BLKÖ:Scheibe, Theodor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schega, Franz Andreas
Band: 29 (1875), ab Seite: 160. (Quelle)
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Scheibe, Theodor (Schriftsteller, geb. zu Znaim in Mähren 18. August 1820). Sein Vater war ursprünglich kaiserlicher Officier, trat aber dann in den Civilstaatsdienst über. Der Sohn besuchte die unteren Schulen und das Gymnasium in seiner Vaterstadt Znaim. Schon damals zeigte sich in dem Knaben ein reger Sinn für Romantik und dichterisches Schaffen. Er schrieb als Gymnasialschüler bereits Theaterstücke, die von seinen Schulcollegen dargestellt wurden. Seine ungezügelten, muthwilligen Satyren, wozu dem lebhaften Jungen die Bewohner eines Provinzstädtchens reiches Material boten, machten ihn ebenso gehaßt als gefürchtet. Nach beendeten Gymnasialclassen bezog S. die Wiener Hochschule, an welcher er zuerst die juridischen Vorlesungen besuchte, diese doch bald gegen jene der Medicin vertauschte, welche er aber auch schon in einiger Zeit aufgab, worauf er sich ausschließlich mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigte und bis zur Stunde in dieser Richtung in ungemein fruchtbarer Weise thätig geblieben ist. In der vormärzlichen Zeit erschienen seine ersten Arbeiten in den verschiedenen belletristischen Blättern Wiens, und zwar in dem von M. G. Saphir redigirten „Humoristen“ und in der Witthauer’schen „Wiener Zeitschrift“, worunter seine Novelle: „Der Dorfkomödiant“ in ersterem und die Erzählung: „Die Tochter des Rebellen“ in letzterer eine recht freundliche Aufnahme fanden und ein frisches, vielversprechendes Erzählertalent bekundeten. An der Bewegung, von welcher im denkwürdigen 48ger-Jahre auch die Wiener Presse mitgerissen wurde, nahm S. gleichfalls Theil; außer mehreren Flugschriften und Libellen, wie sie eben der Tag brachte, redigirte er damals die Zeitschrift: „Der Mann des Volkes“, Alles Umstände, die es ihm gerathen erscheinen ließen, nach der Katastrophe der October-Revolution aus Wien zu fliehen, um sich der ersten Wuth der soldatischen Nemesis, der so manche überflüssige Opfer gefallen, zu entziehen. Glücklicher Weise kam S. nur mit der Angst davon. Als er nach Wien zurückgekehrt, blieb er unangefochten und wirkte als Mitarbeiter des Witzblattes „Punsch“ für die Zwerchfellerschütterung der Wiener, die diese nach der blutigen Katastrophe nur zu nöthig hatten. Als dann auch dieses Blatt verboten wurde, schrieb er theils allein, theils in Gemeinschaft mit Karl Sitter, dem Hauptmitarbeiter des noch heute die politischen Auswüchse der Gegenwart in jocosester Weise „rasirenden“ „Figaro“, verschiedene Possen und Volksstücke für die Wiener Vorstadtbühnen, unter denen beispielsweise die im Josephstädter Theater gegebenen „Zopf und Braut“, – „Donaunixe und Vater Rhein“, – „Pagatel“, in welchem Fräulein Marie Geistinger als Pagatel zum ersten Male in Wien auftrat, – „Schneider und Zwerg“ und das im Carl-Theater aufgeführte „Mädchen aus dem Fremdenblatt“ erwähnt seien. Um die nämliche Zeit begann er aber auch Romane zu schreiben [161] [die Titel derselben folgen weiter unten] und schuf in dieser Richtung ein eigenes Genre „österreichischer historischer Romane“, welches der Verfasser dieses Lexikons schon vor zwei Jahrzehnden in seiner „Bibliographisch-statistischen Uebersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates vom 1. Jänner bis 31. December 1854“ (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 442, Marginal 14143–14164, ausführlicher charakterisirt und das bei der deutschen Kritik eben keine freundliche Aufnahme erfahren hat. Nun, konnte die ästhetische Kritik einer solchen Richtung auch nimmer das Wort reden, so soll damit nicht gesagt sein, daß es den Verfassern und darunter S. an Talent fehlte. Im Gegentheile, solches war im Ueberschusse vorhanden, und wäre nur zu wünschen gewesen, daß dasselbe in entsprechendere Bahnen geleitet worden wäre. Insbesondere was S. betrifft, so ist es geradezu Staunen erregend, wie fruchtbar seine Phantasie, wie spannend oft die Situationen seiner Romane, wie entsetzlich wahr die leider oft nur zu widrigen Charaktere derselben sind, obwohl man in ihnen auch nicht selten herzigen Frauengestalten, die unsere ganze Sympathie gewinnen, begegnet. Welche Stelle könnte S. in der deutschen Romanliteratur einnehmen, wenn er nicht dem Geschmacke der „Wiener Greisler, Hausmeister und Standweiber“, die freilich als Abnehmer nach Tausenden zählen, gefröhnt hätte. Seit 22 Jahren beherrscht S. das Feuilleton der in Wien von Dr. Landsteiner herausgegebenen „Morgenpost“, worin S.’s Romane eine stehende Rubrik bilden, wobei er sich, um die zu bekannte Firma zu wechseln, nicht selten des Pseudonyms Dr. Stark bedient; auch ist er seit vielen Jahren Mitarbeiter des „Wiener Tagblattes“. In den Jahren 1862–1867 war S. auch Herausgeber und Redacteur des illustrirten Witzblattes „Der Kukuk“. Kleinere Arbeiten seiner Feder, wie Novellen und Gedichte, finden sich auch in verschiedenen Kalendern und in früheren, nun vom Buchhändlermarkte verschwundenen Almanachen und Taschenbüchern.

Verzeichniß der selbstständig erschienenen und im Feuilleton politischer Journale abgedruckten Romane von Theodor Scheibe, a) Selbstständig erschienene. (Da es bei Aufzählung der Scheibe’schen, für Wien culturgeschichtlich so bemerkenswerthen Romane zunächst um die Vollständigkeit zu thun ist, so wurde von der chronologischen Anordnung, da diese überflüssig ist, denn sie fallen alle in die Klärungsperiode der österreichischen Zustände von 1852 bis in die Gegenwart, ganz abgesehen.) „Kossuth’s Braut. Historischer Roman“ (Wien und Leipzig 1852, Stöckhölzer v. Hirschfeld). – „Die Söhne der Puszta. Histor. Roman“, 3 Bände (ebd. 1852). – „Der Klosterknecht. Hist. Roman“. 3 Bde. (ebd. 1856). – „Die Rebellen. Hist. Roman“, 3 Bde. (ebd. 1856). – „Die beiden Octoberflüchtlinge. Humoristischer Roman“, 3 Bde. (ebd. 1853, Neidel). – „Satan in Wien. Volksroman“, 3 Bände (Wien und Pesth, Hartleben’s Verlag). – „Die Sträflinge vom Spielberg. Roman“, 3 Bde. (Wien 1860, Rudolph Lechner; später Prag 1865, Sanders u. Brandeis, 8°.). – „Die Wiener Lori. Histor. Roman“, 3 Bde. (Wien 1862, Zamarski u. Dittmarsch). – „Die schwarzen Brüder. Histor. Roman“, 3 Bde. (ebd.). – „Maria Theresia und Polen. Hist. Roman*’, 3 Bände (Wien 1864). – „Die Sängerin von der Bettlerstiege. Histor. Roman“, 3 Bände (ebd. 1863). – „Welt und Irrenhaus. Roman“, 3 Bde. (Wien, Jolsdorf). – „Die Fürstin am Bau. Socialer Roman“, 4 Bde. (ebd.). – „Die Leiden des Volkes. Zeit- und Sittengemälde“, 3 Bände (ebd.). – „Prinzessin und Marketenderin. Histor. Roman“, 2 Bände (ebd.). – „Das alte Kloster. Criminalroman“ (ebd.). – „Der Zauberer von Wien. Criminalroman“, 2 Bde. (ebd.). – „Die Gefangenen von Kufstein. Roman“, 5 Bde. (ebd. 1863); – „Die Kinder von Neudorf. Roman aus Wiens Gegenwart“. 3 Bde. (ebd.). – „Die Schwindler von Wien. Roman“, 2 Bände (ebd.). – „Stephan Fadinger. Histor. Roman“, 2 Bde. [162] (ebd. 1865). – „Der Abenteurer vom Regimente Liechtenstein. Histor. Roman“. 3 Bde. (ebd. 1862). – „Die Schottin vom Kobenzlberg. Histor. Roman“. 2 Bde. (ebd. 1862). – „Die Alte vom Greifenstein. Histor. Roman“. 2 Bände (ebd.). – „Die Findlinge. Volksroman“. 3 Bände (Wien, Geitler). – „Die Grenadiere der Kaiserin. Histor. Roman“. 4 Bde. (Brünn 1862, Karafiat, 8°.). – „Geheimnisse von Laxenburg. Historischer Roman“, 3 Bde. (Wien, Singer), von diesem Roman erschien auch im nämlichen Verlage eine Uebersetzung in čechischer Sprache. – „Die Löwengrube im Kapuzinerkloster. Histor. Roman“. 2 Bde. (Wien, Jolsdorf). – „Die Studentenschwester. Histor. Roman“, 2 Bde. (ebd.). – „Die schöne Bäckerstochter. Histor. Roman“. 3 Bde. (Wien, Martin). – „Die Kinder des Sturmes, oder das Mädchen vom Neuthor“. 4 Theile (Wien 1870, ebd., 8°.). – „Die Prinzessin im Kloster. Histor. Roman“. 4 Theile in 2 Bänden (Wien 1870, 12°.). – „Der Caplan von Maria Stiegen. Histor. Roman“, 3 Bände (ebd. 1868, Müller, 8°.). – „Die Bärentreiberlotti“ (Wien, Kuhn, 8°.). – „Jesuit und Rothhemd. oder die Geheimnisse vom Jahre 1866. Historischer Roman“ (ebd. 1868, Rudolf u. Waldeim). – „Die Geheimnisse von Pernstein. Histor. Roman“, 2 Bände (Brünn, Rohrer). – „Der unsichtbare Cardinal. Histor. Roman“, 3 Bde. (Wien und Gratz). – „Kaiser Joseph II. und die schöne Bäckerstochter vom Himmelpfortgrund. Histor. Roman“. 4 Theile in einem Bande (Wien 1870, Martin, 12°.). – b) Im Feuilleton politischer Journale abgedruckte Romane. „Das Tischlerkreuz auf der Schmelz“ (in der Morgen-Post 1866). – „Der Mädchenfänger“ (in derselben 1864). – „Der Vetter des Panduren. Histor. Roman“. – „Der Depeschendieb“, – „Die verzauberte Hofdame. Histor. Roman“, – „Die Freimaurer in Wien“ (die letzten vier im Familien-Journal des Wiener Tagblatt 1866). – „Der letzte Nationalgardist“ (in der Wiener Vorstadt-Zeitung 1867).– „Die eisernen Stammgäste“ (in der Morgen-Post 1868). – „Die Straßenläuferin. Zeit- und Sittengemälde“ (in ders. 1866). – „Die Dienstbotenherberge. Wiener Volksroman“, – „Geheimnisse einer Wiener Irrenanstalt“ (beide in der Morgen-Post 1868). – „Die Gefangenen von Stein. Criminalroman“ (in derselben 1869). – „Die Trödlerin am Rothenthurm. Histor. Roman“ (in derselben 1872). – „Die Tochter des Profosen“ (in derselben 1865). – „Die Veilchendame“ (in der Wiener Vorstadt-Zeitung 1868). – „Das Donauweibchen im Stadtpark“ (in der Morgen-Post 1870). – „Lori, die Fürstenbraut“ (in derselben 1868). – „Madrider Hofnächte“ (in derselben 1869). – „Die Sperlkönigin“ (im Neuen Wiener Blatt 1873). – „Höllennächte in Wien“ (in der Morgen-Post 1871).– „Die Communisten“, – „Die Kaiserin mit der blutigen Hand“ (beide in der Morgen-Post 1872). – „Die Kinder des Blutrichters“, – „Der Vampyr am Schmelzer-Friedhofe“, – „Der Doctor aus der Blutgasse“ (alle drei in der Morgen-Post 1871). – „Die Sieben von Suben“ (im Neuen Wiener Blatt 1873). – „Das Goldfischchen vom Schwender“ (in der Morgen-Post 1873). – „Die Böhmen am Wienerberge“ (in ders. 1866). – „Die Geheimnisse der Schottenbastei“ (im Wiener Tagblatt 1869). – „Der Feuerwächter von der Brigittenau“ (in der Morgen-Post 1870). – „Der Mörder des Melichar“, – „Das Sacrament des Teufels“ (beide in der Morgen-Post 1873). – „Wiener Hofgeschichten“, – „Das Laternenweibchen“ (beide im Familien-Journal der Morgen-Post 1874). – „Der Diamantenräuber“ (in der Morgen-Post 1874). – „Mysterien des Praters“ (im Wiener Tagblatt 1872). – „Die rothe Maske in der Mehlgrube“ (in der Morgen-Post 1864). Die letztgenannten 37 sämmtlich Wiener Volksromane. – „Der Kreuzherr von Pöltenberg“ (in der Morgen-Post 1869). – „Die Jesuitenburg“ (in derselben 1868). – „Die Engelsmühle am Wienerberge“ (im Wiener Tagblatt 1871). – „Die Sünden des alten Wien“ (im Wiener Extrablatt 1872) – „Gablenz“ (im Neuen Wiener Blatt 1874). – „Der Teufel aus dem Amalienhofe“ (in demselben 1873). – „Der rothe Magistratsrath“ (im Wiener Tagblatt 1873). – „Die Sybille vom Kahlenberge“ (in demselben 1872). – „Die Goldspinnerin“ (in demselben 1870). – „Der Alte aus dem Schweizerhofe“, – „Der Ring des Kaisers“ (beide in demselben 1871). – „Die Geheimnisse von Rom“, – „Die Mädchengallerie des Fürsten Kaunitz“, – „Die Doppelgängerin der Kaiserin“. – „Der Todtenvogel vom Neubau“ (alle vier im Neuen Wiener Blatt 1874). – „Die Prälatin von Klosterneuburg“ (im Wiener Tagblatt 1874). – „Das Irrlicht von Frohsdorf“ (in der Morgen-Post 1874). Die letzten 17 insgesammt historische Romane. [163] – Von den in Provinzblättern erschienenen Romanen sind mir bekannt: „Das Mädchen aus der Königsgasse“ (im Pester Journal 1870). – „Der Schneidercavalier“ (im Gratzer Journal 1871). – „Der unsichtbare Cardinal“ (ebd.). – Außer den hier namentlich angeführten Romanen erschienen noch über ein Viertelhundert andere in verschiedenen Wiener, Gratzer, Pesther und Brünner Journalen von demselben Verfasser. Eine ungewöhnlich große Auflage erlebten seine im Familien-Journale des Wiener Tagblattes veröffentlichten historischen Romane: „Der Depeschendieb“ und „Die Freimaurer in Wien“. Die Auflage erreichte an 70.000 Exemplare.