BLKÖ:Raiser, Johann Nepomuk von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Raiska
Band: 24 (1872), ab Seite: 289. (Quelle)
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Raiser, Johann Nepomuk von (Alterthumsforscher, geb. zu Freiburg im Breisgau 25. September 1768, gest. zu Augsburg 14. Mai 1863). Diesem tüchtigen Archivare und Alterthumsforscher wird in diesem Lexikon eine Stelle angewiesen, weil sein Geburtsort zu jener Zeit noch österreichisch war, weil er unter der österreichischen Regierung seine wissenschaftliche Ausbildung erhalten hatte und auch bis zum Jahre 1806, in welchem erst jener Theil Vorderösterreichs, in welchem Raiser so erfolgreich thätig gewesen, an Bayern fiel, in österreichischen Staatsdiensten gestanden. R. beendete im Jahre 1790 die Rechtsstudien zu Freiburg, im damaligen Vorderösterreich, erlangte an der dortigen Hochschule 1792 die juridische Doctorwürde, wurde im Februar 1795 Oberamtsrath in Stockach in der damaligen Landgrafschaft Nellenburg. Im Jahre 1797 ernannte ihn Erzherzog Karl zum Sperrcommissär gegen die Schweiz. Im Jahre 1802 wurde er burgauscher Oberamtsrath und im folgenden Jahre, obgleich im Range der jüngste, wirklicher Rath bei der nach Günzburg verlegten Regierung des damaligen Schwäbisch-Oesterreich. Bei der 1804/1805 erfolgten Vereinigung dieser Provinzial-Regierung mit dem Appellationsgerichte wurde Raiser auch k. k. Appellationsrath. In dieser Anstellung und in einer Periode, wo sich eine Menge Territorialfehden durch die Veränderungen im Landesbesitze mit den Insassen und Nachbarn ergaben, zeichnete sich R., dessen archivalische Kenntnisse einzig in ihrer Art waren, durch Thätigkeit und Geschäftsgewandtheit aus. Als durch den Preßburger Frieden – 26. December 1805 – die Markgrafschaft Burgau, mehrere vorarlbergische Herrschaften und Tirol an Bayern kamen, trat auch Raisen in bayerische Dienste und blieb in denselben, obgleich im März 1806 an ihn ein ebenso vortheilhafter als ehrenvoller Ruf nach Oesterreich erging. In bayerischen Diensten wurde R. 1806 Oberjustizrath für die Provinz Schwaben und Tirol, im nämlichen Jahre noch Rath der staatsrechtlichen Deputation der Landesdirection in Ulm, 1808 Kreisdirector daselbst; 1810 ging er in gleicher Eigenschaft nach Eichstädt, 1817 nach Augsburg, wo er während seines vieljährigen Wirkens auch acht Jahre als General-Commissär und Regierungs-Präsident provisorisch fungirte. Im Jahre 1838 trat er in den Ruhestand über, nachdem ihn sein König schon 1820 mit dem Civil-Verdienstorden schmückte und am 10. März 1821 in die Adelsmatrikel des Königreichs eintragen und bei der Ritterclasse immatriculiren ließ. R. war Mitglied mehrerer historischer Vereine in Bayern und correspondirendes Mitglied der historischen Classe der kön. Akademie der Wissenschaften in München. Seine Druckschriften, historischen und archäologischen [290] Inhalts, haben für dieses Werk kein Interesse; sie stehen im Hormayr’schen „Taschenbuche“ 1840, S. 238 bis 241, genau verzeichnet. Ebenda befinden sich auch, S. 241–282, ausführliche Uebersichten seiner archivalischen Sammlungen, welche wahre Fundgruben zur Geschichte des Hauses Habsburg, der Markgrafschaft Burgau, der Landschaft Nellenburg, des ehemaligen Schwäbisch- und Vorderösterreich und dann des Breisgau und Vorarlbergs bilden. Für Geschichtsforscher nach diesen Richtungen wird auf diese wichtige, ins einzelne Detail gehende Uebersicht besonders aufmerksam gemacht. Raiser war mit Josephine Schill, Tochter des kaiserlichen Rathes und Professors der Klinik an der Hochschule zu Freiburg, Dr. Markus Schill, seit 1795 vermält, aus welcher Ehe ein Sohn Ludwig Raiser, im Jahre 1841 kön. bayerischer Landrichter, stammt.

Taschenbuch für vaterländische Geschichte. Herausgegeben durch die Freiherren von Hormayr und von Mednyánszky (Wien, 12°.) 1840, S. 224–282: „J. N. von Raiser“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1853, Beilage zu Nr. 183: „J. N. von Raiser“.