namen „Vorbereitungs-Unterricht“ bezeichnet wurde. Während die Meisterschulen an einer Akademie entbehrlich sind – indem sie sich, wo die Kunst wirklich blüht, überall wo ein großer Meister wirkt und schafft, von selbst gestalten – weiht derjenige, der den Kunstjünger zwischen dem 14. bis 19. Jahre zur Kunst „vorbereitet“, denselben in das eigentliche Wesen, den Geist und die Technik der Kunst ein. E. ist ein vielseitig gebildeter, sehr fleißiger Künstler und wird zu den besten lebenden Porträtmalern der Monarchie gezählt. Von seinen neueren Arbeiten sind besonders hervorzuheben sein im März 1863 im österreichischen Kunstverein ausgestelltes lebensgroßes Bildniß Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph, das in der Presse (1863, Nr. 68) eine Besprechung fand, welche seiner Zeit großes Aufsehen, in manchen Kreisen auch Unwillen erregte; ferner hat E. den [441] Entwurf zu dem Denkmal gemacht, welches die Officiere der Brigade Gondrecourt ihren bei Jagel und Oberselk gefallenen Waffenbrüdern auf dem Königshügel in Schleswig errichten ließen und dessen Enthüllung am 3. Februar 1865 stattfand. Für die im Herbste 1865 stattfindende Eugen-Feier vollendete er ein großes historisches Gemälde: „Die Schlacht bei Zenta“, das in der Bohemia für ein „Kunstwerk seltensten Ranges bezeichnet wird, in welchem nicht nur die wohlbekannten Vorzüge E.’s, namentlich seine coloristische Meisterschaft, in der glänzendsten Weise, sondern dieselben überdieß durch die ideelle Bedeutsamkeit der Auffassung, man möchte sagen, durch das Feierliche und Schwungvolle der ganzen Composition auf eine noch höhere Stufe gehoben erscheinen“. Auch andere Urtheile bezeichnen das Bild des Künstlers für eine großartige schöne Schöpfung. Ferner wurde ihm die innere Ausschmückung des Empfangssaales und der Logen im neuen Opernhause Wiens übertragen. Der Saal soll mit Fresken, die Symphonie in ihren verschiedenen musikalischen Abtheilungen allegorisch darstellend, ausgeschmückt werden.
    Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 146, 170 u. 363; Nr. 391: „Ed. Engerth’s Gemälde. Der Sieg Eugen’s bei Zenta“. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 16 u. 50. [Bd. 14, S. 440 f.]
  2. Engert, Eduard [Bd. IV, S. 49; Bd. XIV, S. 440]. Seit 1871 – als Nachfolger des Erasmus von Engert [s. d. Vorigen] – Director der Belvedere-Gallerie in Wien.
    Zellner’s Blätter für Musik, Theater, Kunst u. s. w. (Wien, kl. Fol.) 1868, Nr. 84, im Kunstausstellungsberichte. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) 1868, Nr. 1325, über seine „Fresken zu Figaro’s Hochzeit“; – dieselbe 1869, Nr. 1357, über die Fortsetzung dieser Fresken. – Neue freie Presse 1869, Nr. 1701, „Engerth’s Wandgemälde“. – Fremden-Blatt von Gust. Heine 1869, Nr. 144. – Neues Wiener Tagblatt 1871, Nr. 112, in „Theater und Kunst“. [Bd. 24, S. 403.]