BLKÖ:Skuherský, Rudolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Skultety, Ladislaus
Band: 35 (1877), ab Seite: 116. (Quelle)
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Skuherský, Rudolph (Mathematiker, geb. zu Opotschno 24. April 1828, gest. zu Prag 9. October 1863). Ein Sohn des Arztes Franz Alois S. [siehe S. 114] und ein Bruder des Componisten Franz Zdenko S. [siehe den Vorigen]. Das Gymnasium besuchte er zu Königgrätz und Braunau, dann kam er auf die Realschule nach Prag. Im Jahre 1846, damals 18 Jahre alt, wendete er sich der landwirthschaftlichen Beschäftigung zu und verbrachte in derselben zwei Jahre auf den fürstlich Colloredo-Mannsfeld’schen Gütern Dobřis und Opotschno zu. 1848 bezog er die technische Anstalt in Prag, an welcher er das Jahr hindurch verblieb; im folgenden setzte er am Wiener polytechnischen Institute seine Studien fort. Er beschäftigte sich damals mit Vorliebe mit Arbeiten im Gebiete der beschreibenden Geometrie und in den Sitzungsberichten des Jahres 1850 der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften der mathematisch-naturwissenschaftlichen[WS 1] Classe veröffentlichte er zwei Abhandlungen: „Die orthographische Parallel-Perspective“ und „Die Theorie der Theilungspuncte, als Beitrag zur Lehre von der freien Perspective“. Mit Beginn des Schuljahres 1851 wurde er, obgleich noch selbst Studirender, bereits Assistent für deskriptive Geometrie am Wiener polytechnischen Institute. Im November 1853, nachdem Professor Wiesenfeld auf die Fortsetzung der Vorträge über beschreibende Geometrie am Prager polytechnischen Institute verzichtet hatte und dieselben nun eine größere Ausdehnung erhalten sollten, erfolgte mit Decret des Landes-Ausschusses vom 7. November 1853 seine Berufung an das Prager Polytechnicum, um daselbst im Vorbereitungs-Jahrgange vorbereitenden Zeichnungsunterricht vorzutragen. Als dann mit ah. Entschließung vom 19. Juni 1854 die Lehrkanzel der Géometrie descriptive definitiv[WS 2] eingeführt worden, wurde S. am 16. August 1854 zum ordentlichen Professor dieses Faches ernannt, in welchem er bis an sein im schönsten Mannesalter von 35 Jahren erfolgtes Lebensende thätig blieb. Neben seinem Lehramte entfaltete S. noch manche andere Thätigkeit. So war er mehrere Jahre hindurch Geschäftsleiter des Prager Gewerbevereines, wurde im J. 1861 in den Wahlbezirken Chrudim und Nassaberg als Abgeordneter in den böhmischen Landtag gewählt, in [117] welchem er zur nationalen Partei gehörte; auch zählte er zu den Hauptbeförderern der Gründung der neuen Gewerbeschule und ausschließlich als sein Werk ist die Errichtung der Studentenfreitische anzuführen, bei deren Vertheilung aber seine nationale Richtung ihn nicht ganz unbefangen vorgehen ließ. Er bevorzugte die čechischen Studenten, was von deutscher Seite gerügt wurde. Es kam auch so weit, daß die deutschen Ausschüsse im letzten Semester 1861 aus dem Comité traten, so daß zuletzt im Ausschusse, der 18 Mitglieder zählte, nur ein Ausschuß-Mitglied deutscher Nationalität sich befand. Bei den Ausschußwahlen waren in Folge formwidrigen Vorganges in Wahl und Scrutinium die Deutschen immer durchgefallen. So z. B. verkündete man das Wahlresultat immer in čechischer Sprache und wurden auf deutsche Gesuche vom Comité čechische Bescheide gegeben. Auch war, wodurch den zahlreichen Klagen gegen die Verfügungen mit den Freitischen am leichtesten begegnet werden konnte, nie ein Ausweis oder sonst ein aufklärendes Schriftstück über die Gebarung des Fondes veröffentlicht worden. S.’s wissenschaftliche Thätigkeit umfaßt außer den obgenannten, in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften abgedruckten Abhandlungen nur noch die selbstständige Schrift: „Ausführliche Bearbeitung der orthographischen Parallel-Perspective“ (Prag 1855, Calve). Die Theilnahme, die sich bei seinem Ableben kund gab, war in den nationalen Kreisen eine ungemein große, und bei seinem Leichenbegängniß war die Menschenmenge kaum minder groß, als sie bei der Bestattung des Bürgermeisters Pstroß [Bd. XXIV, S. 37] sich eingefunden. Die Vereine „Sokol“, „Hlahol“, und wie alle diese Genossenschaften heißen, hatten sich fast vollzählig und sämmtlich in nationaler Tracht und wohl an 100 Fackelträger eingefunden.

Bohemia (Prager polit. und Unierhaltungsblatt, 4°.) 1863, Nr. 241. – Jelinek (Karl Dr.), Das ständisch-polytechnische Institut zu Prag (Prag 1856, Gottl. Haase, 8°.), S. 250 [nach diesem geb. am 23. April]. – Pilsener Bote (Lokalblatt) 1663, Nr. 82. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1863, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 941 [nach diesem geboren am 21. April 1828]. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 18, in der Correspondenz: „Aus Prag“. – Wiener Zeitung 1863, Nr. 235 [nach dieser geb. 23. April 1828]. – Hlas, d. i. Die Stimme (Prager polit. Blatt) 1863, Nr. 280, im Feuilleton [nach diesem geb. am 25. April 1828]. – Narodní listy, d. i. National-Zeitung (Prag) 1863, Nr. 238, im Feuilleton [nach diesem geb. am 23. April 1828]. – Posel z Prahy, Kalendař, d. i. Der Bote aus Prag, Kalender auf das Jahr 1865, S. 73 [nach diesem geb 25. April 1828]. – Rodinna kronika, d. i. Vaterländische Chronik (Prager illustr. Blatt, 4°.) Redigirt von J. Neruda, 1863, Nr. 81, S. 28 [nach diesem geb. am 25. April 1828]. – Slovník naučný, Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex.-8°.) Bd. VIII, S. 512.
Porträte. Diese im Holzschnitt, ohne Angabe des Zeichners und Xylographen, brachten die „Rodinna kronika“ 1865, Nr. 81, und der „Posel z Prahy“ 1865, S. 73.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: mathemathisch-naturwissenschaftlichen.
  2. Vorlage: defininitiv.