BLKÖ:Rotter, Johann Nepomuk Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 163. (Quelle)
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Rotter, Johann Nepomuk Ignaz (Abt des Benedictinerstiftes Braunau, geb. zu Braunau am 27. Februar 1807). Die unteren Schulen und das Gymnasium beendete er in seiner Vaterstadt, die philosophische an der Prager Hochschule, im Jahre 1825 trat er in das Benedictinerstift seines Geburtsortes, und erhielt im Jahre 1830 die Priesterweihe. Im Jahre 1834 erlangte [164] er die theologische Doctorwürde und wurde noch im nämlichen Jahre Professor der Dogmatik an der theologischen Facultät der Prager Hochschule, an welcher er später auch die Würden eines Decans und Rector magnificus bekleidete. Am 9. November 1844 wählten ihn seine Stiftsbrüder zum Abte, und in der Reihe der Aebte seines Klosters ist R. der 55. In dieser Stellung wird ihm Rühmliches nachgesagt, u. z. eine strenge Handhabung der Klosterdisciplin, die Hebung des von dem Braunauer Stiftsgeistlichen besorgten Gymnasiums daselbst, die Gründung eines für Lehrzwecke unentbehrlichen Museums, die Errichtung vieler Neubauten zu Schul- und Unterrichtszwecken auf der dem Stifte unterstehenden Pfarren, die Herstellung, Ausschmückung und sonstige Restauration vieler Kirchenbauten in Braunau selbst und in der Umgebung, die Heranbildung eines tüchtigen Lehrpersonals und einer ihren Pflichten gewachsenen Stiftsgeistlichkeit. Diese Verdienste des Prälaten fanden auch mehrseitige Anerkennung. Se. Majestät der Kaiser verliehen ihm das Comthurkreuz des Franz Joseph-Ordens, der verstorbene König von Preußen Friedrich Wilhelm IV. den rothen Adler-Orden und anläßlich seines 50jährigen Geburtsfestes ernannte ihn der Bischof von Königgrätz zum wirklichen Rathe und Beisitzer im bischöflichen Consistorium. Als im Jahre 1868 am 13. Juni die Jubiläumsfeier des böhmischen Museums stattfand, fiel auf den Prälaten Rotter die Wahl, die deutsche Festrede zu halten. Darüber sprach sich die öffentliche Meinung – die Kehrseite seiner Thätigkeit beleuchtend – in einer für den Prälaten wenig schmeichelhaften Weise aus. „Durch seine Wahl“, hieß es damals, „hat man sich alle deutschen Sympathien für diese Feier im vorhinein verscherzt, denn ein Mann, welcher, von deutschen Eltern abstammend, von deutschen Männern herangebildet, das Gymnasium seiner deutschen Vaterstadt Braunau čechisiren ließ, bevor noch das Sprachenzwangs-Gesetz erschienen; welcher, seine Volksabstammung vergessend, ein Bündniß mit dem Feudal-Adel eingegangen; welcher im Landtage stets für die Čechen eingetreten und dieß Alles, weil er nicht den Muth hatte, seinen čechischen Klosterbrüdern zu widersprechen und weil er in der Furcht lebte, er könnte von diesen wie sein edler Vorgänger P. Placidus Benesch bis zur Abdication gequält werden – ein solcher Mann ist nicht berufen, des deutschen Grafen Sternberg in seiner Festrede zu gedenken, überhaupt eine deutsche Festrede zu halten.“ In der That stand auch der Prälat, als er im Jahre 1864 in den böhmischen Landtag von Seite der Großgrundbesitzer gewählt worden, immer zur Partei der Nationalen und Feudalen.

Zeitgenossen. Almanach für das Jahr 1863 (Gratz, S. Settele, 8°.) S. 248. – Kleines biographisches Lexikon, enthaltend Lebensskizzen hervorragender, um die Kirche verdienter Männer (Znaim 1862, M. F. Lenck, kl. 8°.) S. 243. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1868, Nr. 1358 vom 11. Juni: „Correspondenz aus Prag ddo. 9. Juni“.