BLKÖ:Skuherský, Franz Zdenko

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Skuherský, Rudolph
Band: 35 (1877), ab Seite: 114. (Quelle)
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Skuherský, Franz Zdenko (Tonsetzer, geb. zu Opotschno 31. Juli 1830). Ein Sohn des Arztes Franz Alois S. [s. den Vorigen] und Bruder des Professors Rudolph [s. d. S. 116]. Im Hause seines Vaters, eines tüchtigen und gesuchten Arztes, erhielt Franz Zdenko eine sorgfältige Erziehung. Frühzeitig entwickelte sich sein musikalisches Talent, und glaubte er in Ausübung desselben seinen künftigen Beruf zu erkennen. Davon aber wollte der Vater nichts wissen. Obwohl ein Freund und Kenner der Musik, wollte er sie doch nicht von seinem Sohne zur Lebensaufgabe gewählt sehen, vielmehr hatte er ihn zu seinem Nachfolger als Arzt bestimmt und so sollte er Medicin studiren. Das Gymnasium besuchte er zuerst in Königgrätz, später in Prag, wo er anfänglich auf jenem in der Kleinseite studirte, später aber auf jenes in der Prager Altstadt übertrat, wo er 1846 die Gymnasialstudien beendete. [115] Nun hörte er gleichfalls in Prag die Philosophie, bildete sich aber, und das geschah über Geheiß des Vaters, in der Musik, die er mit großer Vorliebe und mit Erfolg betrieb. Der Director der Prager Orgelschule Karl Franz Pitsch [Bd. XXII, S. 370] war sein Lehrer und unter seiner Leitung erlangte S. jene Tüchtigkeit in der Kunst, die er später offenbarte. So steigerte sich nur dessen Vorliebe für die Kunst und S. gerieth mit dem väterlichen Willen, sich dem ärztlichen Berufe zu widmen, in nicht geringen Widerstreit. In solchem Kampf mit sich selbst, begann er im Jahr 1848 die medicinischen Studien. Zwei Jahre hatte er dieselben mit Widerwillen nur auf das Geheiß des Vaters fortgesetzt; nun schickte ihn derselbe 1850 an die Wiener Hochschule, wo eben damals der medicinische Unterricht im höchsten Flor stand. Im October 1850 ging S. nach Wien, aber kaum dort angelangt, gab er das ärztliche Studium gegen den Willen und ohne Wissen des Vaters auf, und ganz der Musik sich zuwendend, nahm er die Stelle eines Musiklehrers in der Familie des Grafen Hardegg zu Seefeld in Niederösterreich, unweit der mährischen Grenze, an. Als der Vater Kenntniß von diesem Schritte erhielt, kam es im Anbeginn zu einer Spannung zwischen Vater und Sohn, endlich aber siegte der unüberwindliche Entschluß des letzteren, und als der Vater darin den Beruf des Sohnes erkannte, kehrte dieser nach erfolgter Versöhnung nach Prag zurück, wo er unter dem damaligen Director des Conservatoriums J. Friedr. Kittl [Bd. XI, S. 340] seine musikalische Ausbildung vollendete. Schon damals hatte sich S. in mehreren kleineren Compositionen versucht, welche, wie z. B. einige Lieder der Königinhofer Handschrift[WS 1] in Concerten aufgeführt, beifällige Aufnahme fanden. Auch hat er in jener Zeit die Composition eines größeren Werkes, der Oper „Samo“. Text von Stanek, begonnen, die aber des unvollendeten Libretto’s wegen auch Fragment geblieben. Der vortheilhafte Ruf, dessen sich S. damals bereits in den musikalischen Kreisen erfreute, veranlaßte 1854 seine Berufung nach Innsbruck, um die Direction des dortigen Musikvereins zu übernehmen. Zwölf Jahre, bis 1866, wirkte S. in dieser Stellung, welche er mit liebevollem Eifer versah, und während welcher er mehrere größere Werke vollendete. Von diesen sei erwähnt seine Oper „Der Liebesring“, nach des Dr. Schmidt preisgekröntem Libretto, welche im Februar 1861 im Innsbrucker Theater zur Aufführung kam und sehr gefiel [nach Anderen wäre J. N. Škroup der Compositeur der Oper „Liebesring“]; dann zwei andere: „Vladimir“ und „Lora“. Im Jahre 1866 erging an S. der Ruf zur Uebernahme der Direction der Orgelschule in Prag an Krejci’s Stelle, welchem S. auch folgte. Bei seinem Abgange aus Innsbruck erhielt S. von Seite des dortigen Musikvereins eine goldene Medaille. S. trat in Prag seine neue Stelle an, und wurde dann noch im Jahre 1868 auch Chordirector an der Kirche St. Castulus in Prag. Von anderen Werken S.’s sind zu erwähnen eine komische Oper: „Der Rekrut“, welche S. im J. 1866 der Direction des deutschen Theaters zur Aufführung übergab, und zwei andere Opern nach vaterländischen Stoffen: „Tod des Königs Wenzel“ und „Jaroslaw von Sternberg“, deren Aufführung aber bisher nicht erfolgt ist. Von S.’s bisher im Stich erschienenen Compositionen sind mir bekannt: „Quatre pénsees du soir“. Für das Pianoforte; – „Studien für die Orgel“. Op. 13 (Prag, Schindler); [116]„Písně“, d. i. Lieder. Op. 8 (Prag, Hoffmann); – „Sen“, d. i. Der Traum. Für eine Singstimme mit Pianobegleitung. Op. 15; – „Tři písně: 1. Skřívanek; 2. Opustena; 3. Kytice“, d. i. Drei Lieder: 1. Die Lerche; 2. Die Verlassene; 3. Das Sträußchen (ebd.), alle drei Lieder aus der Königinhofer Handschrift; – „Erinnerung an Reichstadt“, für das Pianoforte (Prag, Wetzler), das in den Quellen angeführte Schladebach-Bernsdorff’sche „Universal-Lexikon der Tonkunst“ berichtet, daß Skuherský im Jahre 1812 nach Prag zurückgekehrt sei, das ist denn nicht gut möglich, da er erst 1830 geboren ist. Diese Rückkehr S.’s (von Innsbruck nach Prag) erfolgte im Jahre 1866.

Světozor (Prager illustrirte Zeitschrift) 1869, Nr. 14, S. 119. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Schladebach, fortges. von Ed. Bernsdorff (Dresden 1857, Rob. Schäfer, gr. 8°.), Bd III, S. 584. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.), 1866, Nr. 74. – Bote für Tirol und Vorarlberg 1861, Nr. 47 u. 49, in der Rubrik: „Musik“.
Porträt. Holzschnitt. Unterschrift: „Frant. Zdeněk Skuherský“. Gezeichnet nach der Photographie von J. B. In Holz geschnitten von Schulz.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Königinhofer Handschrift (Wikipedia).