BLKÖ:Schwarzenberg, Anna Gräfin von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 14. (Quelle)
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6. Anna Gräfin von Schwarzenberg[WS 1] (geb. 25. November 1535, gest. 18. December 1623). Sie ist eine Tochter des reichen Wilhelm Neumann aus Villach, der einen Thurm zu Döllach, das Schloß Treffen und Wasserleonberg im Gailthale Kärnthens besaß. Anna ist eine der merkwürdigsten Frauen ihrer Zeit und war, ehe sie Georg Ludwig von Schwarzenberg [S. 21, Nr. 26] 1617 – in ihrem 82. Jahre – heirathete, schon fünfmal vermält, und zwar a) im J. 1557 an Johann Jacob von Thanhausen; b) 1566 an Christoph von Liechtenstein-Murau; c) 1582 an Ludwig Freiherrn von Ungnad; d) 1586 an Karl von Teufenbach; e) 1611 an Ferdinand Grafen Ortenburg. Anna, die, wie die Gallerin auf Riegersburg, im Volksmunde fortlebt, begünstigte sehr den Protestantismus, zu dem sie, 20 Jahre alt, selbst übergetreten war. Schon im Leben als Sechsmännerin nicht uninteressant, wurde sie es nach ihrem Tode noch mehr. Ihr letzter Gemal, Graf Georg Ludwig zu Schwarzenberg, hatte sie im Alter von 82 Jahren, während er selbst erst 30 Jahre zählte, geheirathet. Zum Danke dafür, daß er sie immer wie ein „zärtlicher Sohn“ behandelt, hatte sie ihm noch bei Lebzeiten das schöne Murau, einen Besitz mit über 40 Gemeinden und 63.241 Joch fassend, geschenkt. Anna war in zweiter Ehe, wie oben bemerkt ist, mit einem Christoph von Liechtenstein vermält. Dieser war mit seinen Geschwistern Mitbesitzer von Murau. Nach Christoph’s Tode kaufte seine Witwe Anna zu dem 1/6 Antheile ihres Gemals die übrigen fünf Antheile von ihren Schwägern und ward 1574 alleinige Besitzerin von Murau, welches nun in Schwarzenberg’schen Besitz gelangte und in demselben seither geblieben ist. Als Gräfin Anna 88jährig starb, fand erst mehrere Wochen nach ihrem Ableben – sie war nämlich am 18. December 1623 gestorben und wurde am 29. Jänner 1624 bestattet – ihre Beerdigung Statt. Ursachen dieser Verspätung waren die vergeblichen Bemühungen ihres Gatten, ihre Beisetzung in der Murauer St. Mathäi-Pfarrkirche an Seite ihres zweiten Gemals und seiner Familie zu erwirken. Als Protestantin verweigerte ihr die geistliche Behörde die Beisetzung in der Pfarrkirche und gestattete nur die Beisetzung in der von den Liechtenstein gestifteten St. Elisabeth-Spitalskirche, aber auch hier nicht, wie sonst üblich, in der Kirche, sondern in einer Seitenmauer derselben. Auch ward das Begräbniß durch die Jahreszeit verzögert, indem es schwer fiel, im Winter die Materialien zu einem prächtigen Leichenbegängnisse und zur Unterbringung der vielen geladenen Gäste nach Murau zu beschaffen. Matthäus Pangerl hat in der „Gratzer Tagespost“ (vom 30. October 1871, S. 291) die Todtenfeier, an der übrigens auch katholische Geistliche theilnahmen, im Aufsatze: „Ein Begräbniß anno 1624“, quellenmäßig beschrieben. Es kostete dasselbe nach dem damaligen Gelde 5000 fl. Oben wurde gesagt, daß die Bestattung nicht in der sonst üblichen Weise in der Kirche stattfand. Das verhält sich auch so. Nachdem also die Beisetzung in der kleinen, capellenartigen Spitals- oder Elisabethkirche genehmigt worden, wurde in der ziemlich dicken Kirchenmauer unmittelbar neben dem Eingangsthore eine Nische ausgebrochen, geräumig genug, um den Metallsarg der Gräfin aufzunehmen. Nachdem der Sarg eingestellt war, wurde die Nische halbziegelstark zugemauert und dieses Mauergrab erhielt durch die Inschrifttafel des von dem Grafen Georg Ludwig seiner Gemalin errichteten prächtigen Denkmals ebenso eine schützende als schmückende Decke. Das von dem Bildhauer Martin Porobello aus schwarzem, weißem, blauem und rothem Marmor ausgeführte Grabmal hat Joseph Bergmann in den „Mittheilungen der k k. Central-Commission für Baudenkmale“, V. Jahrg. (1860), S. 207 u. f., beschrieben. Bis zum Jahre 1859 blieb das Grab der Gräfin unbehelligt. Da erschien im Juli genannten Jahres ein Karl Haas in der Eigenschaft eines steiermärkischen Landes-Archäologen in Murau und verlangte, auf diese Eigenschaft gestützt, die Oeffnung des Grabes und darin befindlichen Sarges, [15] um der Sage, die Gräfin sei mit Schätzen begraben worden, auf den Grund zu sehen. Sonderbarer Weise, hatten sich die maßgebenden Personen durch das Auftreten des sogenannten Landes-Archäologen verblüffen lassen und gegen die freche Entweihung der letzten Ruhestätte der Gräfin Anna keine Einsprache erhoben. Schätze wurden keine gefunden, nur ein werthvoller Ring am Finger des noch bekleideten Skelettes. Erst von der vollendeten Thatsache – geschehen am 25. Juli 1859 – wurde der regierende Fürst in Kenntniß gesetzt, und mit der den Beamten ertheilten wohlverdienten Rüge war doch an der Thatsache nichts mehr zu ändern. Der Ring der Gräfin Anna befindet sich jetzt in der fürstlichen Antiquitäten-Sammlung zu Krumau. Indessen war das Elisabethkirchlein, Anna’s Grabstätte, längst baufällig und auch als Aufbewahrungsort von Feuerlösch- und Turnerrequisiten profanirt worden. Der davon in Kenntniß gesetzte Fürst ordnete nun den weiteren Schutz des Grabmals der Gräfin Anna und zu diesem Zwecke die Uebertragung des Sarges und Denkmals in die von dem Grafen Georg Ludwig gegründete und zu seiner und seiner zweiten Gemalin Maria Elisabeth Gräfin von Sulz (gest. 1651) Ruhestätte auserkorene Kapuzinerkirche zu Murau (außerhalb der Stadt) an. Am 25. October 1873 fand die geräuschlose Ueberführung des Sarges der Gräfin Anna in die Schwarzenberg’sche Familiengruft bei den P. P. Kapuzinern in Murau und im August 1875 auch jene ihres Denkmals Statt, und nun ruht Gräfin Anna, Georg Ludwig’s erste Gemalin, zusammen mit seiner zweiten an der Seite ihres sechsten Gemals. Die Inschrift ihres Grabsteines theilt Karl Schmutz in seinem „Historisch-biographischen Lexikon des Herzogthums Steiermark“ (Bd. III, S. 591) mit. Gräfin Anna, wie schon bemerkt, eine der merkwürdigsten Frauen ihrer Zeit, verdiente eine eingehende Behandlung. Leopold von Beckh-Widmanstetter, mehrjähriger Schriftführer des historischen Vereins für Steiermark, hat sich mit Forschungen über die Gräfin und das Aussterben der steirischen Liechtensteine beschäftigt, auch im historischen Vereine am 20. März 1872 einen dießbezüglichen Vortrag gehalten; aber ohne genaue Kenntniß der Quellen, welche jedoch nur in den Archiven der Fürsten Liechtenstein und Schwarzenberg zu suchen und vielleicht auch dort nicht mehr zu finden sind, ist eine genügende Arbeit kaum zu leisten. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vergleiche den 2. Artikel zu dieser Person Neumann von Wasserleonberg, Anna.