BLKÖ:Scheiner, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 171. (Quelle)
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Scheiner, Joseph (gelehrter Theolog, geb. zu Böhmisch-Leipa am 13. März 1798, gest. zu Wien am 12. August 1867). Dürfte derselben Familie entstammen, welcher der in den Quellen S. 172 erwähnte gleichnamige Böhmisch-Leipaer Bürgermeister Joseph Scheiner angehört. Im J. 1815 bezog S. die Prager Hochschule, an welcher er bis 1817 den Studien oblag, worauf er in das Priesterseminar zu Leitmeritz eintrat und in demselben die theologischen Studien beendete. Mit besonderer Vorliebe betrieb er die orientalischen Sprachen. Am 24. August 1821 erlangte er die Priesterweihe, und nun wurde er in das Weltpriester-Bildungsinstitut zu St. Augustin in Wien aufgenommen, in welchem er bis 1824 verblieb. Alsdann kehrte er in die Leitmeritzer Diöcese zurück und wurde von Bischof Milde [Bd. XVIII, S. 301] mit der Lehrkanzel des Bibelstudiums A. T. und der orientalischen Sprachen an der Diöcesan-Lehranstalt betraut. Im Jahre 1827 erfolgte seine Ernennung zum k. k. Hofcaplan in Wien, im Jahre 1831 erhielt er als Nachfolger Ackermann’s [Bd. I, S. 3] dessen Professur an der Wiener Hochschule, anfangs provisorisch, am 28. April 1833 definitiv. 24 Jahre war S. auf diesem Posten thätig, bis er am 19. März 1855 zum Domherrn bei S. Stephan ernannt wurde. Diese Stelle bekleidete er bis an sein Lebensende, welches nach einer Rückkehr von der Visitation der Klosterschule in Heiligenkreuz nach nur kurzer Krankheit im Alter von 69 Jahren erfolgte. Im Jahre 1855 bekleidete S. die Würde des Rector magnificus an der Wiener Hochschule. Mit seiner lehramtlichen Thätigkeit verband S. die schriftstellerische, welche sich jedoch weniger in der Veröffentlichung selbstständiger Werke, als in Redactionsarbeiten kundgab, obwohl sein Nachlaß auch an ersteren ungemein [172] reich ist. Selbstständig hatte S. bei Lebzeiten nur die kleine Broschüre: „Die Religionsvorträge an den Gymnasien, oder Reform des österreichischen Unterrichts“ (Wien 1848, Braumüller, 8°.) veröffentlicht. Sein schriftstellerisches Wirken beruht bei Lebzeiten vornehmlich auf der Herausgabe und Redaction der mit Dr. J. M. Häusle im Jahre 1850 begründeten „Zeitschrift für katholische Theologie“, welche ein Organ gemeinsamer literarischer Thätigkeit für die höhere Cultur der katholisch-theologischen Wissenschaft sowohl nach der theoretischen als praktischen Seite hin sein sollte, um jene innere Ueberzeugung, d. i. das klare und bestimmte kirchliche Bewußtsein, das im Glauben und Wissen seinen Grund hat, zu wecken und zu heben. Früher schon an der von dem Hofburgpfarrer Pletz [Bd. XXII, S. 432] begründeten „Neuen theologischen Zeitschrift“ thätig, war er nun an seiner eigenen einer der fleißigsten Mitarbeiter, denn jeder Jahrgang enthält eine oder zwei Abhandlungen und besonders viele kritische Aufsätze über Werke aus allen Theilen der katholischen Theologie aus seiner Feder. Durch die ganze Zeit ihres achtjährigen Bestandes führte S. die Redaction. Später, 1862, trat an die Stelle derselben: „Die österreichische Vierteljahrschrift für katholische Theologie“, an deren Zustandekommen S. selbst den wesentlichsten Antheil hatte, und an welcher er sich gleichfalls als sehr fleißiger Mitarbeiter betheiligte. Nach seinem Tode gab der Redacteur der Allgemeinen Literaturzeitung für das katholische Deutschland. Dr. Th. Wiedeman, S.’s „Predigten ... mit einer Lebensskizze des Verstorbenen“ (Wien 1869, W. Braumüller, mit S.’s Bildniß, 8°.) heraus, worin eine Auswahl von Predigten, 32 an der Zahl, welche S. bei verschiedenen Gelegenheiten zum Theil in der k. k. Hofcapelle gehalten hat, aufgenommen ist. Aus der Lebensskizze erfahren wir, daß im Nachlasse S.’s sich nicht weniger denn 47 druckbereite Manuscripte befinden. Seine Bibliothek hat S. in seinem Testamente vom 8. März 1858 zum größten Theile der Wiener Universitäts-Bibliothek vermacht, damit, wie es in seiner letztwilligen Anordnung, § 5, heißt: „die jungen Wiener Seelsorger, welche nach weiterer theologischer Ausbildung streben, sich derselben leicht und bequem bedienen können“. Die Bibliothek umfaßte 1305 Werke mit etwa 4000 Bänden und waren Geschichte, Theologie in allen Zweigen, vornehmlich Exegese und orientalische Sprachkunde, darin stark vertreten. Auch fanden sich darin viele ältere hebräische Werke und zahlreiche theologische Zeitschriften. Um dieses Vermächtniß kenntlich zu machen, wurden sämmtliche Bücher mit einer lithographirten Etiquette versehen, welche die Aufschrift trägt: „Aus dem Legate des hochwürdigen infulirten Prälaten und Domcantors von St. Stephan Dr. Joseph Scheiner vom Jahre 1867“. Schließlich sei noch bemerkt, daß S. in der vormärzlichen Zeit längere Zeit das Censoramt der theologischen Literatur ausübte und zwar in ziemlich ängstlicher Weise, welche den hoch- und wissenschaftlich gebildeten Theologen, der er unbestritten war, kaum vermuthen läßt.

Den von Dr. Th. Wiedeman herausgegebenen „Predigten“ Scheiner’s geht dessen Lebensskizze voran. – Wiener Zeitung (gr. 4°.) 1867, Nr. 260, S. 407: „Dr. Joseph Scheiner“. Nekrolog von Dr. Jos. Diemer. – (Hoffinger, J. Ritt. v.) Oesterreichische Ehrenhalle (Wien 1868, Seidel u. Sohn, gr. 8°.) V. 1867, S. 51. – Porträt. Dasselbe befindet sich in Scheiner’s, von Dr. Wiedeman herausgegebenen „Predigten“. –