BLKÖ:Schoberlechner, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Schobri, Georg
Band: 31 (1876), ab Seite: 66. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Schoberlechner in der Wikipedia
GND-Eintrag: 140533435, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schoberlechner, Franz|31|66|}}

Schoberlechner, Franz (Pianist und Componist, geb. zu Wien am 21. Juli 1797 gest. auf einer Reise nach Deutschland zu Berlin am 7. Jänner 1843). Der Sohn eines Kaufmanns, zeigte früh Talent für die Musik und erhielt schon mit sechs Jahren Unterricht im Clavierspiele. Später wurde er ein Schüler Hummel’s, unter dessen Leitung er sich zwei Jahre bildete und solche Fortschritte machte, daß er im Alter von 10 Jahren sich öffentlich hören lassen durfte, wobei er bereits eigene Compositionen vortrug. Während er noch im Gesange und Violinspiele Unterricht nahm, machte er bei Emanuel Alois Förster [Bd. IV, S. 273] Studien im Generalbasse und in der Composition. Im Jahre 1814 begab er sich nach Gratz und gab dort Concerte und Unterricht; nach jahrlangem Aufenthalte daselbst ging er nach Triest, wo er ein Gleiches that. Im Jahre 1816 reiste er nach Florenz, von dort nach Rom und Neapel, überall Concerte gebend, und auf seiner Rückreise erhielt er in Florenz den Ruf als Hofcapellmeister und Lehrer der Herzogin Maria Louise nach Lucca. Nachdem er im Jahre 1820 seinen Abschied nahm, kehrte er nach Wien zurück und blieb daselbst bis 1823, vornehmlich mit Composition und der Redaction seiner zur Herausgabe bestimmten Arbeiten beschäftigt. Im Jahre 1823 reiste er nach St. Petersburg, wo er sich im folgenden Jahre verheirathete und nun mit seiner Gattin [s. d. weiter unten im Texte] vereint eine Concertreise durch die russischen Provinzen machte, von welcher er im Jahre 1826 nach Deutschland zurückkehrte. Alsdann nahm er einen mehrjährigen Aufenthalt in Italien, machte eine zweite Reise nach Rußland, hielt sich drei Jahre in St. Petersburg auf, von wo er nach Italien zurückkehrte, sich dort im Jahre 1831 in der Nähe von Bologna ein Landgut kaufte und daselbst, einige Reisen nach Wien und St. Petersburg abgerechnet, beständig lebte. Auf einer Ende 1842 unternommenen Reise nach Deutschland überraschte ihn zu Berlin der Tod im Alter von erst 46 Jahren. Als Clavier-Virtuos gehört S. noch zu den täglich seltener werdenden, welche in ihrer Kunst keine bloße Melkkuh sehen, sondern ihr wirklich als einer Göttin huldigen; es hat größere und bessere Virtuosen gegeben, als S. war, aber keinen, der ihn in Andacht für seine Kunst überböte. Als Componist war S. frühzeitig und ungemein thätig. Die Zahl Seiner im Stiche erschienenen Werke, Sonaten, Variationen, Phantasien, Rondo’s für das Clavier, Ouverturen für ganzes Orchester u. s. w. übersteigt weit ein halbes Hundert, es sind darunter erwähnenswerth: „Variazioni [67] sopra un tema nel Ballo: „La Slitta si Trieste“, Op. 13; – „Variazioni sopra un tema del „l’Armida“ di Rossini“, Op. 4; – „Dodici variazioni facili sopra il tema fav.: „Questi inpalpabili spiriti invisibili“ nella „Clotilda“ di Coccia“, Op. 20; – „Sonate in E-moll““, Op. 25; – „Rondoletto russe in A“, Op. 31; – „Variazioni sul tema: „Oh cara memoria“ nel „l’Adele di Lusignano“ di Carafa“, Op. 32; – „Rondoletto brillante in D“, Op. 36; – „Variat. sur l’air fav.: „Ah circondatemi“ de „Zelmira“ di Rossini“, Op. 42; – „Variazioni sopra un coro della „Zelmira“ di Rossini“, Op. 44; – „Variations sur une Valse de Leidesdorf, Op. 52; – „Introduzione e Variazioni brillanti sopra un tema della „Bianca e Fernando“ di Bellini“, Op. 61; – „La Pastorella delle Alpi“, Arietta tirolese di Rossini con variazioni facili“, Op. 65; – „Variazioni sopra un tema della „Cenerentola“ di Rossini“; – „Introduzioni e Variazioni sopra un tema del „l’Anna Bolena“ di Donizetti“; – „Introduzione e Variazioni brillanti sopra il tema „Ah non giunge uman pensiero“ nella „Sonnambula“ di Bellini“; – mit Beriot gemeinschaftlich: „Duo brill. sur un motif de „l’Elisir d’Amore“ di Donizetti“. Außer diesen kleineren Werken schrieb S. auch einige Opern, deren mehrere mit entschiedenem Beifalle aufgeführt wurden, und zwar: „I Virtuosi teatrali“, Opera buffa, 1816 in Florenz gegeben; – „Gli Arabi nelle Gallie“, in Lucca um 1819 aufgeführt; – „Der junge Onkel“, zu Wien im Kärnthnerthor-Theater mit Beifall dargestellt, und „Il Barone di Dolzheim“, ein Werk seiner späteren Jahre; das Manuscript nebst Partitur einer Oper, betitelt: „Rossane“, befindet sich in der reichen Sammlung von musikalischen Autographen, welche Ricordi in Mailand besitzt. – Seine Gemalin Sophie (geb. zu St. Petersburg im Jahre 1809, n. A. schon 1807, gest. ebenda im Jänner 1864 und nicht, wie Fétis angibt, 1863 zu Florenz) war eine Tochter des Gesanglehrers Filippo Dall’ Occa und von ihm im Gesange ausgebildet. Seit 1824 Schoberlechner’s Gattin, machte sie im Vereine mit ihm Kunstreisen und sang bis 1827 nur in Concerten, im Jahre 1827 aber, als sie mit ihrem Gatten wieder in Petersburg war, nahm sie Engagement bei der italienischen Oper mit 20.000 Rubeln Jahrgehalt, sang an derselben bis 1831, von da ab auf vielen Bühnen Italiens, meist an der Scala in Mailand und 1833 in der Saison der italienischen Oper in Wien. Ende 1840 war sie ihrer schwankenden Gesundheit und abnehmenden Stimme wegen genöthigt, von der Bühne sich zurückzuziehen. Sie starb in ihrer Heimat im Alter von etwa 54 Jahren. Die S. zählte zu den bedeutendsten Sängerinen ihrer Zeit, die es immerhin wagen durfte, an der Scala neben der Malibran zu singen.

Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Köhler, Lex. 8°.) S. 758. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VII, S. 1190 [daselbst heißt er irrig Friedrich]. – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden 1857, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. III, S. 499 u. 500 [die genannten Quellen geben auch Nachricht über seine Frau Sophie]. – Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. [68] Neidhard, gr. 8°.) S. 304. – Porträte. 1) Facsimile des Namenszuges: Sofia Dall’ Occa Schoberlechner. Kriehuber 1838 (lith.). Gedruckt bei Johann Höfelich (Wien, Mechetti, Halb-Fol.); – 2) Unterschrift: Sofia Dall’ Occa Schoberlechner. Stahlstich von Richter (4°.). aus der Baumgartner’schen Leipziger Modezeitung.