BLKÖ:Stadion-Thannhausen, Emerich Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 26. (Quelle)
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4. Emerich Graf Stadion-Thannhausen (geb. zu Belatincz in Ungarn 17. Februar 1838). Von der philippinischen Linie (Thannhausen), ein Sohn des Grafen Damian Friedrich und Katharinas, geborenen Prinzessin Ghika-Desanfalva. Frühzeitig regten sich in dem Grafen die Keime poetischen Schaffens und erst ein elfjähriger Knabe schrieb er schon ein Theaterstück, das Zauber-Märchen „Der Erdgeist“, und componirte auch sein erstes Clavierstück. In späteren Jahren trat er auf Dilettanten-Theatern zu wohlthätigen Zwecken auf und zeigte ein hübsches Darstellungstalent[WS 1]. In der Folge wurde sein Name öfters genannt, als der spiritistische Schwindel sich auch nach Oesterreich verirrte, wozu sein Vermögen eines magnetischen Schlafes erst das rechte Relief [27] hergab. Im Alter von 18 Jahren trat er in die kaiserliche Armee und zeichnete sich als Officier bei den Kaiserjägern in den Schlachten bei Magenta und Solferino aus. [Wir berichten nach Brümmer’s Dichter-Lexikon.] Merkwürdigerweise steht der Graf im Militär-Schematismus für 1863 wohl im Namens-Register als Unterlieutenant des Jäger-Regimentes aufgeführt, fehlt aber Seite 334 in der Namensliste des Regimentes selbst. In der Folge nahm er seinen Abschied aus der Armee, vermälte sich am 14. Juli 1867 mit Maria Madeleine, geborenen Gräfin von Gourieff, Besitzerin der Herrschaften Petris und Illtyo, des Gutes Vyniest und des Prädiums Musa bei Arad in Ungarn, aber nach wenigen Monaten bereits trennten sich die Gatten (März 1868). Seither führt der Graf ein Wanderleben, so daß sein Aufenthalt nicht zu bezeichnen ist. Ein an den Grafen nach der Adresse des Gothaischen genealogischen Taschenbuches, welches Raab als seinen Wohnort bezeichnet, nach Raab gerichtetes Schreiben kam mit der Bemerkung: „in Raab unbekannt“ an den Aufgeber zurück. Von den Arbeiten des Grafen sind bisher folgende im Drucke erschienen: „Christa“, Drama in 4 Aufzügen (Pesth 1869); – „Dornen. Erinnerungen und Ahnungen in drei Romanen“, 2 Bände (ebd. 1869), in Gemeinschaft mit E. M. Vacano; – „Rhapsodien eines Heimatlosen im Herzen“ (Hamburg 1873[WS 2]). – „Er entzieht mir seine Hände“. Lustspiel in 1 Aufz. (Wien 1874); – „Die Gräfin Egon Lohhausen. Salonstück aus der Wiener Gesellschaft in 3 Aufz. Nach dem Französischen der Mad. Ancelot“ (ebd. 1874). – Als demnächst erscheinend waren im Jahre 1874 angekündigt: „Zersprühende Funken“ – „Ein Bluetten-Bazar“ und „Beschrittene Wege“ – ferner ein Band Lustspiele. Als Manuscripte im Pult liegen: „Eine Ehe auf Pastell. Lustspiel in 2 Acten“, im Jahre 1865 im ständischen Theater zu Gratz mit entschiedenem Beifalle gegeben; – „Bouquet d’amour“. Dramolet; – „Die letzte Todte des Jahres“. Volksstück; – „Asta’s Lieder“. Roman; – „Blätter im Winde“. In der Kritik kommt Graf Emerich nicht immer am besten weg. Zuerst richtete sich die Aufmerksamkeit auf ihn durch einen Brief, den Sacher-Masoch [Band XXVIII, S. 22] an die Spitze seiner „Mondnacht“ an den Grafen gerichtet; eben dadurch wurden die Erwartungen sehr hoch gespannt, aber der Kritiker der „Neuen freien Presse“ geht unbarmherzig mit den Arbeiten des Grafen um, welche auch von anderer Seite nicht mit Glacé-Handschuhen angefaßt wurden. Daß der Graf auch componirt, wurde bereite oben bemerkt. Einige seiner Compositionen sind im Druck erschienen. Bekannt sind mir, außer einem „Marche militaire“ (Wien 1862, Spina), zwei Clavier-Compositionen: „Impromptus. Op. 6, Nr. 1: Une larme. Nr. 2: Un souvenir“ (Wien 1862, Spina). [Brümmer (Franz), Deutsches Dichter-Lexikon (Eichstädt und Stuttgart 1876, Krüll (H. Hugeldubel), schm. 4°.) Bd. II, S. 378. – Neue böse Zungen (Wiener Spottblatt, 4°.) 1871, S. 154: „Harmlose Briefe eines Großstädters“. – Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1869, Nr. 1831: „Belletristik“. Von Oscar Welten. – Illustrirtes Wiener Extrablatt (Wien, kl. Fol.) 1872, Nr. 94, im Feuilleton: „Graf Stadion, wo bist Du?“.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Dastellungstalent.
  2. Vorlage: 1473.