BLKÖ:Schneller, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schneller, Christian
Band: 31 (1876), ab Seite: 42. (Quelle)
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Schneller, Joseph (gelehrter Jesuit, geb. zu Gratz in Steiermark 1. December 1734, gest. zu Wien 2. April 1802). Trat im Jahre 1740, im Alter von 16 Jahren, zu Wien bei St. Anna in den Orden der Gesellschaft Jesu. Zwei Jahre blieb er daselbst im Noviziate, dann kam er nach Leoben, um daselbst die Humanitätsclassen zu wiederholen, von dort nach Wien, wo er zwei Jahre Philosophie, und dann nach Tyrnau, wo er ein Jahr Mathematik hörte. Nun wurde ihm selbst ein Lehramt, und zwar zu Laibach in den unteren Schulen übertragen, welches er durch vier Jahre versah, worauf er nach Wien zur Beendung der theologischen Studien geschickt ward. Daselbst erlangte er auch die theologische Doctorwürde. Nachdem er nun noch sein drittes Probejahr zu Judenburg zugebracht, [43] wurde er als deutscher Feiertags-Prediger und Katechet nach Raab geschickt; aber schon im November 1766 nach Wien berufen, wurde er dem stets kränkelnden Domprediger bei St. Stephan zur Aushilfe beigegeben, bald darauf aber selbst zum wirklichen Domprediger ernannt. Letztere Stelle versah er auch nach Aufhebung seines Ordens, im Ganzen durch 36 Jahre. In der Zwischenzeit war er mehrere Jahre hindurch Beneficiat zu St. Magdalena und dann Feldcaplan des Wiener Bürgercorps, welches ihm denn auch, als er starb, die letzten Ehren erwies. Die lange Zeit, in welcher S. als Domprediger thätig gewesen, spricht genügend für seine Beliebtheit, wenn dabei auch der ästhetische Geschmack und Bildungsgrad seiner Zuhörer nicht eben im glänzendsten Lichte erscheint. So z. B. war es Schneller, der in einer seiner Predigten behauptet: „Es sey Sünde, einen Taubenschlag auf offener Straße zu bauen, weil das Schnäbeln der Tauben und ihr verliebtes Spiel die Vorübergehenden zur Unzucht reizen könne!!“ Es dürfte sich von dergleichen moralischen Lächerlichkeiten eine reiche Blumenlese in den Sammlungen seiner Predigten vorfinden. Die Titel der von ihm herausgegebenen Schriften sind: „Trauerrede auf Maria Theresia“ (Wien 1781, Fol.); – „Predigten auf alle Sonntage des Jahres“. 2 Bde. (Augsburg 1787, Doll, 8°.); – „Predigten auf alle Sonntage des Jahres“, 4 Theile (Wien 1787 u. 1788, gr. 8°.); – „Predigten für die heilige Fastenzeit“ (ebd. 1788), auch als 5. Theil der vorigen; – und „Predigten auf die Feste des Jahres“ (ebd. 1788), auch als 6. Theil der vorigen; – „Geistliche Uebungen“, 2 Bände (Wien 1803, A. Doll, 8°.). Viele von Schneller’s Gelegenheitsreden sind einzeln erschienen, so z. B. seine Leichenrede auf Kaiser Joseph II., 1790; auf Kaiser Leopold II. 1792; bei den zu St. Stephan gehaltenen feierlichen Exequien auf Papst Pius VI., 1800; auf die Jubelfeier des Erzbischofs Migazzi, 1801; bei der Einweihung der Fahnen der Bürgerwehr, 1770 und 1783; bei der Eröffnung des Armen-Institutes, 1783; zur Jahresfeier des allgemeinen Aufgebotes, 1798 und 1800; zur Einweihung der Kirche in Kalksburg nächst Wien, 1801, u. n. a.; ich konnte aber die bibliographischen Titel derselben mir leider nicht verschaffen. Die zur Sünde eher reizende, als sie abwehrende, ganz von dem prickelnden Geiste der berüchtigten Jesuitenmoral geschwängerte Homiletik seiner Reden abgerechnet, war P. Schneller ein beliebter, seiner Zeit berühmter Kanzelredner und galt allgemein als würdiger Priester, dessen tugendhafter Lebenswandel und Wohlthätigkeit gegen Arme ihm die allgemeine Liebe und Achtung erwarben. In seinem Nachlasse befand sich in Handschrift die Sammlung seiner vor den adeligen Damen Wiens gehaltenen Kanzelreden. Zum Erben seines gesammten Vermögens hat er die Wiener erzbischöfliche Curie eingesetzt.

Annalen der österreichischen Literatur. Herausgegeben von einer Gesellschaft inländischer Gelehrter (Wien, A. Doll, 4°.) 1802, Bd. II, Intelligenzblatt Nr. 10, S. 78. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, 8°.) Bd. II, Sp. 429. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 571. – Steiermärkische Zeitschrift. Redigirt von Dr. G. F. Schreiner, Dr. Albert von Muchar, C. G. Ritter von Leitner, Anton Schrötter (Grätz, Damian u. Sorge, 8°.) Neue Folge, VI. Jahrg, (1841), S. 64, Nr. LXXVIII. – [44] Stoeger (Joh. N.), Scriptores Provinciae Austriacae Societ. Jesu (Viennae 1855, Lex 8°.) p. 318.