BLKÖ:Schönborn, Eugen Franz Erwein Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schönberger, Ludwig
Band: 31 (1876), ab Seite: 130. (Quelle)
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Schönborn, Eugen Franz Erwein Graf (Ritter des goldenen Vließes, geb. 27. Jänner 1727, gest. 25. Juli 1801). Ein nachgeborner Sohn des Grafen Anselm Franz aus dessen Ehe mit Maria Theresia Gräfin Montfort. Graf Anselm Franz war k. k. Kämmerer und geheimer Rath, General der Cavallerie, des oberrheinischen Kreises commandirender General und Oberst eines Infanterie-Regiments. Der Sohn Eugen Franz Erwein erblickte sechs Monate nach dem Ableben des Vaters, den der Tod im schönsten Mannesalter von 45 Jahren dahingerafft, das Leben. Zwei frühere Söhne waren im Kindesalter verstorben. Der junge Graf erhielt eine sorgfältige Erziehung, wurde k. k. wirklicher geheimer Rath und Kämmerer, Ritter des goldenen Vließes, Oberst-Erbtruchseß von Oesterreich und vermehrte den ohnehin schon bedeutenden Besitzstand der Familie um ein Ansehnliches. Außer der Familienherrschaft Schönborn besaß er die Herrschaft Weyerburg im V. U. M. B. und die Herrschaft Mautern im V. O. W. W., welche beide Erwerbungen seines Oheims, des Bamberger Fürstbischofs Friedrich Karl Grafen Schönborn, ferner die unweit Mautern gelegene Herrschaft Rossatz, welche er im Jahre 1766 selbst angekauft, Heußenstamm, n. A. Heissenstein, und die große ungarische Herrschaft Munkács. Letztere war seinem Oheim, dem Grafen Rudolph Franz Erwein, aus der Confiscation des Fürsten Rakóczy von Kaiser Karl VI. verliehen worden und wird wohl durch Familienübereinkunft an die österreichische oder ungarische Linie gekommen sein. Munkács wurde zwar im Jahre 1788 als ehemaliges Krongut vom königlichen Fiscus vindicirt und eingezogen, aber auf dem Reichstage 1791 der gräflichen Familie [131] wieder zugesprochen und eingeräumt. Graf Eugen Franz Erwein hat zu Munkács, wie unsere Quelle berichtet, „viele schöne und nützliche Anstalten befördert. Unter anderen befindet sich allhier eine Strumpffabrik und eine ansehnliche Pferdestuterei. Ueber den schnellen Latorzafluß hat der Graf 1782 auf eigene Kosten eine Brücke von 14 Joch erbauen lassen, welche sowohl für’s Commerzwesen, als für die militärischen Durchzüge überaus bequem ist. Ihre Länge beträgt 110, ihre Breite 6 Klafter“. Die Glosse, welche der „Rheinische Antiquarius“ dazu macht, ist unverständlich. „Die gewöhnlichen Folgen solcher Verbesserungen“, schreibt er, „sind auch für Munkács nicht ausgeblieben. Die Herrschaft ertrug im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts 50.000 Rthlr. jährlich, in den 90ger Jahren war dieses Einkommen auf 40.000 fl. in Papier herabgekommen“. Die national-ökonomischen Ansichten des Herrn von Stramberg erscheinen etwas antiquirt. Graf Eugen Franz Erwein war zweimal vermält, zuerst (seit 1751) mit Maria Elisabeth Fürstin Salm (gest. 1775), zum anderen Male (seit 1776) mit Marie Therese Fürstin Colloredo. Die zweite Ehe war kinderlos, aus der ersten entsprangen fünf Töchter und zwei Söhne, letztere: Wilhelm Eugen und Marquard Wilhelm, starben beide im zarten Knabenalter, Ersterer von fünf, Letzterer von vier Jahren. So berichtigt sich die Angabe des „Rheinischen Antiquarius“, welchem zufolge in dieser erste Ehe nur Töchter geboren wurden. Ueber die Töchter vergleiche die Stammtafel. Vermöge der Hausgesetze fielen die Güter, da kein männlicher Sproß diese Linie am Leben war, an die ältere oder fränkische Linie, deren Begründer Graf Rudolph Franz Erwein war.