BLKÖ:Engel, Johann Christian von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 47. (Quelle)
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Engel, Johann Christian von (Geschichtschreiber, geb. zu Leutschau in Ungarn 17. Oct. 1770, gest. zu Wien 20. März 1814). Ist der Sohn deutscher protestantischer Eltern, besuchte das evangelische Gymnasium A. C. seiner Vaterstadt und später zu Preßburg. Mit 18 Jahren (1788) ging er nach Göttingen, wo er die höhern Wissenschaften unter Männern wie Feder, Heyne, Schlözer und Gatterer studirte. Zugleich trieb er das Studium der alten und neuern Sprachen. Aus dieser Zeit stammt seine Verbindung mit Heyne, der mit E. bis an seinen Tod in Briefwechsel stand. Im J. 1790 erhielt E. für seine Schrift: „Commentatio de republica militari seu comparatio Lacedaemoniorum, Cretensium et Cosaccorum“ den Preis. 1791 begab er sich nach Wien, trat in den Staatsdienst und zwar über Verwendung des Grafen Samuel Teleki bei der siebenbürgischen Hofkanzlei. Im Jahre 1794 wurde er k. k. Hofbüchercensor und 1801 oder 1802 k. k. protest. weltlicher Consistorialrath. 1812 Secretär bei der siebenbürgischen Hofkanzlei. In Folge seiner Verdienste verlieh ihm Kaiser Franz I. den Adel. Die Gerichtstafel des Zipser Comitats ernannte ihn [48] zu ihrem Beisitzer und der Magistrat von Leutschau ehrte ihn durch sein Bürgerdiplom. Von schwächlicher Gesundheit überhaupt, kränkelte E. mehrere Jahre vor seinem Tode, den er durch zu große geistige Anstrengung in und außer Amt beschleunigte. Nachdem er vergeblich Heilung in Bädern gesucht, ward er im schönen Alter von 44 Jahren der Wissenschaft entrissen. Vor seinem Tode noch traf er Anstalten zur Erhaltung seiner werthvollen Bibliothek und zahlreicher Handschriften. Die Muße, welche E. seinen ämtlichen Arbeiten erübrigte, benützte er zu historischen Arbeiten über sein Vaterland Ungarn und entwickelte eine große schriftstellerische Thätigkeit. Außer obiger Preisschrift erschienen von ihm noch: Danielis Cornidis Commentatio de religione veterum Hungarorum“ (Wien 1791, 8°.), mit einem Anhänge von E. über den Ursprung der ungar. Nation; – „Geschichte von Halitsch und Wladimir bis 1772, verbunden mit einer Auseinandersetzung der österr.-ungar. Besitzrechte auf diese Königreiche. Nach russ. und poln. Jahrbüchern bearbeitet“, 2 Thle. (Wien 1792, 93); – „Commentatio de expeditionibus Trajani ad Danubium et origine Valachorum“ (Wien 1795); dieser Abhandlung, welche von der Göttinger gel. Gesellschaft mit dem Preise gekrönt wurde, ist ein Brief von C. G. Heyne über die Trajanssäule beigegeben; – „Geschichte der Ukraine und der ukrainischen Kosaken wie auch der Königreiche Halitsch und Wladimir“ (Halle 1796, 4°.); – „Geschichte des ungar. Reiches und seiner Nebenländer“, 4 Thle. in 6 Bdn. (Halle 1797–1804, 4°.), auch in dem historischen Sammelwerke: „Fortsetzung der allgemeinen Welthistorie“, 49. Theil, 1.–4. Band. Dieses Werk enthält die Geschichte des alten Pannoniens, der Bulgarei, Dalmatiens, Croatiens, Slavoniens, Serbiens und Bosniens, der Moldau und Wallachei; über Ungarn nur noch ungedruckte Urkunden; über alle Theile eine reiche Literatur; die Bearbeitung Siebenbürgens vereitelte der Tod; – „Danielis Cornidis Vindiciae anonymi Belae regis Notarii editae“ (Ofen 1801, 4°.), mit Hells Karte des alten Ungarn; – „Geschichte des Freistaats Ragusa“ (Wien 1807); – „Monumenta ungrica“ (Wien 1809); – „Geschichte des Königreichs Ungarn“, 5 Bde. (Wien 1813, 8°.), der erste Band erschien schon 1812 in 2 Abtheilungen; in dieser Gesammtausgabe ist er neu durchgesehen und verbessert. Ferner gab E. des Alex. Kovasznai ungar. Uebersetzung von Cicero’s drei Büchern von den menschlichen Pflichten: „M. T. Cicero az embernek tisztéröl es kötelességeiröl a’ magafiához irrt három könyvei“ (Pressburg 1795) heraus; arbeitete an Grellmanns statistischen Aufklärungen über wichtige Theile und Gegenstände der österr. Monarchie, an Schlözers Beiträgen zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen, an Schedius Zeitschrift von und für Ungarn, an Bredetzky’s Beiträgen zur Topographie des Königreichs Ungarn, an den „Vaterländischen Blättern für den österr. Kaiserstaat“, an den „Annalen der östr. Literatur“, an der „Jenaischen und hallischen Literaturzeitung“ mit. Die Menge seiner Aufsätze ist so groß, daß ihre Aufzeichnung hier nicht vorgenommen werden kann; wir führen nur die im „neuen ungar. Magazin“ von Windisch (2. Bd.) enthaltenen an: „Ueber die Ismaeliten oder Sarazenen in Ungarn“; – „Ueber die Bissener und den Ursprung dieses Namens“; – „Wer waren die Neugari im Mittelalter“; – „War Ladislaus der Kumanier dem röm.-katholischen oder orientalisch-griechischen Lehrbegriffe zugethan?“; – „Wir und durch wen nahm der moldauische Staat seinen Anfang?“. Gründlichkeit charakterisirt alle Arbeiten Engels, und reiches Wissen offenbart er sowohl in seinen Werken, wie in seinen [49] Kritiken. Die gelehrten Gesellschaften von Prag, Göttingen, München und Warschau ernannten ihn zu ihrem Mitgliede und mit den ausgezeichnetsten Gelehrten seiner Zeit im In- und Auslande stand er im brieflichen Verkehr. :Abhandlungen der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 4°.) VI. Bd. S. 12. – Uj magyar muzeum, d. i. Neues ungarisches Museum (Organ der ungarischen Akademie) (Pesth, 8°.) 1855, 2., 3. u. 11. Heft: „Aus den Correspondenzen des Joh. Chr. Engel.“ [Das Pesther National-Museum ist vor einiger Zeit in den Besitz von 100 Originalbriefen gekommen, welche an Engel gerichtet waren und Beweis geben für das Ansehen, in welchem E. bei seinen Zeitgenossen und auch bei den Ungarn gestanden, die nicht selten sich bei ihm Rathes erholten.] – Ersch (J. S.) u. Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 34. Bd. S. 239. – Oestr. Nat.-Encykl. (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) II. Bd. S. 54.