BLKÖ:Serionne, Joseph Accarias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 34 (1877), ab Seite: 148. (Quelle)
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Serionne, Jos. Accarias (Schriftsteller, geb. zu Chatillon bei Die in der Dauphine im Jahre 1709, gest. in Wien im Jahre 1792). Die Nachrichten [149] über seine Lebensverhältnisse bis zur Zeit, da er Advocat beim Parlament in Paris war, fehlen. Im Jahre 1762 begab er sich nach Brüssel in der Hoffnung, dort eine Anstellung zu erhalten. Nach erfolglosen Bemühungen verließ er die Stadt und ging 1766 nach Wien, um daselbst sein Glück zu versuchen, das ihm aber auch da sich nicht hold zeigte, worauf er im Jahre 1769 in die Dienste Theodors Grafen Batthyany trat, eines durch seine technischen Versuche, namentlich seine Erfindung einer Vorrichtung, stromaufwärts zu fahren, bekannten unternehmenden Cavaliers, der damals mehrere Fabriken unter sich hatte und eines in Geschäften erfahrenen Mannes bedurfte, als welcher ihm Serionne erschien. Bis zum Jahre 1774 blieb S. in den Diensten des Grafen, dann sei er, so hieß es, auf eine kön. Cameralherrschaft gekommen, welche er nach Einigen als Pächter übernommen hätte, während er nach Anderen als landesfürstlicher Verwalter derselben bestellt gewesen wäre. Als national-ökonomischer, politischer und historischer Schriftsteller thätig, hat S. sowohl mehrere selbstständige Schriften als auch Uebersetzungen veröffentlicht, und zwar: „L’Etna de Cornelius Severus et les Sentences de Publius Syrus, avec des remarques, des dissertations etc.“ (Paris 1736, Chaubert, 12°.); – „Mémoires concernant l’exécution du Concordat Germain“ (1747, 4°.); – „Les intérèts des nations de l’Europe developpés relativment au commerce“ 2 Bände (Leyden 1766, 4°.), später in 4 Bänden (Paris [Amsterdam]1767, 12°.), wovon auch eine deutsche Uebersetzung erschien; – „Le commerce de la Hollande ou Tableau des Hollandais dans les quatre parties du monde“ 3 Bände (Amsterdam 1765–1768, 12°.), davon eine deutsche Uebersetzung (Leipzig 1771, 8°.); – „La Richesse de la Hollande“ 3 vol. (Londres [Leyden] 1768, 12°.), auch in 2 Bänden (1778, 4°.) und in 5 Bänden (12°.), an diesem Werke soll mit Serionne gemeinschaftlich E. Luzac gearbeitet haben; – „La Richesse de l’Angleterre“ (Vienne 1771, 4°.); – „La liberté de penser et d’écrire“ 2 vol. (Vienne 1775, 8°.), auf der Widmung des Buches an die Kaiserin Maria Theresia nennt sich der Verfasser: – „L’Ordre moral’ ou le dévellopement des principales lois de la nature qui constituent de la beauté de l’ordre moral et leur application à ce qui, dans les moeurs interesse le plus humanité“ (Augsbourg 1780, Stage, 8°.); – „Situation politique actuelle de l’Europe considerèe relativement a l’ordre moral...“ (Augsbourg 1781, 8°.), bildet, so zu sagen, das Supplement zu dem oberwähnten Werke: „L’Ordre moral...“. Außerdem hat er Angelo Fabroni’s „Leben des Lorenzo Medicis“ unter dem Titel: „Vie de Laurent de Medicis dit le Magnifique“ (Berlin 1791, 8°.) aus dem Lateinischen, und Joseph Mor. Lampredi’s „Handel neutraler Völker in Kriegszeiten“ unter dem Titel: „Du commerce des peuples neutres en temps de guerre“ 2 vol. (La Haye 1793, 8°.) aus dem Italienischen übersetzt. Es würde sich wohl der Mühe lohnen, über Serionne’s Wirksamkeit während seines Aufenthaltes in Oesterreich, der sich über die Dauer eines Vierteljahrhunderts ausdehnte, wobei derselbe so wichtige Fragen, wie die Denk- und Preßfreiheit, erörterte und sogar der Kaiserin zueignete, Näheres zu erfahren. Sein letztes Werk, die Uebersetzung von Lampredi’s über den Handel neutraler [150] Völker im Kriege, ist unmittelbar nach seinem Tode erschienen.

(de Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, von Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. St., S. 140. – Ersch (Jean Sam.) La france littéraire ... de 1771–1796 (Hambourg 180., B. H. Hoffmann, 8°.) Tome 3me, p. 268, Supplement, p. 428, Seconde Supplement, p. 482.