BLKÖ:Sattler, Johann Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 28 (1874), ab Seite: 272. (Quelle)
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Sattler, Johann Michael (Miniatur, Porträt- und Landschaftsmaler, geb. zu Neuberg nächst Herzogenburg 28. September 1786, gest. zu Mattern bei Salzburg 28. September 1847). Sein Vater versah den Posten eines Thorstehers im Stifte Herzogenburg und der Sohn erhielt an der dortigen Klosterschule eine erste Ausbildung. Schon als Knabe zeigte er großes Talent und Vorliebe für zeichnende Kunst, und in seinen freien Stunden beschäftigte er sich gern mit Uebermalen von Heiligenbildern, die er von den Herren im Stifte zum Geschenke erhielt und wozu er sich die Farben aus dem Safte der verschiedenen, in der Umgebung wildwachsenden Beerengattungen selbst zurichtete. Später machte er Versuche mit der Holzkohle an den Kalkwänden der Klosterhallen, auf welche er die physiognomischen Gesichtsumrisse einzelner geistlicher Stiftspriester mit großer Aehnlichkeit hinzeichnete. Nachdem sein Schulbesuch geendet, erhielt er bei dem Stiftsgerichte eine Amtsschreiberstelle, in welcher Eigenschaft er durch seine Kenntnisse im Zeichnen bei den Grundvermessungen und Planentwürfen sich bemerkbar machte. Aber dieser Dienst sagte ihm auf die Dauer nicht zu, und durch die Unterstützung eines Privatmannes gelang es ihm, seinem Kunstdrange zu folgen. Er ging nach Wien, wo er sich um die Aufnahme an der dortigen Akademie der bildenden Künste bewarb und sie auch erhielt. In kurzer Zeit hatte er solche Fortschritte gemacht, daß er sich selbst fortzubringen im Stande war, was sich um so günstiger traf, als sein bisheriger Unterstützer Wien verlassen hatte und S. auf sich selbst angewiesen war. Anfangs hatte er freilich mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen und machte die Schule der meisten Künstler, jene der Entbehrung, durch, endlich aber, als er mit seinen ähnlichen Bildnissen Beifall erntete und seinen Ruf erweiterte, fehlte es ihm nicht an Arbeit. Zunächst begab er sich nach Wiener-Neustadt, nach einem längeren Aufenthalte daselbst, 1803, nach Linz und von dort im Jahre 1805 nach Salzburg. Ueberall fand er fleißigen Zuspruch und in seinen Mußestunden nahm er aus der in Leopoldskron befindlichen Firmian’schen Gemälde-Gallerie 21 der schönsten Bilder in Miniatur auf, welche sich im Besitze der Familie befinden. Seine Absicht, von Salzburg aus eine Kunstreise nach Paris zu unternehmen, wurde durch die kriegerischen Wirren jener Tage vereitelt, er besuchte also München, Augsburg, Nürnberg, Regenburg, wo er theils Bildnisse malte, theils seine Studien fortsetzte. Auch sein im Jahre 1812 gefaßtes Project, nach St. Petersburg zu reisen, kam in Folge des denkwürdigen Winterfeldzuges dieses Jahres nicht zu Stande. So begab er sich denn über Baireuth, Eger und Prag nach Wien, wo er nun, mit dem Ersparten zu leben im Stande, mit eigenen Arbeiten innehielt und seine Kunststudien [273] ernstlich fortsetzte. Unter solchen Umständen blieb er bis 1819 – in der Zwischenzeit hatte er sich verheirathet – in Wien, und nun übersiedelte er nach Salzburg, wo er, die Zeit seiner mehrjährigen Reise abgerechnet, seinen bleibenden Aufenthalt nahm. In Salzburg übte er seine Kunst und malte vorzugsweise Bildnisse, bis ein besonderer Umstand ihn eine andere Richtung einschlagen ließ. Im Jahre 1824 wurde ihm der ehrenvolle Auftrag zu Theil, den Kaiser Franz in Oel nach dem Leben zu malen. Während nun Sattler den Kaiser malte, äußerte dieser den Wunsch, die Stadt Salzburg mit ihrer herrlichen Umgebung als Panorama dargestellt zu sehen. Nun hatte S. sich bisher weder in der Architectur- noch Landschaftsmalerei versucht und wagte es nicht, eine bestimmte Zusage zur Lösung dieser ihm neuen und nichts weniger denn leichten Aufgabe zu geben, aber den Gedanken mit der Absicht, ihn auszuführen, faßte er energisch auf. Im Sommer 1825 entwarf er die Zeichnung, Monate lang brachte er, mit dieser Aufnahme beschäftigt, auf den Gebirgshöhen, welche Salzburg umkränzen, zu und vollendete ein Rundgemälde der lieblichen Alpenstadt mit ihrer Umgebung im Umfange von sieben deutschen Meilen. Die Schwierigkeiten, die sich ihm bei der Ausführung dieser Arbeit entgegenstellten, waren nicht geringe, und S. hatte sie in einer Selbstbiographie, die ich leider mir nicht verschaffen konnte, ausführlich geschildert. So hatte er denn 30 malerische Darstellungen nicht nur aus der nächsten Umgebung der Stadt, sondern auch aus dem Salzachkreise, dem obderennsischen Salzkammergute und überhaupt aus dem nordischen Alpenkranze vollendet. Die zur Ausführung derselben entworfene Originalskizze wird noch im Salzburger städtischen Museum aufbewahrt. Die Ausführung des eigentlichen Panorama’s, das nicht wie dergleichen Rundgemälde gewöhnlich mit Wasserfarben, sondern in Oel geschehen sollte, war für den einzelnen Künstler zu umständlich und langwierig, deßhalb verband sich S. zu diesem Zwecke mit zwei gewandten Künstlern, mit dem Landschaftsmaler Friedrich Loos [Bd. XVI, S. 28] und mit dem Historienmaler Johann Schindler, welche Beide schon Beweise ihrer Geschicklichkeit gegeben hatten, und er selbst übernahm den architektonischen Theil des Hauptgemäldes und alle einzelnen Städteansichten. Mit dieser Hilfe vollendete er das prächtige Rundgemälde, welches am Ostermontage (20. April) 1829 in einer eigenen, zu diesem Zwecke verfertigten, zerlegbaren und transportablen, kunstreich ausgeschmückten Halle feierlich eröffnet wurde. Mit diesem Panorama unternahm nun S. im Juni 1829 im Geleite seiner Familie die Kunstreise, und zwar zuerst nach München, im October desselben Jahres donauabwärts nach Linz, im März 1830 nach Wien, wo der Kaiser Franz, der intellectuelle Urheber, dieses Werk, das auf der Biberbastei aufgestellt war, in Augenschein nahm und den Künstler in ehrenvollster Weise auszeichnete. Von Wien ging S. im Jahre 1831 nach Brünn und Prag, Ende des Jahres 1832 nach Dresden und Magdeburg, im Jahre 1833 nach Leipzig, Berlin und Hamburg, im Jahre 1834 nach Kopenhagen, dann nach Gothenburg und Christiania, und mußte in der Stadt Arendal wegen erlittenen Schiffbruches überwintern. Im März 1835 wurde die Reise unter den heftigsten Stürmen auf der Nordsee fortgesetzt. Am 10. März brach der Orkan am furchtbarsten aus und wüthete [274] volle fünf Tage. Während die Mannschaft vor Todesangst bebte, zeichnete Sattler, an den Mastbaum angebunden, die Schrecken der im heftigsten Sturme aufgewühlten Natur mit ergreifender Wahrheit. Am 18. März betrat er, gerettet mit den Seinen, das Festland der holländischen Küste, wohin das in der Nähe der Insel Borkum gestrandete Schiff mit harter Mühe vor gänzlicher Vernichtung gerettet wurde. Den Rest des Jahres brachte S. in Delfzyl, Gröningen, Leywarden und Amsterdam zu, und bereiste im folgenden Jahre die übrigen bedeutenderen Städte Hollands. Im Jahre 1837 begab er sich nach Belgien und Frankreich, im Jahre 1838 den Rhein aufwärts nach Frankfurt a. M. und im folgenden Jahre nach den deutschen Reichsstädten. Am 23. August 1839 kam er nach zehnjähriger Abwesenheit nach Salzburg zurück, wo er nun den Rest des Lebens in einer der Kunst gewidmeten Muße verlebte. In dieser Zeit führte er alle Naturstudien, die er während seiner langen Reise zu machen Gelegenheit gehabt, sorgfältig aus. An Ehren fehlte es dem wackeren Künstler auch nicht. Noch vor den Antritte seiner großen Kunstreise zeichnete ihn die Stadt Salzburg durch das zum ersten Male verliehene Ehrenbürger-Diplom, das ihm am 31. Mai 1829 auf dem Rathhause in feierlicher Weise eingehändigt wurde, aus; Berlin ehrte ihn durch Verleihung des Professortitels und der König durch die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. In Norwegen wurde er mit Diplom als freier Bürger der scandinavischen Halbinsel erklärt. Am 2. Juni 1835 erhielt er in Gröningen, am 8. October 1837 zu Cöln am Rhein das Diplom eines Ehrenmitgliedes der daselbst bestehenden kunst- und wissenschaftlichen Vereine u. s. w. Von seinen anderen zahlreichen Arbeiten, deren größter Theil sich im Besitze seiner Familie befindet, sind noch anzuführen: „Der Brand der Stadt Salzburg im Jahre 1818“; – „Ansicht von Maria Plain“; – „Leopoldskron. Nachtstück“; – „Venus“; – „Bildniss des Professors Maurer“, welche letzteren vier Gemälde sich im städtischen Museum zu Salzburg befinden. Auf einer Reise zur Kirchenfeier nach Mattsee, welche er mit einem Freunde unternommen hatte, entrückte ihn ohne vorangegangenes Unwohlsein ein plötzlicher Tod im Alter von 70 Jahren dem irdischen Leben. Mit offenen Augen und gekreuzten Händen fand ihn sein Freund todt im Bette liegend. Die Leiche wurde nach Salzburg gebracht und dort im Familiengrabe beigesetzt. Sein Charakter war durch und durch der eines Ehrenmannes, er war ein Freund der Armen und widmete große Summen der Erträgnisse seines Panorama’s den Nothleidenden, wie er auch viele Dürftige im Stillen unterstützte. Am 8. Mai 1816 verheirathete er sich mit der Pflegetochter seines Freundes und ehemaligen Lehrers, des Malers Hubert Maurer [Bd. XVII, S. 140], aus dessen Ehe der Sohn Hubert, gleichfalls Künstler [s. d. S. 271], sich durch seine schönen Kosmoramen bekannt gemacht hat.

Pillwein (Benedict), Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer, theils verstorbener, theils lebender Künstler u. s. w. (Salzburg 1821, Mayr, kl. 8°.) S. 203. – Kunst-Blatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1829, S. 243: „Panorama von Salzburg“. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1829, S. 302, 319, 335, 351, 358. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XV, S. 35. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VII, S. 207, [275] Nr. 3. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 417 [es ist in der That ergötzlich, unter dieser nichtssagenden, vier Zeilen langen Mittheilung als Quelle: „Eigene Notizen“ angegeben zu lesen, da doch große Nekrologe über den Künstler gedruckt sind]. – Porträt. Unterschrift: Joh. Mich. Satler. A. Walner lith. Gedr. im lith. Inst. in Wien (4°., Bruststück, im landschaftlichen Hintergrunde die Veste Hohen-Salzburg).